Niedrig auf Esel

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# Andacht

Niedrig auf Esel

Statuen und Bilder von Königen und Herrschern zu Pferde prägen seit Jahrhunderten unsere Sehgewohnheiten. Man denke an das Reiterstandbild Wittekinds in Herford oder auch das Ernst-August-Denkmal in Hannover. Das Pferd muss kräftig sein, damit es seinen Reiter hoch über den Untertanen thronen lässt. 

Der Herrscher, der auf seinem Pferd prächtig in eine Stadt einzieht, ist ein Motiv, das weit zurück bis in die Antike reicht. Umso auffälliger ist der Kontrast von Jesu Einzug in Jerusalem, der am morgigen Palmsonntag gefeiert wird. Jesus kommt auf einem Esel-Fohlen - noch dazu einem, „auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat.“ (Mk 11,2). 

Das Bild muss skurril gewesen sein: Ein zu kleines Reittier, auf dem Jesus vermutlich mehr schaukelte als ritt. Aber dennoch jubelten die Menschen: 

Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten. Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ (Mk 11, 8-9)

Was war passiert? Kein Gelächter, sondern Ehrerbietung? Die Menschen haben gespürt: Da kommt einer, der nicht auf einem hohen Ross über ihnen sitzt, sondern der ganz nah bei ihnen ist. Deswegen Palmwedel und Ölzweige - Symbole für einen König und Frieden. Auf einen Schlag werfen sie all ihre (Seh-)Gewohnheiten von mächtigen Königen über den Haufen. Auf einmal ahnen sie: Dieser Jesus wird stärker sein als alles und jeder, was hoch zu Ross daherkommt. Dieser Jesus kann alle(s) besiegen, was Angst macht. 

Leider gerät diese Besonderheit oft ins Hintertreffen. Man denkt (zu) schnell daran, dass die „Hosianna-Rufe“ schon ein paar Tage umschlagen in: „Kreuzigt ihn“. Heute, wo sich Diktatoren (schon) wieder hoch zu Ross inszenieren, ist es wichtiger denn je, dass Palmsonntag daran erinnert, dass Macht sich in Demut und Nähe und nicht in Größe und Distanz zeigt. In diesem Sinne: einen gesegneten Palmsonntag! 

Für uns ist das noch wunderbarer als für Jesu Zeitgenossen. Denn anders als damals, als nach dem Hochgefühl durch Festnahme und Kreuzigung schnell wieder Verzweiflung herrschte, können wir schon von Ostern her denken. Dann wissen wir: Dieser Jesus auf dem Esel (-fohlen) ist stärker als alles und jeder, was hoch zu Ross daherkommt. Dieser Jesus hat alle(s) besiegt, was uns Angst macht.

Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 28. März 2026

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