22/04/2026 0 Kommentare
Eine Welt aus 57 Gedichten
Eine Welt aus 57 Gedichten
# Erwachsenenbildung

Eine Welt aus 57 Gedichten
Highlights
- Ursula Kurze brachte mit Gesang und Gitarre Leben und Werk der jungen jüdischen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger näher.
- Ein Heft mit 57 Gedichten von Meerbaum-Eisinger überlebte Krieg und Verfolgung und sicherte ihr einen Platz in der Literaturgeschichte.
- Das Konzert verband persönliche Einblicke, Musik und Geschichte und weckte neues Interesse beim Publikum.
In leichter Sprache
Eine Welt aus 57 Gedichten
Es war ein Konzert nur mit einer Gitarre und einigen Gedichten. Die Titel sind einfach, zum Beispiel „Frühling“. Damit erzählt Ursula Kurze vom Leben der jungen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger. Sie lebte früher in der Bukowina. Das war vor dem Zweiten Weltkrieg.
Selma Meerbaum-Eisinger war jüdisch. Sie wurde nur 18 Jahre alt. Sie wurde in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet.
Ursula Kurze sagt: Viele junge Dichter sind damals gestorben. Ihre Namen kennt heute kaum jemand. Auch ihre Werke sind oft verloren.
Von Selma Meerbaum-Eisinger sind 57 Gedichte erhalten. Sie stehen in einem kleinen Heft. Das Heft hat eine besondere Geschichte:
- Selma begann es mit 15 Jahren.
- Sie gab es vor ihrer Deportation einer Freundin.
- Ein Freund versteckte es später im Lager.
- Das Heft kam schließlich nach Israel.
So konnten ihre Gedichte bis heute überleben.
Ursula Kurze singt und spielt Gitarre. Sie liest Gedichte und erzählt dazu. So wird Selma wieder lebendig.
Kurze kennt die Gedichte schon lange. Sie hat sie schon in der DDR vorgelesen. Damals waren diese Texte nicht erlaubt.
Sie sagt: „Selma ist für mich wie eine Schwester.“
Das Publikum hört von der Stadt Czernowitz Dort lebte Selma früher.
In den Gedichten geht es oft um Natur:
- Abendrot
- Frühling
- Sommer
- Regen
Die Gedichte zeigen auch Gefühle. Sie sind für ihr junges Alter sehr tief.
Im Konzert hört man zuerst schöne, leichte Zeiten. Dann wird es plötzlich ernst: Krieg, Angst und Deportation beginnen.
Ursula Kurze spielt dazu besondere Musik. Ihre Gitarre klingt oft ganz anders als gewohnt.
Das Konzert dauert über eine Stunde. Es gibt einen guten Einblick in das Leben und die Gedichte. Aber man merkt: Es gibt noch viel mehr zu entdecken.
Pfarrerin Katja Jochum sagt am Anfang: Sie kannte den Namen zuerst nicht. Nach dem Konzert haben viele Menschen mehr Interesse an Selma.
Das Konzert wurde von mehreren Gruppen organisiert:
- Kirchengemeinde Eidinghausen-Dehme
- Evangelische Erwachsenenbildung
- Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
- Arbeitskreis Juden und Christen im Kirchenkreis Vlotho
Es gab keinen Eintritt. Pfarrer Wilfried Reuter bat um Spenden.
Das Geld ist für den Ort Nir Oz. Der Ort wurde 2022 von der Hamas angegriffen. Er soll wieder aufgebaut werden.
Nur eine Gitarre und eine Handvoll Gedichte mit auf den ersten Blick banalen Titeln wie „Frühling“: Das waren die Zutaten für eine musikalische Reise in die Bukowina der Vorkriegszeit und das Leben der jungen jüdischen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger (1924 - 1942). Bei ihrem Auftritt in der Auferstehungskirche in Dehme begeisterte die Dresdnerin Ursula Kurze ihr Publikum.
„Selma Meerbaum-Eisingers kurzes Leben zeigt, was an jungen Dichtern verloren ging“, stellt Ursula Kurze fest, „an denen, die nur einen Name unter sechs Millionen Ermordeten haben, aber keinen in der Literaturgeschichte.“ Mit viel Glück hat Meerbaum-Eisingers Name und Werk überlebt, dank eines knappen Hefts mit 57 Gedichten. Begonnen als Poesiealbum eines literarisch begabten 15-jährigen Mädchens aus der deutsch-jüdischen Welt der Bukowina, vor der Verschleppung ins Arbeitslager einer Freundin zugesteckt, vom geliebten Freund im Lager in der Häftlingskleidung versteckt, erreichte das Heft schließlich Israel und sicherte Meerbaum-Eisingers Platz in der Literaturgeschichte.
Ursula Kurze konnte bereits mehrere, oft deutsch-jüdische Dichter in musikalischen Lesungen in der Region, in der Synagoge Herford und der reformierten Kirche St. Johannis in Vlotho vorstellen. Nur mit ihrer Stimme und virtuosem Gitarrenspiel ließ sie jetzt Meerbaum-Eisinger in Dehme aufleben. Die Dresdnerin hatte Selma Meerbaum-Eisinger schon vor der Wende entdeckt und früh angefangen, Gedichte der in der DDR verpönten Dichterin bei den Friedensdekaden vorzutragen. Der Abend in Dehme zeigte ihren tiefen persönlichen Bezug: „Sie ist mir wie eine Schwester geworden“, gibt Kurze zu.
Mit ihrem Gesang, Textauszügen, Erklärungen und eigenen Erinnerungen entführte Kurze das Publikum ins noch KuK-angehauchte Czernowitz der Vorkriegszeit. Genaue Naturbeobachtung kennzeichnen Meerbaum-Eisingers impressionistische Gedichte. Abendrot, Frühlingsfrische, trockene Spätsommer an der Pruth, selbst Kastanien tauchen da auf und immer wieder Regen, als Spiegel ihrer Empfindungen. Dahinter stecken für das junge Alter der Dichterin erstaunlich reife Einblicke in ihr Seelenleben. In Dehme erlebt das Publikum durch Ursula Kurzes Vortrag unbeschwerte Jugendtage auf der Habsburgerhöhe hinter Meerbaum-Eisingers Geburtshaus und dann plötzlich, auch musikalisch hart einschneidend, die Vorzeichen von Krieg, Terror und Verschleppung. Zwischen den Versen spielt sich ihre Gitarre frei, und Ursula Kurze begeisterte mit ihrem Spiel, das ganz andere Klangwelten aus dem bekannten Instrument lockte.
Über anderthalb Stunden begleiteten die Anwesenden Leben und Werk von Meerbaum-Eisinger. Es war eine eindrucksvolle Einleitung, aber nicht ausreichend selbst für das kleine Oeuvre einer Dichterin, die mehr Bekanntheit verdient. Pfarrerin Katja Jochum hatte zur Einleitung gestanden, dass sie den Namen auch erst habe lernen müssen. Nicht nur sie verlies das Konzert mit neuen Interesse an der jungen Frau aus Czernowitz.
Das Konzert wurde von der Kirchengemeinde Eidinghausen-Dehme mit der Ev. Erwachsenenbildung, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und dem Arbeitskreis Juden und Christen im Kirchenkreis Vlotho ausgerichtet. Statt Eintritt bat Pfarrer Wilfried Reuter um Spenden für den Wiederaufbau des 2022 von der Hamas angegriffenen Kibbutz Nir Oz.
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