Hoffnung?

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# Andacht

Hoffnung?

Manchmal ist das Leben ziemlich schwierig und die Zukunftsaussichten wenig rosig. Zu allen Zeiten mussten Menschen das erleben. So schrieb schon der Prophet Jeremia vor über 2500 Jahren: „Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Die Ackerleute sind traurig, weil nichts Grünes wächst.“ Er zeichnet ein trostloses Bild der Zukunft. Und das alles, weil Menschen überheblich sind und weil sie das „Ich“ vor das „Wir“ stellen.

Wie wenig sich doch die Zeiten ändern. Die kleinen und großen gesellschaftlichen und politischen Spannungen beruhen auch heute noch auf genau diesem Gegensatz. Konflikte und Streitfragen werden immer seltener sachlich diskutiert, sondern emotionalisiert. Ich gegen dich, du gegen mich. Wir gegen die, die gegen uns. Möge der Stärkere gewinnen. Also ich. Und wenn die anderen dabei auf der Strecke bleiben? Dann habe ich gewonnen und einen Gegner weniger.

Ja, ich weiß, das ist sehr plakativ. Aber ich finde es wirklich manchmal ausgesprochen bedrückend und beängstigend, in die Zukunft zu blicken. Da geht es mir wie Jeremia.

Der allerdings findet einen Hoffnungsschimmer in all der Dunkelheit. Er ruft zu Gott und sagt zu ihm: „Wir heißen nach deinem Namen, verlass uns nicht.“ Jeremia hat die Hoffnung, dass das „Wir“ am Ende über das „Ich“ siegt – mit Gottes Hilfe. Ist er ein Traumtänzer? Zumindest kann man ihm zugutehalten, dass die Welt bisher nicht untergegangen ist. Der Gemeinschaftssinn hat sich immer wieder durchgesetzt, gegen allen Egoismus.

Auch wenn ganz Vieles dagegenspricht – das könnte doch auch dieses Mal so sein. Mit Gottes Hilfe. Weihnachten ist erst drei Wochen her. Gott ist bei uns, er verlässt uns nicht. Und gibt uns damit Kraft, immer wieder „Wir“ zu sagen, damit es Zukunft gibt. Es wäre wichtig, wenn wir diesen Teil der Weihnachtsbotschaft in jeden Tag mit hineinnehmen. Auch in die jenseits von Weihnachten.


Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 17. Januar 2026

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