25/09/2026 0 Kommentare
Hoch hinaus: Das amerikanische Vokalensemble Lyyra zu Gast in Bad Oeynhausen
Hoch hinaus: Das amerikanische Vokalensemble Lyyra zu Gast in Bad Oeynhausen
# Kultur

Hoch hinaus: Das amerikanische Vokalensemble Lyyra zu Gast in Bad Oeynhausen
Highlights
- Das amerikanische Vokalensemble Lyyra begeisterte in der Auferstehungskirche Bad Oeynhausen mit sechs außergewöhnlichen Stimmen.
- Das Konzert spannte einen Bogen von mittelalterlicher Chormusik über Beatles und Stevie Wonder bis zu moderner amerikanischer Musik.
- Von ruhigen, persönlichen Momenten bis zum ausgelassenen Finale zeigte Lyyra die ganze Bandbreite ihres musikalischen Könnens.
Auf dem Weg nach London machte das amerikanische Vokalensemble Lyyra Station in der Auferstehungskirche am Kurpark in Bad Oeynhausen. Die sechs Sängerinnen begeisterten ihr Publikum mit stimmlicher Klasse, technischer Finesse und einer erstaunlichen emotionalen Bandbreite. Das Konzert, ermöglicht durch die Unterstützung der Stiftung der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford und der Stiftung des Evangelischen Kirchenkreises Vlotho, zeigte dabei nicht nur das akustische Potenzial der Auferstehungskirche als Konzertort. Vor allem zeigte es, was sechs außergewöhnliche Stimmen gemeinsam leisten können. Und es zeigte die neue Energie, die im Revival von Chören für die oberen Stimmen zu kommen scheint – sowie das Starpotenzial von Lyyra selbst.
Zum Auftakt ließen die sechs Sängerinnen zunächst ihre Stimmen für sich sprechen. Eine historische Folge von Chorstücken führte dabei weit zurück bis zu Hildegard von Bingen. Zu den Höhepunkten gehörte die ausgesprochen kraftvolle, beinahe hämmernde Fassung des französischen Barockstücks „Tabescere me fecit“. In „Haec dies“, einem Werk der Renaissance, das inzwischen Eleonora d’Este zugeschrieben wird, klangen Anklänge an Thomas Tallis an. William Byrds „Sing joyfully“ erhielt eine ausgesprochen festliche, beinahe weihnachtliche Färbung.
Hildegard von Bingen bis Beatles
Dann bekamen auch die Beatles ihren Auftritt. Blake Morgan von Voces8 hatte „Eleanor Rigby“ in etwas „völlig Unerwartetes“ verwandelt, wie Sängerin Elizabeth Tait das Publikum vorwarnte. Unerwartet war es tatsächlich: mit zusätzlichem Swing, überraschenden Tempowechseln und einer insgesamt ausgesprochen technischen Anlage. Ein Stück, das die sechs Sängerinnen und ihre stimmlichen Möglichkeiten geradezu ideal zur Geltung brachte.
Als Lyyra sich anschließend an den vorderen Bühnenrand begab, wurde der Ton persönlicher. Don MacDonalds „When the Earth stands still“, der allererste Titel, den Lyyra aufgenommen hatte, erschien hier in einer nachdenklichen, beinahe intimen Fassung. Dem gegenüber stand Stevie Wonders „You are the sunshine of my life“: mit Fingerschnippen, viel Energie und jener lässigen New-York-Coolness, die Isaiah Carter in seinem Arrangement für Lyyra noch verstärkt hatte.
Eine ähnliche Botschaft, aber in deutlich leiseren und dankbareren Tönen, brachte „Keeping time for joy“ von Marie-Claire Saindon. Vor dem Stück erzählte Anna Crumley dem Publikum von ihrer Begeisterung für die europäische Fähigkeit, tatsächlich „Zeit für Freude“ zu machen, wie es das Lied wünscht.
Zwei ruhigere Stücke führten schließlich in eine kurze Pause. Lyyras Version von „Landslide“ ließ nichts von den Selbstzweifeln verschwinden, die Stevie Nicks in jenem Moment des Umbruchs in das Lied gelegt hatte, bevor mit Fleetwood Mac der große Durchbruch kam. Auch „Bridge over troubled water“, auf das viele im Publikum gewartet hatten, erklang zunächst auffallend zurückgenommen und vorsichtig, fast mehr unsicher als tröstend und aufbauend. Doch Schritt für Schritt kamen Wärme und Kraft hinzu, bis das Stück kurz vor der Pause seine emotionale Wirkung entfaltete.
Nach einer kurzen Erholung von den stimmlichen Kunststücken der ersten Hälfte begann der zweite Teil mit einem Streifzug durch die Musik amerikanischer Komponistinnen und Komponisten der Gegenwart. Sarah Quartels „Songbird“ erklang ausgesprochen verspielt, gefolgt von Amy Beachs verträumtem „Dusk in June“. Eine besondere Geschichte stand hinter „Rise up, my love“. Leslie Savoy Burrs hatte das Stück nach dem biblischen Hohelied komponiert - als Vater von Lyyra-Sängerin Aryssa Leigh Burrs. Lyyra machte daraus eine energiegeladene und ausdrucksstarke Familienangelegenheit. Besonders in der wiederholten Aufforderung „rise up, rise up“ schien sich die Energie des Stücks immer weiter aufzuschaukeln.
Auch Cecille Eliot, die den Abend mit einer klaren, zunächst aber etwas zurückgenommenen Stimme begonnen hatte, kam nun richtig zur Geltung. In der Trecek-King-Bearbeitung von „Trying to get home“ zeigte die tiefe Altstimme ihre ganze persönliche Färbung. Nina Simone war dabei ebenso zu erahnen wie ein Schuss Galás-artiger opernhafter Dramatik. Aus dem traditionellen Lied des 19. Jahrhunderts wurde in Eliots Interpretation etwas ausgesprochen Eigenes.
In eine verwandte Richtung ging „At last“, das unweigerlich Erinnerungen an Etta James weckte. Lyyra nahm dem Klassiker allerdings etwas von Etta James’ rauer Entschlossenheit und führte ihn stattdessen in eine ausgesprochen coole, langsame und beinahe schwebende Richtung, bis die sechs Sängerinnen das Publikum mit einem weiteren kraftvollen Höhenflug wieder aus dieser Lässigkeit herausrissen.
Zum Schluss wurde es noch einmal leicht und ausgelassen. Den Folksong „Will the circle be unbroken“ kündigte Lyyra mit der Warnung an, auf der Bühne könne es möglicherweise zum Fußwippen kommen. Die Ankündigung wurde eingelöst. Die sechs Sängerinnen ließen das Stück mit so viel Freude und Energie aufleben, dass auch das Publikum versuchte, den Rhythmus mitzuklatschen – mit wechselndem Erfolg.
Ein nicht nur musikalisches Statement
Natürlich konnte Lyyra das Publikum anschließend nicht ohne Zugabe gehen lassen. Und die nahm noch einmal eine ausgesprochen politische Wendung, ohne die musikalische Leichtigkeit des Abends zu verlieren.
Paul Simons „American Tune“ begann mit Ingrid Johnson, die eine Reflexion über den Zustand der amerikanischen Seele anstimmte. Das Lied, 1973 geschrieben, klang dabei erstaunlich aktuell. Irgendwo zwischen Verlorenheit und Hoffnung ließ Lyyra all den amerikanischen Bombast hinter sich und ersetzte ihn durch Selbstzweifel und eine offen eingestandene Müdigkeit.
Den letzten, überraschenden Höhepunkt setzte schließlich Laura Mvulas „She“ aus dem Jahr 2012. Lyyra führte das Publikum durch eine ausgesprochen emotionale Fassung des Liedes, in dem unterschiedliche Facetten weiblicher Erfahrung sichtbar wurden. Jede der sechs Sängerinnen gab dem mantraartigen „She don’t stop“ ihre eigene Färbung: vom müden Sich-Durchkämpfen bis zum kraftvollen Aufruf zum Aufbruch. Nach einem inspirierenden Konzert wäre es vermutlich nicht nur dem Publikum recht gewesen, wenn Lyyra tatsächlich einfach nicht aufgehört hätte.
Lyyra begeistert das Publikum
Sechs Sängerinnen aus den USA geben ein Konzert in Bad Oeynhausen
Lyyra ist eine Gruppe aus den USA.
Sechs Frauen singen in der Gruppe.
Die Frauen sind auf Konzert-Reise durch Europa.
Auf dem Weg nach London machten sie Halt in Bad Oeynhausen.
Das Konzert war in der Auferstehungs-Kirche.
Viele Menschen kamen zum Konzert.
Die Sängerinnen zeigten, was ihre Stimmen können.
Sie sangen sehr leise und sehr laut.
Sie sangen sehr hohe und sehr tiefe Töne.
Alte und neue Musik
Das Konzert begann mit alter Musik.
Ein Lied war von Hildegard von Bingen.
Hildegard von Bingen lebte vor mehr als 800 Jahren.
Auch andere alte Lieder waren dabei.
Danach wurde die Musik moderner.
Lyyra sang „Eleanor Rigby“ von den Beatles.
Das Lied klang ganz anders als das Original.
Die Sängerinnen sangen mit viel Rhythmus und Energie.
Auch Lieder von Stevie Wonder und anderen Musikerinnen und Musikern waren zu hören.
Ruhige Momente
Manche Lieder waren sehr ruhig.
Zum Beispiel „Landslide“ von Stevie Nicks.
Das Lied handelt von Zweifel und schwierigen Entscheidungen.
Auch „Bridge over troubled water“ begann sehr ruhig.
Dann wurde die Musik immer stärker.
So wurde das Lied zu einem sehr bewegenden Moment des Konzerts.
Starke Stimmen
Nach der Pause sang Lyyra moderne Musik aus Amerika.
Die Lieder waren manchmal verspielt und manchmal verträumt.
Ein Lied hatte eine besondere Verbindung zu Lyyra.
Der Komponist Leslie Savoy Burrs ist der Vater von Sängerin Aryssa Leigh Burrs.
Auch die anderen Sängerinnen konnten ihre Stimmen zeigen.
Besonders eindrucksvoll war Cecille Eliot.
Ihre tiefe Stimme gab dem Lied „Trying to get home“ einen besonderen Klang.
Bei „At last“ erinnerte die Musik an Etta James.
Lyyra sang das Lied aber auf ihre eigene Art.
Ein fröhliches Ende
Zum Ende wurde das Konzert fröhlich.
Lyyra sang das alte amerikanische Lied „Will the circle be unbroken“.
Die Sängerinnen wippten mit den Füßen.
Auch das Publikum machte mit.
Viele Menschen klatschten zum Rhythmus.
Danach gab es noch zwei Lieder als Zugabe.
Paul Simons „American Tune“ war ruhig und nachdenklich.
Zum Schluss sang Lyyra „She“ von Laura Mvula.
Die sechs Sängerinnen sangen immer wieder:
„She don’t stop“.
Das bedeutet:
„Sie hört nicht auf.“
Damit endete ein besonderes Konzert.
Lyyra zeigte viele verschiedene Seiten.
Es gab ruhige Musik und starke Stimmen.
Es gab ernste Momente und viel Freude.
Und viele Menschen im Publikum hätten Lyyra gerne noch länger zugehört.
Hitting the high notes
America vocal ensemble Lyyra in concert in Bad Oeynhausen
Stopping off in the German spa town of Bad Oeynhausen before flying to London for the next stop on their European tour, the six female singers of Lyyra wowed their audience with sheer vocal class and emotional range. The concert, made possible with support from the Stiftung der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford and the Church District of Vlotho’s own foundation, showcased the acoustic potential of the Church of the Resurrection as a concert venue, but - even more so - the technical finesse and sheer vocal power of the six singers. The concert showed the fresh energy powering the revival of treble choirs, and it proved the star potential of Lyyra themselves.
With a walk-on start, Lyyra let their voices introduce themselves in a historical sequence of choral pieces going all the way back to Hildegard von Bingen. Highlights included the very strong, almost hammering version of the French baroque „Tabescere me fecit“, touches of Tallis in the Renaissance piece „Haec dies“, recently ascribed to Eleonora d’Este, and the very festive, almost Christmas-like rendition of William Byrd’s „Sing joyfully“.
Hildegard von Bingen to the Beatles
The Beatles got a look-in with Blake Morgan (of Lyyra’s musical parents Voces8) remaking the popular „Eleanor Rigby“ into „something completely unexpected“, as singer Elizabeth Tait warned the audience. And unexpected it was indeed, with added swing, sudden changes in tempo, and a generally very technical feel - a perfect showcase for the six singers and their vocal capabilities.
Moving to the front of the stage, Lyyra took the audience into a far more personal, pensive version of their very first recording: Don Mac Donald’s „When the Earth stands still“, contrasting with the upbeat, finger-clicking energy and NYC cool of Stevie Wonder’s „You are the sunshine of my life“, arranged for Lyyra by Isaiah Carter. „Keeping time for joy“ by Marie-Claire Saindon carried a similar message, but with a more thankful, quieter tone. Anna Crumley addressed the audience before the song to express her amazement at the European way of indeed making „time for joy“ that Lyyra had experienced on their tour.
Two quieter tunes led into a brief intermission. Lyyra’s rendition of „Landslide“ left out none of the self-doubt the song carried with it when written by Stevie Nicks in the songwriter’s crossroads moments before breaking through with Fleetwood Mac. Similarly, the classic „Bridge over troubled water“, which many in the audience had waited for, came across in a very low-key, careful manner, initially more uncertain than reassuring. Bit by bit, Lyyra added warmth and strength for an emotional hit before the break
Rise up. Won't stop.
Returning from a brief moment of rest after the vocal acrobatics of the first half, Lyyra began with a run-through of modern American composers: A very playful version of Sarah Quartel’s „Songbird“ was followed by a dreamy „Dusk in June“ by Amy Beach. Another star turn was brought about by a real family affair: „Rise up, my love“ was written as a take on the biblical Song of Songs by Leslie Savoy Burrs, father of Lyyra’s Aryssa Leigh Burrs, and sung here with a lot of get-up-and-go energy and expressiveness, especially in the repeated call to „rise up, rise up“.
Low-alto Cecille Eliot, who had started the evening on a vocally clear, but slightly subdued note, really came into her own in the following Trecek-King arrangement of„Trying to get home“. There were more than a few hints of Nina Simone, with an added bit of Galas-like operatic drama, in her very personal rendition of the 19th century traditional song.
Going in a related direction, „At last“ channelled some of Etta James in the genteel surroundings of the spa town’s Church of the Resurrection. Although taking away some of Etta James’ toughness, Lyyra took the classic into a decidedly cool, languid, and moody direction, before rousing the audience with another powerful set of high-flying notes.
The evening ended on a lighter tone with the Appalachian traditional „Will the circle be unbroken“. The audience was warned that „there might be some toe-tapping happening on stage“, and Lyyra delivered on that promise with a joyful rendition that induced audience to try - often unsuccessfully - to clap along to the energized rhythm. There was ‚dancing in the sky‘ indeed.
Naturally, Lyyra could not let their audience go without an encore that took an unapologetic political turn without dampening the musical spirit of the evening. Paul Simon’s „American Tune“ lament began with Ingrid Johnson starting the round of reflections on the state of the American soul, feeling just as urgent now as it did in 1973, with a tone somewhere between haunting and homely that dropped all of the American bombast in favour of self-reflection and admitted weariness.
Closing the evening with an unexpected final highlight, Lyyra led the audience through an emotive edition of Laura Mvula’s 2012 song „She“, with different emotional states shining through the song’s expression of the female experience as the six singers each added their version of the mantra-like „she don’t stop“, from a weary slogging-through to a rousing call to arms. Coming at the end of an inspiring concert, many in the audience would have wanted Lyyra to also not stop the musical journey they had taken them on.
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