27/05/2026 0 Kommentare
Gott in vielen Klängen
Gott in vielen Klängen
# Andacht

Gott in vielen Klängen
In einfacher Sprache
Wort zum Sonntag von Dorothea Goudefroy
Im Oktober 2005
habe ich verstanden:
Was bedeutet Pfingsten?
Ich war in Kamerun.
Das ist ein Land in Afrika.
Dort war es sehr heiß.
Die Luft war feucht.
Ich war in einer großen Kirche
mit einem Dach aus Blech.
Ich hatte einen geliehenen Talar an.
Der Talar war warm.
Ich habe geschwitzt.
Vor der Reise
hatte ich meine Predigt
auf Deutsch geschrieben.
Eine Bekannte hat den Text
auf Französisch übersetzt.
In der Kirche habe ich den Text vorgelesen.
Ich habe meine eigenen Worte
kaum verstanden.
Neben mir stand ein Pastor aus dem Ort.
Er hat meine Predigt übersetzt.
In die Sprache Foulfouldé.
Erst dann konnte die Gemeinde
alles verstehen.
Das erinnert mich an Pfingsten.
An Pfingsten gingen die Freunde von Jesus auf die Straße.
Sie erzählten von Jesus.
Viele Menschen hörten ihnen zu.
Die Menschen kamen aus verschiedenen Ländern.
Und alle verstanden die Botschaft
in ihrer eigenen Sprache.
In Kamerun war das ähnlich.
Die Menschen in der Kirche
hörten aufmerksam zu.
Manche Menschen lachten fröhlich.
Andere wurden nachdenklich.
Die Begeisterung sprang über.
Obwohl ich mich selbst
kaum verstanden habe.
Für mich war das ein Wunder.
Ich dachte früher:
Pfingsten ist ein Sprach-Wunder.
Heute denke ich:
Pfingsten ist ein Hör-Wunder.
Menschen hören die Botschaft von Jesus so,
dass sie sie verstehen können.
Gottes Geist hilft dabei.
Gottes Geist gibt Kraft.
Gottes Geist tröstet.
Gottes Geist verbindet Menschen.
Gottes Geist zeigt:
Gott schenkt Leben.
Gott schenkt Hoffnung.
In Jerusalem waren damals viele Menschen.
Sie kamen aus vielen Ländern.
Alle hörten die Botschaft anders.
Aber alle verstanden etwas von Gott.
Das hat die Menschen bewegt.
Auch heute können Menschen das erleben.
Zum Beispiel:
Wenn Menschen miteinander über Gott sprechen.
Oder wenn Menschen gemeinsam singen.
Alte und neue Lieder.
Deutsche und internationale Lieder.
Dann spüren Menschen manchmal:
Gott ist da.
Das wünsche ich Ihnen:
Dass die Freude überspringt.
Dass Sie fröhlich werden.
Und dass es für Sie Pfingsten wird.
An diesem Sonntag im Oktober 2005 habe ich verstanden, was Pfingsten bedeutet. Es war im Norden Kameruns, sehr heiß, hohe Luftfeuchtigkeit, eine große Kirche mit Wellblechdach. Ich habe im geliehenen Talar mit Samtbesatz gepredigt und geschwitzt.
In Deutschland hatte ich meine Predigt auf Deutsch geschrieben und von einer Bekannten ins Französische übersetzen lassen. Mit viel Mühe las ich den Text in Kamerun vor und verstand meine eigenen Worte kaum. Neben mir in der riesigen Kanzel stand der Ortspastor und übersetzte meine Predigt live in die Foulfouldé-Sprache. Erst dann konnte die Gemeinde verstehen.
So muss es Pfingsten in Jerusalem gewesen sein. Damals, als die Jünger Jesu auf die Straße traten und anfingen zu predigen und jeder sie in seiner Sprache hörte. Haben die Jünger sich selbst verstanden, oder ging es ihnen so wie mir in Kamerun? Für mich war es ein Wunder, dass die Menschen in der Gemeinde nachdenklich aussahen oder fröhlich lachten, dass die Begeisterung übersprang, obwohl ich mich selbst kaum verstand. Da wehte eindeutig der Heilige Geist durch die Kirche, ließ den Funken überspringen; die Menschen wurden fröhlich beim Hören des Evangeliums.
Pfingsten hatte ich immer als Sprach-Wunder verstanden, aber seit jenem Oktobersonntag in Kamerun bin ich überzeugt, dass es vielmehr ein Hör-Wunder war. Die Menschen haben die Botschaft von Jesus so gehört, dass sie verstehen konnten.
Gottes Geist – Kraft, Gegenwart Gottes, Lebensspenderin, Tröster und Vermittlerin – lässt die Menschen begreifen, dass die Auferstehung und das Leben Gottes Geschenk an sie sind.
Die Multi-Kulti-Gemeinde, die damals zum Fest in Jerusalem versammelt war, konnte Gott in verschiedenen Klängen wahrnehmen, vielfältig und lebendig. Das hat sie begeistert, hat Resonanz in ihnen und ihrem Leben gefunden. Wie faszinierend wäre es, wenn sie alle uns erzählen könnten, wie sie Gott verstanden haben, und wie Gottes Geist ihr Leben verändert hat. Leider hat Lukas nicht aufgeschrieben, was sie einander staunend erzählten.
Ein Wunder des Hörens und Verstehens können wir aber auch heute live erleben, wenn wir einander erzählen, was wir von Gott verstehen (so war es am Sonntag beim Kirchcafé). Oder die unterschiedlichen Klänge alter und neuer, deutscher und internationaler Lieder hören, die vom Glauben an Gott und seiner Geistkraft erzählen.
Wie auch immer: ich wünsche Ihnen, dass der Funke überspringt, dass Sie fröhlich werden beim Hören des Evangeliums. Dass es Pfingsten wird!
Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 23. Mai 2026
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