In der Karwoche mit auf dem Weg Jesu und seiner Jünger

In der Karwoche mit auf dem Weg Jesu und seiner Jünger

In der Karwoche mit auf dem Weg Jesu und seiner Jünger

# Andacht

In der Karwoche mit auf dem Weg Jesu und seiner Jünger

Manchmal passiert so viel auf einmal, dass es kaum zu begreifen ist. Erst im Nachhinein wird einem bewusst, was alles geschehen ist, mir jedenfalls geht es nach mancher Woche so. Dann muss ich erst mal sortieren, mich erinnern und begreifen.

Am Karfreitag wird es den Jüngern Jesu ebenso gegangen sein. Sie stehen unter dem Kreuz und Jesus, mit dem sie so hoffnungsvoll unterwegs waren, stirbt. Das ist nicht zu begreifen! Die Erinnerung an den Palmsonntag mit dem lauten Jubel der Menschenmenge ist schon fast verblasst, sarkastisch gewendet im Spott der Menge unter dem Kreuz: Wenn du der Messias bist, dann hilf dir selbst und steig vom Kreuz herab!

Gestern – ja, wirklich erst gestern! – haben die Jünger mit Jesus das Passahmahl gegessen, haben voller Freude gefeiert. Das Fest hat sie an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten erinnert. Mit vollem Magen und leichtem Kopf sind sie in den Garten Gethsemane aufgebrochen. 

Aber dann! - Können sie es schon wieder ertragen, daran zu denken? - Dann ist Jesus verhaftet worden. Verhört von den religiösen Oberen und den römischen Soldaten. Geschlagen, ausgepeitscht, verhöhnt. Die Jünger hatten Angst um ihr eigenes Leben. Jetzt sind sie voller Scham darüber, dass sie nicht zu Jesus gestanden haben.

Sie stehen unter dem Kreuz, ein Stück abseits. Wissen nicht, was sie denken, fühlen, glauben sollen. Sie werden in ihrem Entsetzen und ihrer Trauer, in Verzweiflung und Erinnerung lange brauchen, um zu begreifen. 

Erst nach und nach werden sie verstehen: Das, was hier am Karfreitag geschieht, ist kein Betriebsunfall im göttlichen Plan. Es ist die letzte Konsequenz der Liebe Gottes zu den Menschen. Jesus Christus, Gottes Sohn, hält so fest an den Menschen, dass er lieber das eigene Leben zerbrechen sieht, als sich von den Menschen zu trennen und in den Himmel zu flüchten.  

Kaum zu begreifen! Das geht mir heute nicht anders. Ich brauche Zeit, um zu verstehen; jedes Jahr neu. Die Feiertage und Gottesdienste in der Karwoche helfen mir dabei. Sie nehmen mich mit auf den Weg Jesu und seiner Jünger vom Palmsonntag über den Gründonnerstag bis zum Karfreitag, an dem es still wird. 

Ich wünsche Ihnen Ruhe zum Nach-Sinnen. Und dann ein frohes, Leben-sprühendes Osterfest!


Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 3. April 2026

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