Jubeln, Singen, Beten

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# Andacht

Jubeln, Singen, Beten

Wussten Sie schon, dass jeder Sonntag im (Kirchen-)Jahr schon von alters her sein inhaltliches Gepräge hat? Zurzeit sind das die drei Sonntage „Jubilate“ (26.04.), „Kantate“ (03.05.) und „Rogate“ (10.05.) vor Himmelfahrt. In vielen Gemeinden werden da Konfirmationen gefeiert, wie alles im Frühjahr bekommt auch das kirchliche Leben nach der langen Passionszeit mit Ostern (hoffentlich) wieder neuen Schwung. Jubilate – da ahnt wohl jeder: es geht ums Jubeln. Der Anfang von Psalm 66 gibt ihm seinen Namen, und da geht es darum, unseren Gott für seine großen Taten fröhlich zu loben.

Kantate – das ist nicht etwa der Rudersonntag (Kahn schreibt sich ja mit „h“), sondern bedeutet: „singt“! Und zwar nicht irgendwas, sondern „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ (Psalm 98,1). Und am Sonntag Rogate geht es dann in besonderer Weise ums Beten, ums Bitten – und um das Lob Gottes, der Gebete hört und nicht verwirft.

Dreimal Sonntage, die scheinbar un-ostwestfälisch richtig fröhliche Stimmung verbreiten wollen, drei Gründe, mit Gott zu feiern.

Doch schnell wieder kommt das Aaaaber: Bleibt einem doch angesichts der Kriege in der Welt, der internationalen politischen Agitation, der Umwelt- bzw. Klimasorgen, der allgemein hoch angespannten Finanzlage und nicht zuletzt des gestrandeten Wals „Timmy“ das Gotteslob schnell wieder im Halse stecken. Lieber stimmen wir Klagelieder an oder wütende Protestsongs. Und in vielen Gottesdiensten hört man auch eher das „alte Lied“. 

Seit Jahrzehnten werden wir gesellschaftlich geschult und getrimmt, die negativen Nachrichten zu betonen, die Kritik hochzuhalten, die schönen Dinge zu hinterfragen. Das macht auf die Dauer nicht nur unzufrieden, sondern auch hilflos, denn den meisten der entsprechenden Probleme ist es reichlich egal, wie ich zu ihnen stehe. Und viele, die das Wort ergreifen, haben zwar laute und energische Kritik zu bieten - aber leider keine konstruktiven Lösungsansätze. Kein Wunder, wenn viele sich dann am Ende lieber (nicht nur) an Himmelfahrt hemmungslos die Kante geben.

Ich möchte dagegen heute mal Werbung machen für die Perspektive der drei Sonntage vor Himmelfahrt. 

Jubelt, lobt! Das muss man manchmal vielleicht erst wieder üben. Aber wir haben doch so viele Gründe, uns des Lebens und unseres Gottes zu freuen – wir vergessen sie nur gern über all den Negativ-Schlagzeilen, und das ist doch schade.

Singt! Denn Singen, vor allem auch gemeinsames Singen, tut nachgewiesenermaßen dem Menschen gut und verändert das Klima, zumindest das zwischenmenschliche. Und:

Betet! Vertraut euch Gott an, der höher ist als unsere Möglichkeiten und auch oft als unsere Einsichten. Da lande ich dann punktgenau wieder bei Psalm 66, diesmal Vers 20, der am Sonntag Rogate Wochenspruch ist: 

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 2. Mai 2026

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