17/07/2026 0 Kommentare
Zeit für Begegnungen: Kurseelsorger Uwe Rosner spricht über seine Arbeit, die Rolle der Seelsorge und die Zukunft seiner Kirche
Zeit für Begegnungen: Kurseelsorger Uwe Rosner spricht über seine Arbeit, die Rolle der Seelsorge und die Zukunft seiner Kirche
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Zeit für Begegnungen: Kurseelsorger Uwe Rosner spricht über seine Arbeit, die Rolle der Seelsorge und die Zukunft seiner Kirche
Highlights
- Uwe Rosner war drei Jahrzehnte Kurseelsorger in den Rehakliniken Bad Oexen und Porta Westfalica.
- Vor seinem Ruhestand spricht er über die unzähligen Begegnungen und die Bedeutung der Kurseelsorge.
- Der Seelsorger wünscht sich eine Kirche, die sich auf gute Begegnungen mit den Menschen konzentriert.
Der Zufall wollte es, dass Uwe Rosner Seelsorger in den Rehakliniken in Bad Oeynhausen wurde. Und der Zufall, die Treffen auf dem Flur, das Anklopfen an der Zimmertür oder der Besuch im Andachtsraum, machten den Kern seiner Arbeit aus: Menschen zu begegnen. Dabei zu sein, wenn sie Fragen haben oder Rat suchen. Fast Fünfzigtausend dieser Begegnungen hat Uwe Rosner in drei Jahrzehnten in seinen beiden Kliniken, Porta Westfalica und Bad Oexen, und in der Gemeinde Volmerdingsen-Werste gehabt. Jetzt wurde der beliebte Pfarrer in den Ruhestand entlassen.
Es ist nicht schwer, Uwe Rosner zu begegnen. Auch wenn er zum Pressegespräch nicht eines seiner charakteristischen floralen Hemden, sondern gedecktes Grau trägt, hat der langjährige Kurseelsorger Präsenz: Großgewachsen, offener Blick, zugewandt. Ein Mensch, mit dem man leicht ins Gespräch kommt.
Uwe Rosner ist über seine ganze Karriere in der Region verwurzelt geblieben, seit dem Vikariat in Obernbeck und Probedienst in Bünde-Spradow. Auf eine kurze Zeit als Gemeindepfarrer in Hagedorn bei Kirchlengern folgte schon 1996 der Wechsel in die Kurseelsorge in Bad Oeynhausen, anfänglich noch im Beschäftigungsauftrag. Noch bevor er im November 1999 die kreiskirchliche Pfarrstelle für die Kurseelsorge übernehmen konnte, hatte der damalige Superintendent Christof Windhorst dem jungen Seelsorger einen lokalen Anker gegeben: In Volmerdingsen fand Uwe Rosner eine gemeindliche Anbindung, die über drei Jahrzehnte gehalten hat.
Warum Kurseelsorge?
Gibt es in einer immer säkulareren Welt überhaupt Bedarf nach Kurseelsorge? Mit der Gesundheitsreform seien die klassischen, langen Kuren und damit auch die längeren Beziehungen mit der Kurseelsorge rar geworden, erklärt Uwe Rosner. Dennoch überraschen die Zahlen, die der Seelsorger schließlich nennt: Über 30 echte Kontakte pro Woche, dazu stabile Besucherzahlen in den Andachten. Einige haben einen kirchlichen Hintergrund, sind auch in ihrer Heimatgemeinde aktiv. Doch viele suchen einfach das Gespräch in der Sondersituation des Reha-Aufenthalts.
Mit der für ihn typischen Art relativiert Uwe Rosner die Zahlen gleich: „Kurseelsorge ist nicht groß.“ Auch mit Verweis auf die manchmal dramatischeren Einsätze in der Krankenhausseelsorge möchte er seiner Arbeit nicht ins Rampenlicht stellen. Doch man merkt, dass dies nicht ganz der Wahrheit entspricht. Nicht alle seiner Begegnungen sind einfach. Manche Rehabilitanden haben lebensverändernde Erkrankungen oder Unfälle hinter sich. Manche werden nicht mehr in ihren Beruf zurückkehren können. „Ich weiß, dass manche der Menschen, denen ich hier begegne, nicht mehr lange leben werden“, gibt Uwe Rosner zu. Nicht nur in diesen Fällen stellen sich bei ihnen Fragen, bei denen ein Gespräch mit dem Kurseelsorger helfen kann.
„Weg von der Kerngemeinde, hin zur Begegnung“
Nach 30 Jahren in der Kurseelsorge kennt Uwe Rosner nicht nur die Kliniken Porta Westfalica und Bad Oexen in- und auswendig. Er hat auch einen eigenen Blick auf das kirchliche Leben und auf das, was Menschen von der Kirche erwarten. Welche Schlüsse zieht er daraus für die Kirche jenseits der Klinikmauern?
Seit zwölf Jahren hat Uwe Rosner als Mitglied des Kreissynodalvorstands die Entwicklung des Kirchenkreises Vlotho begleiten können. Auch in den einzelnen Gemeinden, nicht zuletzt in Volmerdingsen-Werste, hat er Spuren hinterlassen und Ideen eingebracht. Die Veränderungen in der Gebäudelandschaft der Gemeinden hat er begleitet und selbst schon früh an Lösungen für gemeinsame Gemeindezentren gearbeitet. Es brauche nicht die vielen Gebäude, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gebaut wurden. Doch die Kirche müsse Orte haben, um den Menschen zu begegnen - seien es Kirchen, Gemeindehäuser, Veranstaltungen oder eben die Flure der Akut- und Rehakliniken.
Er wünscht sich, „dass das, was wir haben auch gut ist“: Nicht alles und besonders nicht alle Strukturen müssten bewahrt werden. Aber es brauche attraktive Orte, Zeit und Gelegenheiten, den Menschen zu begegnen. Er selbst bleibt im Vorstand der Kirchenkreisstiftung und im Verband der Kindertagesstätten aktiv, und möchte so weiter gestalterisch tätig bleiben.
Am Sonntag ist Uwe Rosner in der Kirche in Volmerdingsen aus seinem aktiven Dienst in den Ruhestand entlassen worden. Es ist kein Abschied, nur ein Innehalten: Im September wird er schon wieder in Volmerdingsen Gottesdienste feiern, fast auf den Tag genau drei Jahrzehnte nach seiner Ankunft am Hang des Wiehengebirges.
Uwe Rosner geht in den Ruhestand
Pfarrer Uwe Rosner war fast 30 Jahre Kur-Seelsorger in Bad Oeynhausen.
Er arbeitete in den Reha-Kliniken Porta Westfalica und Bad Oexen.
Außerdem gehörte er zur Kirchen-Gemeinde Volmerdingsen-Werste.
Jetzt geht er in den Ruhestand.
Viele Menschen haben ihn in den Kliniken getroffen.
Sie sprachen mit ihm über Sorgen, Ängste oder Hoffnungen.
Manche waren schwer krank.
Andere mussten nach einem Unfall ihr Leben neu ordnen.
Uwe Rosner hörte zu und nahm sich Zeit für sie.
Auch heute suchen viele Menschen in einer schwierigen Zeit das Gespräch mit einem Seelsorger.
Darum ist die Kur-Seelsorge für ihn auch in Zukunft wichtig.
Uwe Rosner hat sich viele Jahre auch für den Evangelischen Kirchen-Kreis Vlotho eingesetzt.
Er war Mitglied im Kreis-Synodal-Vorstand.
Dort half er mit, die Zukunft des Kirchen-Kreises zu gestalten.
Er sagt:
Die Kirche braucht nicht möglichst viele Gebäude.
Wichtiger sind Orte, an denen Menschen sich begegnen können.
Das können Kirchen, Gemeinde-Häuser oder Veranstaltungen sein.
Auch in den Fluren einer Klinik können gute Gespräche entstehen.
Ganz verabschiedet sich Uwe Rosner aber nicht.
Er arbeitet weiter in der Kirchenkreis-Stiftung und im Verband der Kinder-Tagesstätten mit.
Außerdem wird er im September wieder Gottes-Dienste in Volmerdingsen feiern.
So bleibt er seiner Gemeinde auch im Ruhestand verbunden.
Uwe Rosner looks back on three decades as a chaplain in rehabilitation clinics
By chance, Uwe Rosner became a chaplain in the rehabilitation clinics of Bad Oeynhausen. And it was often chance encounters – a conversation in a corridor, a knock on a patient's door or a visit to the chapel – that lay at the heart of his work: meeting people. Being there when they had questions, needed encouragement or simply wanted someone to listen. Over three decades, Rosner estimates that he has shared almost 50,000 such encounters across the Porta Westfalica and Bad Oexen clinics and in the parish of Volmerdingsen-Werste. Now, the popular churchman has retired from active service.
It is not difficult to strike up a conversation with Uwe Rosner. Even though he has exchanged his trademark floral shirts for a more understated grey for the interview, he has an unmistakable presence: tall, approachable and genuinely interested in the people around him. Conversation comes naturally to him – a quality that has shaped his ministry from the very beginning.
Rosner has remained deeply rooted in the region throughout his career. Following his training in Obernbeck and his probationary period in Bünde-Spradow, he briefly served as a parish vicar in Hagedorn before moving into clinical chaplaincy in Bad Oeynhausen in 1996. Initially appointed on a temporary basis, he was given a permanent connection to parish life by Superintendent Christof Windhorst, who invited him to serve alongside the congregation in Volmerdingsen. That partnership lasted for nearly thirty years.
Why bring the church into the rehabilitation centres?
In an increasingly secular society, is there still a place for the church in clinics and hospitals? Rosner believes there is. While healthcare reforms have shortened rehabilitation stays and reduced opportunities for long-term pastoral relationships, the need for conversation remains. Even today, he regularly meets more than thirty people each week for meaningful pastoral conversations, while worship services in the clinic continue to attract a steady number of participants. Some visitors are active church members at home, while many others simply find themselves searching for support during a particularly challenging period in their lives.
Typically modest, Rosner is quick to play down these figures. "This work isn't something spectacular," he says, especially when compared with the often more dramatic situations encountered by his colleagues in emergency hospitals. Yet his work frequently brings him alongside people whose lives have changed irrevocably through illness or accident. Some will never return to their former careers, while others know they have only limited time left. In those moments, questions arise that medicine alone cannot answer, and pastoral care offers space for reflection, hope and honest conversation.
From maintaining structures to creating encounters
After thirty years in his work, Rosner has developed a clear vision of what people expect from the church. As a member of the district church council for the past twelve years, he has helped shape the development of the Church District of Vlotho and has played an important role in the life of the parish of Volmerdingsen-Werste. He has supported decisions to adapt church buildings and has long advocated creating shared centres for congregational life.
In his view, the church does not need to preserve every building constructed during the second half of the twentieth century. What matters is that it continues to offer places where people can encounter one another – whether in churches, parish halls, community events or, as in his own ministry, in the corridors of rehabilitation clinics.
Rosner believes that "all what we keep has to be good". Not every structure needs to survive, he believes, but the church must continue to invest in welcoming places, meaningful relationships and opportunities for genuine encounters. Although retiring from parish ministry, he will remain involved as a member of the Church District's foundation and the its childcare work, where he intends to continue contributing his experience.
Last Sunday, Uwe Rosner was formally sent into his retirement during a service in the church at Volmerdingsen. Yet it is less a farewell than a pause. In September he will once again lead worship in the congregation – almost exactly thirty years after first arriving on the slopes of the Wiehen Hills.
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