Nach fast zehn Jahren: Fahrradselbsthilfewerkstatt am EKJZ in Vlotho verabschiedet sich

Nach fast zehn Jahren: Fahrradselbsthilfewerkstatt am EKJZ in Vlotho verabschiedet sich

Nach fast zehn Jahren: Fahrradselbsthilfewerkstatt am EKJZ in Vlotho verabschiedet sich

# Jugend

Nach fast zehn Jahren: Fahrradselbsthilfewerkstatt am EKJZ in Vlotho verabschiedet sich
Highlights
  • Nach fast zehn Jahren endet die Fahrradselbsthilfewerkstatt am EKJZ in Vlotho – ein Ort für Integration, Ehrenamt und Nachbarschaft.
  • Grund für die Schließung sind strukturelle Veränderungen und die notwendige Neuorganisation kirchlicher Gebäude.
  • Die Verantwortlichen hoffen, die erfolgreiche Arbeit der Werkstatt künftig an einem neuen Standort fortsetzen zu können.

Von Annemarie Coring

    

Am Dienstag ist in der Fahrradselbsthilfewerkstatt am EKJZ zum letzten Mal der Schraubenschlüssel in die Hand genommen worden. Nach fast zehn Jahren endet damit ein Projekt, das für unzählige Menschen in Vlotho weit mehr war als eine Werkstatt: ein Ort der Begegnung, der Nachbarschaftshilfe und des Miteinanders, über alle Herkunft hinweg.

Wer in den vergangenen Jahren dienstags am EKJZ vorbeikam, kannte das Bild: Fahrräder auf dem Kopf, Ketten in der Ölwanne, dazwischen Jugendliche, Ehrenamtliche und Vlothoerinnen und Vlothoer, die gemeinsam schraubten – bei Kaffee, Keksen und guten Gesprächen. Was 2016 unter freiem Himmel begann, weil ein Container-Plan scheiterte und eine Baugenehmigung erst erkämpft werden musste, wuchs zu einem festen Bestandteil des Vlothoer Ehrenamts heran. Über 30 Ehrenamtliche haben das Projekt in dieser Zeit getragen, geflüchteten Familien zu funktionierenden Fahrrädern verholfen und ganz nebenbei gezeigt, wie gelebte Integration aussehen kann.

Bereits am 23. Juni war im Rahmen einer Abschiedsfeier all jenen gedankt worden, die die Werkstatt über die Jahre geprägt haben. Im Mittelpunkt stand dabei Jan Allersmeier, der die Werkstatt fast zehn Jahre lang geleitet hat und nun ebenfalls verabschiedet wurde. „Diese Werkstatt war nie nur ein Ort, an dem Fahrräder repariert wurden“, sagt Allersmeier rückblickend. „Hier haben Menschen sich kennengelernt, die sich sonst nie begegnet wären. Aus geflüchteten Jugendlichen, die anfangs kaum ein Wort Deutsch sprachen, sind junge Erwachsene geworden, die heute selbst anderen helfen. Das mitzuerleben, war das größte Geschenk dieser Arbeit.“

Auch in den letzten Wochen war das Interesse an der Werkstatt ungebrochen. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, noch einmal ein Rad zu erwerben oder sich mit Ersatzteilen einzudecken. Ein Großteil der verbliebenen Fahrräder geht nun an das Umsonst & Draußen Festival, wo sie künftig als Pool für die dortigen Ehrenamtlichen dienen werden – ein letztes, sinnstiftendes Kapitel für Räder, die schon einmal ein zweites Leben erhalten hatten.

Dass die Werkstatt nun schließt, hat dabei keine inhaltlichen Gründe – im Gegenteil. Grund ist eine strukturelle Entwicklung, die derzeit viele kirchliche Einrichtungen betrifft: der Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen und die damit einhergehende Notwendigkeit, kirchliche Gebäude aufzugeben oder neu zu nutzen. Auch das EKJZ ist von diesen Veränderungen betroffen. „Der Wandel unserer kirchlichen Strukturen und die sinkenden Mitgliederzahlen führen dazu, dass Gebäude wie das Gemeindehaus Valdorf nicht in der bisherigen Form weitergeführt werden kann. Daher muss auch das EKJZ als kommunales Jugendzentrum, dass vom Ev. Jugendreferat Vlotho verantwortet wird, einen neuen Ort finden. Und somit auch eine neue Bleibe für Projekte, wie die Fahrradwerkstatt, an dem wir neu starten können“, erklärt Geschäftsführerin Katrin Eckelmann.

Für die Ehrenamtlichen, die die Werkstatt all die Jahre mit Leben gefüllt haben, ist das kein leichter Abschied – aber auch kein endgültiger Schlussstrich. „Wir geben die Idee nicht auf, wir müssen nur eine Pause einlegen“, sagt Jugendreferentin Annemarie Coring. „Ich hoffe sehr, dass sich bald ein neuer Ort findet, in dem dieser Geist – das gemeinsame Schrauben, Helfen und Ankommen – weiterleben kann. Vlotho hat gezeigt, wie viele Menschen bereit sind, sich einzubringen. Diese Haltung soll nicht verschwinden.“

Mit dem Ende der Fahrradselbsthilfewerkstatt verliert Vlotho vorerst einen besonderen Treffpunkt. Was bleibt, ist die Erinnerung an fast zehn Jahre gelebte Ehrenamtlichkeit– und die leise Hoffnung, dass aus dem „Auf Wiedersehen“ irgendwann ein „Willkommen zurück“ wird.

   

Fahrrad-Werkstatt schließt nach fast zehn Jahren

Die Fahrrad-Werkstatt am EKJZ in Vlotho schließt.

Fast zehn Jahre lang haben dort viele Menschen gemeinsam Fahrräder repariert.

Die Werkstatt war mehr als ein Ort zum Schrauben.

Menschen konnten sich dort kennenlernen, miteinander sprechen und sich gegenseitig helfen.

Viele Ehrenamtliche haben das Projekt unterstützt.

Besonders geflüchtete Menschen bekamen dort Hilfe und konnten selbst mitarbeiten.

Jan Allersmeier leitete die Werkstatt fast zehn Jahre lang.

Bei einer Abschieds-Feier wurde ihm und allen Helferinnen und Helfern gedankt.

Die Werkstatt schließt nicht, weil sie schlecht besucht war.

Der Grund ist:

Die Kirche muss einige Gebäude aufgeben oder anders nutzen.

Deshalb gibt es im Moment keinen Platz für die Fahrrad-Werkstatt.

Viele der übrigen Fahrräder werden an das Umsonst & Draußen Festival weitergegeben.

Die Verantwortlichen hoffen, dass die Werkstatt später an einem neuen Standort wieder öffnen kann.

After almost ten years: EKJZ bicycle self-help workshop bids farewell

Tuesday, the tools were put away for the final time at Vlotho's EKJZ bicycle self-help workshop. After almost ten years, a project is coming to an end that meant far more to countless people in Vlotho than simply a place to repair bicycles. It became a place of community, neighbourly support and togetherness, bringing people together regardless of where they came from.

Anyone passing by the EKJZ on a Tuesday over the past decade would have recognised the familiar scene: bicycles turned upside down, chains soaking in oil trays, while young people, volunteers and local residents worked side by side over coffee, biscuits and friendly chats. What began in 2016 in the open air, after plans for a shipping container workshop fell through, grew into a well-established part of voluntary life in Vlotho. More than 30 volunteers supported the project over the years, helping refugee families obtain reliable bicycles while demonstrating what genuine integration can look like in everyday life.

On 23 June, everyone who had shaped the workshop over the years was mentioned during the farewell get-together. Particular tribute was paid to Jan Allersmeier, who had headed the workshop for almost a decade.

“This workshop was never just a place where people repaired bikes,” Allersmeier reflects. “People met here who would otherwise never have crossed paths. Refugee teenagers who could hardly speak a word of German when they first arrived have grown into young adults who now help others in turn. Seeing that has been the greatest reward of this work.”

Interest in the workshop remained strong right up to its final weeks. Many visitors took the opportunity to purchase a bicycle one last time or stock up on spare parts. Most of the remaining bicycles will now be donated to the local Umsonst & Draußen Festival , where they will form a bicycle pool for the festival's volunteers—a fitting final chapter for bicycles that had already been given a second life.

The closure is not the result of a lack of demand or commitment. Instead, it reflects wider structural changes currently affecting many churches. Declining membership means that more and more buildings have to be closed, repurposed or used differently. The EKJZ is also affected by these developments.

“The changes within our church structures and the decline in membership mean that buildings like the Valdorf parish centre can no longer continue in their current form,” explains Katrin Eckelmann, who manages the church district's youth services. “As a result, the EKJZ centre, which is operated by us, will also have to relocate. That means finding a new home for projects such as the bicycle workshop, where we hope to make a fresh start.”

For the volunteers who filled the workshop with life over so many years, this is not an easy farewell. But it does not have to be the end.

“We are not giving up on the idea; we simply have to take a break,” says Annemarie Coring. “I very much hope that we will soon find a new place where this spirit of repairing bikes together, helping one another and making people feel welcome can continue. Vlotho has shown how many people are willing to get involved. We do not want to lose that spirit.”

With the closure of the bicycle self-help workshop, Vlotho is, for the time being, losing a very special meeting place. What remains is the memory of almost ten years of dedicated voluntary service—and the quiet hope that today's farewell will one day become a warm welcome back.

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