Durchblicken

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# Andacht

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Geht Ihnen das auch so? Man blickt nicht mehr durch. Ständig geschieht etwas Neues in der Welt und oft nichts Gutes. Oder ist es doch nicht so schlimm? Die Informationen sind unterschiedlich, die Bewertungen erst recht. Auch im Alltag scheint mir das häufiger vorzukommen als früher. Folge: Man weiß nicht mehr, wo es lang geht, man blickt nicht mehr durch.

Wie anders, fast schon poetisch, klingen da die Worte aus dem Epheserbrief: Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von IHM berufen seid! (Epheserbrief 1,18)

Von erleuchteten Augen des Herzens ist hier die Rede, die hinter die Dinge schauen und da die Hoffnung entdecken, zu der wir berufen sind. Nicht, dass nun alle Geheimnisse und Rätsel dieser Welt gelöst werden, wird versprochen. Aber man blickt mit dem Herzen tiefer als mit bloßem Augenschein. „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Das wusste schon der Fuchs in Saint Exupérys berühmten Buch „Der kleine Prinz“.

Wer mit dem Herzen sieht, der ist kein unbeteiligter Zuschauer. Der ist mittendrin. Wer als unbeteiligter Zuschauer etwa auf den Tod Jesu am Kreuz blickt, der sieht das unrühmliche Ende eines jüdischen Wanderpredigers, zerrieben zwischen den Mühlen religiöser und politischer Macht.

Die Bibel will uns aber zu einer tieferen Sichtweise verhelfen. Sie sieht hier Gottes Liebe am Werk, vor der selbst der Tod nicht sicher ist. Für den, der dieser Liebe vertraut, der mit dem Herzen sieht, beginnt hier die Hoffnung erst. Der lernt die Welt mit den Augen Gottes zu sehen. Für den gibt es keine hoffnungslosen Fälle mehr, denn es gibt keinen Ort mehr, der der Liebe Gottes verschlossen bliebe.

Die Hoffnung, zu der wir berufen sind, erkennen wir aber erst, wenn wir der Macht der Liebe Gottes trauen. Der äußere Augenschein sieht nur allzu oft nach dem Gegenteil aus. Darum kommt es allzu schnell dazu, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Zukunftsangst breitet sich aus und Hoffnung schwindet, auch unter Christen, auch in der Kirche. Und doch sind wir berufen, auch in schwierigen Situationen an der Hoffnung festzuhalten.

Dabei sind wir Gott sei Dank nicht allein. Gemeinsam geht das viel leichter. Wir können uns gegenseitig ermutigen und Hoffnung schenken. Dazu soll auch der gemeinsame Gottesdienst am Samstag, 5. Juli, auf dem Findeisenplatz dienen. Um 18 Uhr sind alle Christen in Löhne eingeladen, sich ermutigen zu lassen. Wie auch immer: Gott gebe auch dir und mir erleuchtete Augen des Herzens, damit wir erkennen, zu welcher Hoffnung wir durch ihn berufen sind.


Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 28. Juni 2025

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