Können wir verzichten?

Können wir verzichten?

Können wir verzichten?

# Andacht

Können wir verzichten?

Die lauten und bunten Karnevalstage sind vorbei – in dieser Woche beginnt die Fastenzeit. Sieben Wochen sind es bis Ostern – bis wir Christinnen und Christen fröhlich die Auferstehung und das neue Leben feiern.

Die sieben Wochen bis Ostern sind eine Zeit, in der das Leben etwas stiller und ruhiger werden kann. Diese Wochen wurden früher als Fastenzeit gelebt. Diese Tradition lebt in anderer Weise weiter.

Heute entscheiden Menschen selbst, worauf sie in diesen Wochen verzichten möchten. Schaffe ich sieben Wochen ohne Alkohol, oder kann ich sieben Wochen auf Zigaretten, Chips oder Süßigkeiten verzichten? Wir sagen ja schnell, dass wir von diesen Leckereien und Gewohnheiten nicht abhängig sind. Aber stimmt das wirklich?

Ich habe in den vergangenen Jahren oft auf Alkohol verzichtet und dabei gemerkt: Das ist für mich ein einfacher Verzicht. Die Herausforderung sind bei mir Süßigkeiten. Wie ist das bei Ihnen? Worauf könnten sie verzichten? Versuchen Sie es doch einfach mal. Es ist nicht schwer.

Warum faste ich? Einmal möchte ich sehen, ob ich noch selbst entscheiden kann, was ich tue oder lasse. Dann freue ich mich auf den Moment, an dem ich dieses kleine Ziel erreicht habe. Ein Sekt am Ostersonntag schmeckt dann doppelt so schön.

Der Verzicht bringt mich aber auch dazu, täglich meinen normalen Ablauf zu unterbrechen und einen Moment stehen zu bleiben. Fasten bedeutet, eine fragende Haltung einzunehmen. Wie lebe ich, was treibt mich an, was hält mich in Atem. Habe ich die Kraft, „Nein“ zu sagen?

Diese fragende und suchende Haltung gehört für mich zu meinem Glauben. Ich sehe diese Haltung bei Jesus, wenn er sich für vierzig Tage in der Wüste zurückgezogen hat, um Gott zu suchen und ihm nahe zu sein. Vierzig stille Tage mit Verzicht und Zeit mit sich selbst. Zeit, um auf Gott zu hören.

Im Verzicht der Fastenzeit lebt die Erinnerung daran weiter, dass wir selbst nicht immer wissen, was für uns gut ist. Sieben Wochen probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwer fällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein kann.

Versuchen Sie es doch einfach in den Wochen bis Ostern. Verzichten sie auf eine Kleinigkeit, die sonst selbstverständlich zu ihrem Tag gehört. Lassen etwas, womit sie sonst viel Zeit verbringen. Ich wünsche Ihnen, dass sie die Erfahrung machen, dass der Verzicht neue Kräfte frei setzt.


Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 21. Februar 2026

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