Wieso Kirche wagen, Mareike Mengel? Nachwuchs-Pfarrerin in Eidinghausen-Dehme ordiniert

Wieso Kirche wagen, Mareike Mengel? Nachwuchs-Pfarrerin in Eidinghausen-Dehme ordiniert

Wieso Kirche wagen, Mareike Mengel? Nachwuchs-Pfarrerin in Eidinghausen-Dehme ordiniert

# Neuigkeiten

Wieso Kirche wagen, Mareike Mengel? Nachwuchs-Pfarrerin in Eidinghausen-Dehme ordiniert
Highlights
  • Mareike Mengel wurde in der Kirche Eidinghausen vor rund 200 Wegbegleitern zur Pfarrerin ordiniert.
  • Die junge Theologin verbindet ihren Gemeindedienst mit der Nachwuchsarbeit und möchte Menschen für kirchliche Berufe begeistern.
  • Für die Zukunft der Kirche setzt sie auf Offenheit, konkrete Angebote und Räume, in denen Menschen Gemeinschaft gestalten können.

Ursprünglich wollte Mareike Mengel gar nicht in den Pfarrdienst gehen. Jetzt wurde die junge Pfarrerin doch vor fast 200 Wegbegleitern, Kollegen, Freunden und Freundinnen in der Kirche Eidinghausen ordiniert. Nicht nur steht sie selbst am Anfang ihrer Kirchenkarriere. Sie arbeitet auch dafür, andere Menschen für die Mitarbeit in einer Kirche zu gewinnen, die sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von Grund auf ändern wird. Zeit also zu fragen: Wieso Kirche wagen?

Obwohl sie erst ein gutes Jahr im Probedienst in Eidinghausen-Dehme ist, gehört sie irgendwie schon hier hin. Im ersten Gespräch im letzten Jahr hatte Mareike Mengel von der Hoffnung gesprochen, in ein vertrauensvolles Team hineinzufinden. Jetzt sitzt sie mitten in der Runde im Gemeindehaus, eine Tasse heiße Schokolade in der Hand, als wäre sie schon immer hier gewesen. Für das Gespräch hat sich die junge Pfarrerin viel Zeit genommen, immer wieder unterbrochen von einem kurzen Austausch mit den Menschen, die ein- und ausgehen. Es ist viel los im offenen Gemeindehaus an diesem Montagvormittag. Die meisten Besucher scheint sie schon sehr gut zu kennen.

Eine junge Frau mit dunklen Haaren und Brille sitzt mit einer Tasse an einem Tisch

Dabei ist Mareike Mengel nur zur Hälfte mit ihrem Probedienst in der Gemeinde Eidinghausen-Dehme verortet. Die andere Hälfte ihres Diensts gilt der Nachwuchsarbeit im „MachKirche“-Team der Landeskirche. Es ist nicht nur eine Aufgabe, für die die junge Pfarrerin offensichtlich brennt. Sie hat auch eine große Bewandtnis in ihrem eigenen Lebenslauf: Obwohl sie selbst aus einem Pfarrhaus stammt, wäre ein Lehramtsstudium ihre erste Wahl gewesen. Dass es letztlich doch der Schritt in den Pfarrberuf wurde, lag an der Abiturtagung der Landeskirche 2015. Die authentischen Berichte von Menschen in kirchlichen Berufen überzeugten sie, ganz ins Theologiestudium einzusteigen. Heute freut sich Mareike Mengel darüber, selbst bei der jährlichen Kompasstagung junge Menschen dafür zu begeistern, ihre Talente für kirchliche Berufe einzubringen.

Theologin mit Neugierde und Gesprächsbereitschaft

Den Dingen auf den Grund zu gehen und die Gespräche darüber mit anderen Menschen zu teilen: Das hätte sie auch als Lehrerin machen können, doch Mareike Mengel freut sich, dass im Theologiestudium dann doch noch mehr daraus wurde: „Ich wollte noch tiefer in die Theologie eintauchen.“ Einen Fuß hat sie dann doch in der Schule behalten, mit Workshops für den Religionsunterricht, in denen sie mit Schülerinnen und Schülern deren Talente erkundet und über Möglichkeiten spricht, diese in der Kirche wirken zu lassen.

Der Schwenk im Lebenslauf bedeutete auch viel Arbeit: ein Studium in Wuppertal und Leipzig, abgeschlossen in Münster. Ganz nebenbei Hebräisch in nur acht Wochen lernen, Auslandsexkursionen, schließlich das Vikariat in der Lydia-Gemeinde in Bielefeld, immer mit einem Fuß in der Nachwuchsarbeit. Trotz dieses vollen Pensums in Studium und Gemeindearbeit hat sie sich den Forscherinstinkt erhalten und will weiter über Fragen des interreligiösen Dialogs nachdenken, über jüdisch-christliche Beziehungen oder über die Gottesbilder, die uns leiten. „Die großen Fragen bleiben“, sagt Mareike Mengel.

„Wir müssen konkret vermitteln können, wozu Kirche da ist.“

Die Realität in den Gemeinden scheint fern von solchen Fragen. Hier geht es um Gebäudestrategien, um Gemeindevereinigungen oder Gemeindegliederzahlen. Doch Mareike Mengel sieht das nicht als Einschränkung. Vielmehr sei es die Gelegenheit, mehr Gemeindeaufbau zu wagen. Die Kirche darf ihren Lebensweltbezug nicht verlieren und braucht eine starke Stimme. Sie müsse Haltung beziehen, aber nicht glauben, dass es einfache Antworten gibt, sagt sie, auch mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse. Stattdessen müsste die Kirche Räume eröffnen, in denen Menschen sein können und die sie gestalten können, wie sie diese benötigen. „Als Kirche haben wir einen Segen zu bieten und eine starke Begleitung durch die großen Fragen des Lebens hindurch“, glaubt sie.

Eine junge Frau mit dunklen Haaren und Brille im Gespräch an einem Tisch

Was das in der Praxis bedeutet, kann man in Eidinghausen-Dehme erleben. Auf der einen Seite muss die Gemeinde sich vom Jochen-Klepper-Haus trennen; auf der anderen steigen die Teilnehmendenzahlen bei Gemeindeaktivitäten oder in den traditionell kreativen Gottesdiensten, wie dem Handballgottesdienst, den Gemeindepädagoge Uwe Streicher und Pfarrer Wolfgang Edler ins Gespräch einwerfen. Mareike Mengel möchte noch andere Wege finden, um auf die Menschen zuzugehen. Für einen Kneipengottesdienst in der Kurstadt sucht sie noch eine passende Lokalität. Aktionen wie „Einfach heiraten“ oder die Mitarbeit in der PopUp-Kirche im Ev. Kirchenkreis Vlotho gehören für sie natürlich dazu. Auch wird die Kirche bereits offener und internationaler, in Eidinghausen-Dehme nicht zuletzt durch die Kontakte mit der Ev. Kirche am La Plata zwischen Argentinien, Uruguay und Paraguay. Von dort sind bereits zum zweiten Mal junge Menschen zum Freiwilligendienst in die Gemeinde gekommen. Demnächst wird auch sie selbst dorthin reisen können, freut sich Mareike Mengel.

Musterlösungen könne es für die Kirche in einem so vielfältigen Land wie Westfalen nicht geben, denkt Mareike Mengel. Zu vielfältig seien die Vorraussetzungen und Erwartungen der Menschen schon in den einzelnen Orten. Eine Leitlinie sieht sie dennoch, in der Jahreslosung 2024 aus dem ersten Korintherbrief, die sie sich als Leitvers für ihre Ordination ausgesucht hat: „Alles, was ihr tut, soll in Liebe geschehen.“

Zwei Männer und zwei Frauen stehen vor einer Hausfront und lächeln in die Kamera

Mareike Mengel ist jetzt ordiniert

Mareike Mengel ist Pfarrerin.

Sie wurde in der Kirche in Eidinghausen ordiniert.

Das bedeutet: Die Kirche hat sie für ihr Amt als Pfarrerin berufen und gesegnet.

Bei der Ordination waren etwa 200 Menschen dabei.

Dazu gehörten Freunde, Freundinnen und Kollegen.

Mareike Mengel arbeitet seit gut einem Jahr in der Gemeinde Eidinghausen-Dehme.

Sie macht dort ihren Probedienst.

Sie arbeitet aber noch an einer anderen Aufgabe.

Sie arbeitet im Team „MachKirche“ der Landeskirche.

Das Team möchte junge Menschen für kirchliche Berufe begeistern.

Das ist Mareike Mengel besonders wichtig.

Denn sie wollte selbst zuerst keine Pfarrerin werden.

Sie wollte Lehrerin werden.

Dann nahm sie 2015 an einer Tagung für Abiturienten teil.

Dort erzählten Menschen von ihrer Arbeit in der Kirche.

Diese Gespräche haben Mareike Mengel überzeugt.

Sie begann ein Studium der Theologie.

Heute interessiert sie sich noch immer für viele Fragen.

Zum Beispiel fragt sie nach dem Verhältnis von Religionen.

Sie beschäftigt sich auch mit jüdisch-christlichen Beziehungen.

Und sie fragt, welche Vorstellungen Menschen von Gott haben.

Auch für die Kirche vor Ort hat sie viele Ideen.

Kirche soll offen für Menschen sein.

Menschen sollen in der Kirche Gemeinschaft erleben können.

Sie sollen auch selbst etwas gestalten können.

Dazu gehören neue Formen von Gottesdiensten.

In Eidinghausen-Dehme gibt es zum Beispiel einen Handball-Gottesdienst.

Mareike Mengel möchte auch einen Gottesdienst in einer Gaststätte anbieten.

Sie macht außerdem bei „Einfach heiraten“ und der PopUp-Kirche mit.

Ihr Leitvers für die Ordination kommt aus der Bibel.

Er lautet: „Alles, was ihr tut, soll in Liebe geschehen.“

Why dare a church career, Mareike Mengel?

Young pastor ordained in Eidinghausen-Dehme

Mareike Mengel had originally never intended to enter ordained ministry. Now the young pastor was ordained in Eidinghausen church in front of almost 200 people who have accompanied her along the way, including colleagues and friends. She is not only at the beginning of her own career in the church. She is also working to encourage other people to become involved in a church that will fundamentally change over the coming years and decades. So it is time to ask: why dare a church career?

Although she has only been serving in the Eidinghausen-Dehme parish for just over a year as part of her probationary ministry, Mareike Mengel already seems to belong there. In her first conversation last year, she had spoken about hoping to become part of a trusting team. Now she sits among the group in the parish hall, with a cup of hot chocolate in her hand, as though she had always been there. The young pastor has plenty of time for the conversation, even if it is interrupted by brief exchanges with people coming and going. There is a lot happening in the open parish hall on this Monday morning. She already seems to know most of the visitors very well.

At the same time, only half of Mareike Mengel’s probationary ministry is based in the Eidinghausen-Dehme parish. The other half is devoted to work with young people in the “MachKirche” team of the regional church. It is clearly a role she is passionate about. It also has a particular significance in her own life story. Although she grew up in a vicarage, her first choice would have been to study to become a teacher. Her eventual decision to study theology and enter ordained ministry was influenced by a regional church conference for school-leavers in 2015. Authentic accounts from people working in church professions persuaded her to embark fully on theological studies. Today, Mareike Mengel is pleased to help inspire young people at the annual Kompasstagung to use their talents in church-related professions.

A theologian driven by curiosity and a willingness to share

Getting to the bottom of things and sharing the resulting conversations with other people: she could have done that as a teacher, too. But Mareike Mengel is glad that her theological studies ultimately took her further. “I wanted to delve deeper into theology.” She has nevertheless kept one foot in the world of schools, running workshops for religious education in which she explores pupils’ talents with them and discusses ways in which they could use those talents in the church.

The change in direction in her career also involved a great deal of work: studying in Wuppertal and Leipzig, completing her degree in Münster, learning Hebrew in just eight weeks, taking part in study trips abroad and finally completing her vicariate training in Bielefeld's Lydia parish – always keeping one foot in work with young people. Despite the demands of studying and parish work, she has retained her instinct for research and wants to continue thinking about questions of interreligious dialogue, Jewish-Christian relations and the images of God that guide people. “The big questions remain,” says Mareike Mengel.

“We need to be able to explain clearly what the Church is there for.”

The reality of parish life can seem far removed from such questions. Here, the focus is on building strategies, parish mergers, and membership figures. But Mareike Mengel does not see this as a weight on her shoulders. Instead, she sees it as an opportunity to take new approaches to building community. The church must not lose touch with people’s everyday lives and needs a strong voice. It should take a position, she says, while not believing that there are simple answers, also in view of recent election results. Instead, the church should create spaces where people can be themselves and shape those spaces according to what they need. “As a church, we have a blessing to offer and a strong form of companionship through the big questions of life,” she believes.

What this means in practice can be seen in Eidinghausen-Dehme. On the one hand, the parish has to say goodbye to the Jochen-Klepper-Haus; on the other, participation in parish activities and in traditionally creative services is increasing. The handball service, for example, is mentioned by parish educator Uwe Streicher and pastor Wolfgang Edler during the conversation. Mareike Mengel wants to find other ways of reaching out to people. She is still looking for a suitable venue for a pub service in the spa town. Projects such as “Einfach heiraten” (“Just Get Married”) and involvement in the PopUp Church team of the Church District of Vlotho are a natural part of her work.

The church is also becoming more open and international. In Eidinghausen-Dehme, this is particularly evident in its contacts with the Protestant Church on the Río de la Plata in Argentina, Uruguay and Paraguay. Young people from the region have already come to the parish twice to serve as volunteers. Mareike Mengel is looking forward to being able to travel there herself soon.

There can be no one-size-fits-all solutions for the church in a region as diverse as Westphalia, Mareike Mengel believes. The circumstances and expectations of people can vary greatly even between individual towns and communities. Nevertheless, she sees a guiding principle in a verse from the First Letter to the Corinthians, which she chose as the verse for her ordination: “Let all that you do be done in love.”

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