Es schneit

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# Andacht

Es schneit

Es schneit – und das ist lästig. Morgens muss erstmal die Scheibe freigekratzt und Schnee geschoben werden. Es schneit – und das ist gefährlich. Man kann böse ausrutschen. Auf der Autobahn drehen sich die Lkw im Kreis, und der Stau verstopft unsere Straßen. Züge fallen aus, Busse fahren nicht. Es schneit und mancher sagt: Muss das sein? Von der Kälte habe ich die Nase voll.

Und zugleich: Es schneit. Die Nächte sind heller. Alle Geräusche sind gedämpft. Die Luft ist klar. Kinder freuen sich darauf, endlich rodeln zu gehen – wenn denn Zeit dazu ist. Hunde toben euphorisch im Schnee. Und wenn dann noch die Sonne scheint, dann glitzern Millionen Eiskristalle.

Ja, der Winter ist lästig und gefährlich – aber wenn wir noch Augen dafür haben, dann kann er uns auch zum Staunen bringen, dann ist der Schnee bei uns ein seltenes Wunder der Schöpfung, eine sanfte Transformation unserer Welt, die alles ein wenig langsamer und leiser werden lässt.

Es schneit, auch in den USA. Ein Wintersturm bedroht dort gerade Leben. Aber noch schlimmer als der eisige Winterwind ist ICE, die zur brutalen Schlägertruppe mutierte Einwanderungsbehörde, die erbarmungslos Jagd auf Menschen macht. Renée Good und Alex Pretti, zwei Menschen mit US-Pass, sind bereits diesem Terror zum Opfer gefallen.

Aber es regt sich Widerstand. Tausende demonstrieren friedlich und haben einen Anfangserfolg errungen.

Auch der Mut dieser Menschen lässt mich staunen. Ich staune, wie viel menschliches Mitgefühl, Zusammenhalt und Entschlossenheit ohne Gewalt doch bewirken können. So, wie die Schneeflocke, die federleicht ist – aber wenn viele Schneeflocken zusammen kommen, dann können sie dicke Äste zum Abbrechen bringen.

Sie sehen: Die Welt ist voller Wunder. So vieles kann uns zum Staunen bringen. Wir müssen nur einen Blick dafür haben.

Lassen Sie sich den Glauben an Wunder nicht nehmen!


Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 31. Januar 2026

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