Heute bin ich Piratin

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Heute bin ich Piratin

# Andacht

Heute bin ich Piratin

"Heute bin ich eine Piratin! Oder gehe ich lieber als Bärin oder Einhorn? Polizistin oder Ronja Räubertochter?“ 

In der Karnevalszeit darf ich eine Maske aufsetzen, in eine andere Rolle schlüpfen, ausprobieren, wie sich das Leben als Bärin anfühlt und auch wie andere einem Bären begegnen.

Spätestens am Aschermittwoch lege ich meine Rolle wieder ab und lebe wieder mein normales Leben.

Wer eine Sehbehinderung hat oder sogar erblindet ist, spielt keine Rolle, die er einfach so ablegen könnte. Die Einschränkung bleibt und man kann lernen, damit umzugehen: Aufmerksamer hören, sensibel Tasten, wo es nötig ist, um Hilfe bitten. 

Eine sehr bekannte Geschichte in der Bibel erzählt von Bartimäus. Er ist blind, sitzt am Straßenrand und hat gehört, dass Jesus in der Stadt ist. Als er Jesus vorbeikommen hört, ruft er so laut er nur kann: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Als ihn die Leute zum Schweigen bringen wollen, ruft er noch lauter.

Bartimäus ist blind, aber er sieht mehr als die Menschen um ihn herum. Er sieht nicht die Rolle, die Fassade, das Äußere, das was uns manchmal davon abhält einen Menschen richtig zu sehen. Nein, er hört und fühlt genau hin und nimmt Stimmungen wahr. 

Das ist direkt und ehrlich. Davon lässt sich Jesus überzeugen und bleibt stehen. „Was willst du, dass ich dir tun soll?“, fragt er ihn. „Herr, ich möchte sehen!“ 

In der Erzählung heilt Jesus Bartimäus. Den, der von außen betrachtet, blind war und doch viel mehr gesehen hat als seine Mitmenschen. Bartimäus steht auf und schließt sich Jesus und seinen Freunden an. Er war am Rand der Gesellschaft und ist nun mittendrin. Weil er Jesus mit seinem Herzen gesehen und geglaubt hat.

Vielleicht ist Karneval genau deshalb eine gute Zeit, um Bartimäus zuzuhören.

Denn während wir Masken aufsetzen, erinnert er uns daran, wie heilsam es ist, sie abzulegen. Gott müssen wir nichts vorspielen. Wir dürfen schreien, lachen, weinen, bitten. Genauso sein, wie wir sind.

Wo verstecke ich mich hinter einer Maske?

Wo wünsche ich mir, wirklich gesehen zu werden?

Und wem könnte ich in diesen Tagen meine Aufmerksamkeit schenken, der sonst übersehen wird?

Karneval vergeht. Die Masken kommen in die Kiste zurück. Aber Gottes Blick auf uns bleibt: Liebevoll, aufmerksam, heilend.

Amen.

Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 14. Februar 2026

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