So modern kann die Orgel klingen: Leonie Deutschmann singt Jazz, Doo-Jin Park improvisiert dazu beim Orgelherbst

Erstellt am 10.10.2021

von Gabriela Peschke

Das erste Benefizkonzert aus der neunteiligen Veranstaltungsreihe zur Unterstützung der Orgel-Renovierung der Auferstehungskirche am Kurpark war gleich ein voller Erfolg: Die Zuschauer erhoben sich von den Plätzen und applaudierten minutenlang für die Sängerin Leonie Deutschmann und den Organisten Doo-Jin Park.

Unter dem Titel „Orgel trifft Jazz“ hatten die beiden eine Uraufführung konzipiert, bei der sie klassische Choräle neu interpretiert sowie bekannte Jazz-Stücke in eigener Bearbeitung vorgestellt haben. Kantor József Opicz, auf dessen Initiative die Veranstaltungsreihe entstanden ist, stellte die beiden Musiker als gute Freunde aus seinem Netzwerk an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford vor. Für den aus Südkorea stammenden Doo-Jin Park, der seit Juni 2019 als Kantor an der Stadtkirche Bad Salzuflen tätig ist, war es das erste Konzert in der Auferstehungskirche am Kurpark. Für die 24-jährige Leonie Deutschmann, Masterstudentin an der Hochschule in Herford, war das Konzert allerdings eine Rückkehr in vertraute Umgebung, hatte sie doch an der stattlichen Ott-Orgel bereits Unterricht gehabt, wie József Opicz den Zuhörern verriet.

In der gut vierzigminütigen Abendmusik zeigte sich das traditionsreiche Instrument von einer ungewohnt modernen Seite. Schon die spritzige Eröffnung („Fanny Blue“) ließ vermuten, dass Doo-Jin Park der Orgel entlocken kann, was man sonst vom Jazz-Piano kennt. Das bestätigte sich im weiteren Verlauf des Abends: Virtuos und fantasievoll gab er bekannten Jazzstandards eine individuelle Note oder modulierte traditionelle Kirchenlieder zu groovigen oder temporeichen Solo-Einlagen, so den Luther-Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich“ oder „In Dir ist Freude“ aus dem Evangelischen Gesangbuch Nr. 398. Die perfekte Ergänzung zu den Orgelimprovisationen war die formschöne Sopranstimme von Leonie Deutschmann. Ein feiner Dialog zwischen den beiden Musikern, ein freies Fließen zwischen Gesang und Orgelbegleitung schwebte durch das Kirchenschiff, als Leonie Deutschmann und Doo-Jin Park gemeinsam den Chorälen „Jesu meine Freude“ und „Nun danket alle Gott“ eine neue, zeitgemäße Lebendigkeit einhauchten, hinter der die klassische „Schwere“ dieser Kirchenlieder auf erfrischende Weise zurücktrat.

Kantor József Opicz führte durch das Programm und nutzte kleine musikalische Pausen, um für die Benefizaktion zu werben: Jede Eintrittskarte unterstütze bei den Renovierungskosten der Orgel, erklärte er, und dankte ausdrücklich den Künstlern, die sich an der Veranstaltungsreihe beteiligten. Im zweiten Konzertteil griffen Leonie Deutschmann und Doo-Jin Park bekannte Stücke aus der Jazz-Welt auf und interpretierten sie neu. Da gab es zunächst „Peace“ von Horace Silver, ein verträumtes Stück, bei dem Gesang und Orgelmusik ganz ineinander verschlungen waren. Oder den Song „Moonlight in Vermont“, bei dem die Orgel einen tiefen Klangteppich ausrollte, auf dem der bekannte Sinatra-Klassiker sanft dahinschlendern konnte. Fetzig wurde es im brasilianischen Bossa Nova-Rhythmus von „Chega De Saudage“. Leonie Deutschmann präsentierte diesen stimmungsvollen Song von Tom Jobim in portugiesischer Sprache und zauberte damit ein wenig südamerikanisches Sommerflair in den „Orgelherbst“. „Du meine Seele, swinge“, legte Doo-Jin Park nach: eine schwungvolle Improvisation über das klassische Kirchenlied, die vom Publikum mit reichem Applaus bedacht wurde. Sodann zeigte der Organist noch einmal, wie viel Jazz in den Pfeifen stecken kann, wenn man ihn zu entlocken versteht: Mit „Egatop“, einer Hommage an drei Giganten des Klavierjazz, beschloss Doo-Jin Park den Konzertabend, bevor er sich, gemeinsam mit Leonie Deutschmann, vor dem Altarraum noch einmal dem Publikum zeigte.

Musikerin Leonie Deutschmann kehrt in vertraute Umgebung zurück: An der Orgel in der Auferstehungskirche am Kurpark hatte sie bereits Orgelunterricht.

Organist Doo-Jin Park entlockte der Ott-Orgel in der Auferstehungskirche am Kurpark ungewohnte Klänge.

Patenschaft für die Orgelrenovierung

Wer eine Patenschaft für eine Orgelpfeife, eine Pfeifengruppe oder ein Register übernehmen möchte, kann sich gerne an József Opicz wenden unter kirchenmusikdontospamme@gowaway.wir-leben-mittendrin.de. Ab einem Betrag von fünf Euro ist ein Sponsoring möglich. Die Paten erhalten eine Urkunde und bekommen „ihre“ Pfeifen auf Wunsch auch gezeigt und angespielt. Wer sich über Spenden beteiligen möchte, kann dies unter folgender Kontoverbindung tun:

Bank für Kirche und Diakonie, Dortmund 
IBAN DE80 3506 0190 2007 2370 25
Kontoinhaber: Ev. Kirchenkreis Vlotho
Verwendungszweck: BO Altstadt - Orgelrenovierung