Vom Impuls zur Berufung

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Vom Impuls zur Berufung

Von Wiebke Wengel

Mareike Mengel ist seit Oktober 2025 Pfarrerin im Probedienst – und das quasi in doppelter Funktion. Die Hälfte der Zeit arbeitet sie im Gemeindedienst in Eidinghausen-Dehme im Kirchenkreis Vlotho. Die andere Hälfte widmet sie zusätzlich ihrem selbst gewählten Experimentierraum: der Nachwuchsgewinnung für kirchliche Berufe.

Es ist eine Besonderheit im Probedienstmodell der Evangelischen Kirche von Westfalen, die es seit 2021 gibt: Angehende Pfarrer*innen dürfen in dieser Zeit einen Experimentierraum wählen. Dieser füllt dann zwischen einem Viertel und 50 Prozent der Dienstzeit aus. So, wie bei Mareike Mengel, die zwischen Bad Oeynhausen und dem Bielefelder Landeskirchenamt pendelt. Im Gespräch erzählt sie, wie aus einem Impuls zu Schulzeiten die Berufung wurde, für die die junge Pfarrerin nun andere junge Menschen begeistern möchte.

Frau Mengel, Sie haben während Ihrer Schulzeit an der „Abi-Tagung“, dem Vorläufer der heutigen Kompasstagung, teilgenommen und im Anschluss entschieden, Theologie zu studieren. Wie kam es dazu?

Ich komme aus einem Pfarrhaus, insofern kannte ich das Berufsfeld schon. Ich hatte aber eher vor, Lehramt zu studieren. Es gab damals Aushänge bei mir in der Schule für die „Abi-Tagung“. Eine Freundin machte mich darauf aufmerksam. Dann hat es sich ergeben, dass ich Zeit hatte und die Freundin dorthin begleitet habe.

Was hat sie an der „Abi-Tagung“ so beeindruckt, dass Sie Ihren Berufswunsch noch einmal überdacht haben?

Vor allem die persönlichen Begegnungen. In Kleingruppen konnten wir Fragen stellen, über Herausforderungen sprechen und haben konkrete Tipps bekommen – etwa zum Studium oder zu den Sprachen. Diese Atmosphäre hat bei mir den Wunsch geweckt, das Pfarramt ernsthaft in Betracht zu ziehen. Besonders schön war, dass einige der Menschen, die ich dort kennengelernt habe, mir später im Studium wiederbegegnet sind. Das hat den Einstieg sehr erleichtert. Man war nicht allein, sondern hatte von Anfang an vertraute Gesichter um sich.

Was war Ihre ursprüngliche Motivation, Pfarrerin zu werden? Und warum haben Sie sich gegen das Lehramt entschieden?

Ich habe gemerkt, dass ich den Bereich Schule zwar mochte, mir aber langfristig etwas Breiteres vorstellen konnte. Vom Pfarrberuf kannte ich aus meinem Elternhaus, dass man mit Menschen verschiedener Generationen arbeitet, eng mit der Gemeinde verbunden ist und sowohl in der Öffentlichkeit steht als auch in sehr persönlichen, vertraulichen Gesprächen begleitet. Diese Vielfalt und Nähe zu Menschen fand ich faszinierend – und das schätze ich bis heute.

Sie sind derzeit im Probedienst. Was hat sich im Vergleich zum Studium und zum Vikariat verändert – fachlich und persönlich?

Das Studium habe ich als sehr bereichernd erlebt, vor allem wegen seines wissenschaftlichen Charakters. Man bekommt ein breites Wissen, entdeckt neue Fragen und vertieft sich in Themen, von denen man vorher gar nicht wusste, dass sie existieren. Gleichzeitig hat das Studium wenig mit der praktischen Arbeit in einer Gemeinde zu tun. Vieles – etwa Organisation, Verwaltung oder Gemeindeleitung – lernt man erst im Vikariat. Diese Zeit war für mich sehr wertvoll, weil ich begleitet wurde, Verantwortung übernehmen konnte und meine Persönlichkeit im Beruf entwickeln durfte. Jetzt im Probedienst merke ich, dass ich viele Fähigkeiten aus dem Vikariat anwenden kann. Ich fühle mich nicht mehr wie eine Anfängerin, bin aber noch in einer Phase, in der ich lernen und Erfahrungen sammeln darf. Ich werde in meinen beiden Einsatzgebieten, der Gemeinde und MachKirche so gut begleitet und in Organisationsfragen unterstützt, dass ich mich darauf konzentrieren kann, Neues zu entdecken, Impulse zu geben und Beziehungen aktiv zu gestalten. Das gibt mir Sicherheit und Selbstbewusstsein.

Welche Aufgaben in der Gemeindearbeit machen Ihnen besonders Freude?

Ich taufe sehr gerne – das ist ein besonders schönes Erlebnis, ebenso die Gespräche mit Eltern oder Familien im Vorfeld. Auch Gottesdienste feiere ich sehr gern. Besonders wichtig ist mir die Arbeit im Team und die Möglichkeit, Jugendliche zu befähigen und zu motivieren. Außerdem arbeite ich Konfirmand*innen an einer Förderschule. Die Arbeit mit Jugendlichen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen ist für mich neu gewesen und sehr bereichernd.

Was ist Ihnen in der Gemeindearbeit – theologisch und menschlich – besonders wichtig?

Mir ist wichtig, eine Sprache für den Glauben zu finden, die Menschen erreicht und befähigt - ohne ihnen etwas überzustülpen. Authentizität spielt für mich eine große Rolle: Ich möchte keine andere Rolle einnehmen, wenn ich von Gott spreche, sondern bei mir selbst bleiben und aus meinen Erfahrungen erzählen. Gleichzeitig ist mir wichtig, zuzuhören und andere Perspektiven ernst zu nehmen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, neben dem Gemeindedienst noch einen Experimentierraum in Ihrer Arbeit anzugehen?

Für mich war das ideal, weil ich mich schon vorher ehrenamtlich im Bereich Nachwuchsgewinnung engagiert hatte. Besonders wichtig ist mir dabei Netzwerkarbeit: Menschen zu verbinden, Angebote zu entwickeln und Leuten dabei zu helfen, ihre Potenziale zu entfalten.

Woran arbeiten Sie konkret in Ihrem Experimentierraum?

Im Zentrum steht für mich die Aufgabe, Menschen zu zeigen, dass Kirche eine große und vielfältige Arbeitgeberin ist. Gleichzeitig geht es darum, für kirchliche Berufe zu begeistern und ihre inspirierenden Seiten sichtbar zu machen. Dafür entwickeln wir verschiedene Formate, zum Beispiel Begegnungsangebote, Studienreisen, Städtetrips oder Workshops. Wir greifen dabei auch Wünsche von Jugendlichen auf, etwa Reisen, bei denen man über Glauben ins Gespräch kommt oder kirchliche Orte kennenlernt. Ein weiteres Feld ist die Arbeit an Schulen: Im Religionsunterricht bieten wir bald talentorientierte Berufsorientierung an und zeigen auf, welche Möglichkeiten kirchliche Berufe bieten.

Was können Sie in ihrem Experimentierraum lernen, das Sie in der Gemeinde so nicht gelernt hätten?

Der Experimentierraum bietet mir die Möglichkeit, einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit jungen Erwachsenen zu legen. Sie zu begleiten in ihren Fragen nach einer Perspektive, sei es am Stand auf Berufsmessen, oder in seminarähnlichen Einheiten. Ich bin überzeugt davon, dass die Ev. Kirche von Westfalen im Bereich der Nachwuchsgewinnung gute Arbeit leistet und mir macht es große Freude, daran mitzuwirken und meinen Teil dazu beizutragen, dass es auch zukünftig Menschen geben wird, die Freude daran haben, bei Kirche zu arbeiten und ihre Fähigkeiten dort einzusetzen.

Wie gelingt es Ihnen, sowohl Aufgaben in Ihrer Gemeinde Eidinghausen-Dehme als auch im Landeskirchenamt zu erfüllen?

Es sind viele Menschen, die das ermöglichen. Auf der einen Seite mein Team in der Gemeinde, auf der anderen Seite die Verantwortlichen im Landeskirchenamt. Besonders wichtig ist auch die Unterstützung durch die Superintendentin meines Kirchenkreises. Entscheidend sind klare Absprachen und gegenseitiges Vertrauen. Ich erlebe, dass viele Menschen meine Arbeit möglich machen. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, organisiert zu bleiben und auf Prioritäten zu achten.

Wo sehen Sie die größte Chance in so einer kombinierten Stelle?

Dass ich Zeit und Energie gezielt in einen Schwerpunkt investieren kann, der mir wichtig ist. Ich verfolge diese Aufgabe nicht nur „nebenbei“, sondern kann sie wirklich gestalten. Ohne diese Struktur hätte ich diese Arbeit in dem Umfang nicht leisten können. Für mich passt das zu meinem Bild von Kirche. Ich habe das Gefühl, aktiv an der Kirche von morgen mitzuwirken. Das empfinde ich als sinnstiftend und motivierend.

Was würden Sie Kolleg*innen raten, die überlegen, einen Experimentierraum zu nutzen?

Ich würde sagen: Mach es – vor allem, wenn es wirklich dein Schwerpunkt ist, oder werden könnte. Der Experimentierraum sollte zu den eigenen Interessen und Begabungen passen. Wenn das der Fall ist, kann er eine große Bereicherung sein.

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