09/04/2026 0 Kommentare
Musikalische Andacht zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag
Musikalische Andacht zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag
# Kirchenmusik

Musikalische Andacht zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag
Von Alexander Hermelink
Am Karfreitag fand in der Auferstehungskirche am Kurpark eine eindrucksvolle musikalische Andacht zur Sterbestunde Jesu statt. Die Kantorei an der Auferstehungskirche unter der Leitung von Kreiskantor József Opicz sowie das Kantatenensemble „Estomihi“ gestalteten die musikalischen Beiträge und verbanden dabei unterschiedliche Klangsprachen zu einer gemeinsamen geistlichen Ausdrucksform.
Im Wechsel mit der Lesung des Evangeliums und meditativen Impulsen erklangen Werke von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Karl Jenkins. Zu hören waren unter anderem Chöre aus Händels „Messias“ wie „Seht an das Gotteslamm“, „Wahrlich, er trug unsere Schuld“ und „Durch seine Wunden sind wir geheilet“. Einen besonderen Akzent setzte die Kantorei mit „O salutaris hostia“ des ungarischen Komponisten Márton Levente Horváth.
Lektorin Birgit Kuhlmeier trug die Leidensgeschichte aus dem Johannesevangelium vor. Die Lesung wurde an passenden Stellen von den Chorbeiträgen unterbrochen und vertieft. Einen emotionalen Höhepunkt bildete die eindringliche Stille nach der Schilderung des Todes Jesu, aus der heraus der Frauenchor mit „Gute Nacht, o Wesen“ einsetzte.

Die musikalischen Werke rahmten die Meditationen von Pfarrerin Theodora Beer. Im Zentrum standen Betrachtungen, die sich von einem Bild des Schweizer Künstlers Josef Ebnöther inspirieren ließen, das derzeit in der Auferstehungskirche ausgestellt ist. Das Kreuzigungsbild entstand in einer meditativen Schaffensphase des Künstlers während der Karwoche.
In ruhigen Worten beschrieb Pfarrerin Beer das in Weiß-, Grau-, Schwarz- und Rottönen gehaltene Bild, das mit zahlreichen Symbolen die Kreuzigung darstellt. Da Reproduktionen auf Karten ausgeteilt wurden, war ein gemeinsames Betrachten und Nachdenken möglich. Im zweiten Teil der Meditation vertiefte sie die Deutung der Symbolik: das Kreuz als Wandlung vom Folterinstrument zum Zeichen der Hoffnung, die Spannung zwischen Tod und Leben, Entsetzen und Glauben sowie Trauer und Hoffnung.
Dabei schlug sie auch eine Brücke zur Musik der Andacht: zum einen zum klagenden Ausdruck in „And the mother did weep“, das das Leid der Mutter Jesu aufnimmt, und zum anderen zu den Chorstücken aus Händels „Messias“, die die Schmerzen und die Erlösungstat Christi musikalisch eindrücklich entfalten.
Mit dem Schlussstück „And the mother did weep“ von Karl Jenkins stellte die Kantorei die tiefe Trauer Marias unter dem Kreuz in den Mittelpunkt und führte musikalisch weiter, was Worte kaum auszudrücken vermögen. Besonders prägnant war der Mittelteil des Werkes, in dem die vier Sprachen erklingen, die traditionell mit der biblischen Überlieferung verbunden sind: Hebräisch, Latein, Aramäisch und Griechisch. Durch diese mehrsprachige Gestaltung schlägt der Komponist eine Brücke zwischen verschiedenen kulturellen und religiösen Traditionen und unterstreicht die zeitlose, weltumspannende Bedeutung des Geschehens – als würde das Leid nicht nur von einer einzelnen Person, sondern von der gesamten Menschheit getragen und ausgesprochen.
Die Andacht verband so Wort, Bild und Musik zu einer dichten und bewegenden Gesamtkomposition, die die Besucherinnen und Besucher in der gut gefüllten Auferstehungskirche tief berührte.
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