27/03/2026 0 Kommentare
Ein kleines Juwel wird größer
Ein kleines Juwel wird größer
# Neuigkeiten

Ein kleines Juwel wird größer
Geduldig wartet Marianne Kollmeier an der Tür der Veltheimer Kirche auf den angekündigten Baubestellenbesuch. Die zwanzig Minuten Verspätung tun ihr nicht weh, denn die letzte Vorsitzende des Presbyteriums der Kirchengemeinde Veltheim hat sich lange genug auf diesen Moment gefreut: Vor mehr als drei Jahren wurden die Pläne für den Umbau der „Arche“ neben der Kirche vorgestellt. Jetzt geht alles schnell voran.
„Ein kleines Juwel, um das uns andere Gemeinden beneiden“: So hatte Matthias Kästner, noch als Veltheimer Baukirchmeister vor dem Zusammenschluss der Portaner Kirchengemeinden, das Gebäude neben der Peter- und Pauls-Kirche genannt. Und tatsächlich ist die „Arche“ eine Besonderheit: Auf den ersten Blick fast zurückhaltend neben der Kirche liegend, überzeugt das Gebäude mit seiner klaren Formensprache. Wie ein umgedrehter Schiffskiel wirkt das linsenförmige Gebäude und wird so seinem Namen gerecht. Seine Sandsteinmauern nehmen das Mauerwerk der benachbarten Kirche auf, erklärt Marianne Kollmeier beim Besuch zwischen Baumaschinen und Zementsäcken. Mit Liebe zum Detail wurden selbst die Mörtelfugen dem historischen Vorbild entsprechend gestaltet. Im Innenraum vermittelt die nicht zu hohe Dachkonstruktion ein Gefühl der Geborgenheit, verstärkt durch die beim Baustellenbesuch verbretterten Fenster.
Aus pragmatischem Behelf wird As im Ärmel
Schon vor den laufenden Umbauten konnten kleinere Veranstaltungen in der Arche durchgeführt werden. Als die Arche am 7. November 1993 durch den damaligen Superintendenten, Christof Windhorst, eingeweiht wurde, waren jedoch pragmatische Gründe entscheidend: Einen Ersatz für das fehlende Foyer der Kirche sollte es geben, Toiletten für Besucherinnen und Besucher, einen Raum für Küsterdienste.
Doch seit das Gemeindehaus am Sprengelweg an die Gotteshütte übergeben wurde, fehlt in Veltheim ein Ort für Gemeindegruppen und Veranstaltungen. Zur Einweihung der Arche hatte Superintendent Windhorst sich gefreut, dass die Gemeinde in der, schon damals, „wirtschaftlich schwierigen Zeit ein derartiges Gebäude habe errichten können“. Dreiunddreißig Jahre später ist die Arche schließlich nach der Abgabe des Gemeindehauses ein echtes As im Ärmel der jetzigen Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd geworden.
Umbau im Zeitplan
Um der Gemeinde als vollwertiger Veranstaltungsraum zu dienen, wird der Saal der Arche großflächig erweitert. Die alte Trennwand zwischen Saal und Wirtschaftsräumen ist bereits gefallen und zeichnet sich nur noch als Lücke im Putz ab. Die sanitären Anlagen werden ins südliche „Heck“ der Arche verlegt, neben den neugestalteten Eingang. Ein neues Vordach soll die Besucher bald bei jedem Wetter schützen.

Die Umbauten schreiten schnell voran. Die Arbeiten liegen sehr gut im Zeitplan, bestätigt Marianne Kollmeier. Es passiert so viel, dass selbst die mit den Bauplänen gewappnete und tief in der Materie steckende Fachfrau sich auf der Baustelle erst wieder orientieren muss: „Ach, das sind schon die neuen Träger“. Die bestehende Tragkonstruktion der Arche war für die Spannweite des Daches gerade ausreichend. Mit der Erweiterung des Saals musste eine neue statische Lösung her, und die liegt jetzt in Form tonnenschwerer Stahlträger in der entkernten Arche. Fast doppelt so viele Besucherinnen und Besucher wie zuvor werden bald unter ihnen zusammenkommen können: Genug für die meisten Gemeindegruppen, für Leseabende, Jugendevents, kleine Konzerte oder auch das Zusammenkommen nach glücklichen oder traurigen Momenten in der Kirche.
Auf dem Weg zu einer multifunktionalen Kirche
Auch dort, nebenan in der Kirche, ist viel im Wandel, auch wenn bisher nur ein paar neue Kabel auf Umbauten hinweisen. Die Gemeinde hat große Pläne für das historische Kirchgebäude. Wie bei vielen Kirchen der Gegend verlegt die fromme Hildburg-Legende auch die Gründung der Veltheimer Kirche ins Jahr 896. Viel wahrscheinlicher ist ein Bau in der Kirchenbauwelle des 12. Jahrhunderts. Seit dieser Zeit hat sich viel getan, und immer wieder hat die Kirche ihr Gesicht verändert. Die wachsende Gemeinde brachte schon am Übergang zur Neuzeit eine Erweiterung nach Norden. Anfang des letzten Jahrhunderts folgte noch eine Erweiterung nach Süden, und das ganze Innenleben der Kirche wurde einmal um 90 Grad nach rechts gedreht. Zum vermeintlichen 1100. Geburtstag erhielt die Kirche dann ihren heutigen Namen.

Jede Generation hat so der Veltheimer Kirche ihren Stempel aufgedrückt, und nun steht ein weiteres Kapitel an, wenn auch nur in der Gestaltung und Nutzung des Innenraums. Die Elektrik muss erneuert werden, die Beleuchtung ebenso. Die größte, auch kontroverseste Veränderung wartet aber in der Mitte des Kirchraums: Die fest verbauten Bankreihen sollen ausgetauscht werden. Stühle aus der zum Jahreswechsel entwidmeten Möllberger Kirche sollen dem Raum nicht nur mehr Leichtigkeit geben. Mit der Möglichkeit, die Stühle je nach Bedarf um- oder wegzuräumen, entsteht auch ein vielseitig einsetzbarer Raum. „Eine multifunktionale Kirche wäre ein Gewinn für Veltheim“: So hatte Matthias Kästner die Stimmung bei der Vorstellung der Pläne zusammengefasst.
Marianne Kollmeier kann sich in der neuen, flexiblen Mitte vieles vorstellen. Aber vor allem hat die musikbegeisterte Chorsängerin einen persönlichen Traum: Auch musikalisch und kulturell soll Veltheim wieder vorne mitspielen. Ohne die bis kurz vor die Stufen zum Altarraum reichenden Bankreihen sei genug Platz für ein Orchester oder einen Chor. Große Konzerte, vielleicht ein Oratorium in der historischen Veltheimer Kirche: An der Inneneinrichtung soll es nicht mehr scheitern.
Kommentare