Dunkle Töne, musikalische Glanzleistung

Dunkle Töne, musikalische Glanzleistung

Dunkle Töne, musikalische Glanzleistung

# Kirchenmusik

Dunkle Töne, musikalische Glanzleistung

Nach dem Erfolg der Musik-Wein-Vespern des letzten Jahres hatte sich die Kantorei St. Stephan und Kantorin Līga Auguste-Meier für dieses Jahr noch ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen: Drei Musikalische Vespern, die sich in Andacht und Musik mit je einer Bach-Kantate auseinandersetzen. Es war nicht immer leichte Kost in der Reihe, die mit der letzten Vesper am Karsamstag ihren passenden Abschluss fand. Aber es wurde für die Kantorei, das Projektorchester und Yannick Spanier als Gast-Solisten an diesem Abend eine Punktlandung vor einem begeisterten Publikum.

Bachs Kreuzstabkantate ist 300 Jahre nach ihrer Entstehung immer noch ein Publikumsfavorit, trotz ihres ernsten Inhalts. Es geht um Leid und Erlösung und um die Bereitschaft, das Kreuz auf sich zu nehmen. Ähnlich sperrige Themen gab es bereits bei den anderen Vespern, zur Kantate „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“ Ende Januar und „Gott soll allein mein Herze haben“ Ende Februar: Es waren drei für heutige Ohren ungewohnte Botschaften von Akzeptanz und Genügsamkeit. Dass dieser mentale Spagat an jedem der drei Abende gelang, lag nicht zuletzt am Aufbau der Vespern. Jedes Kantatenthema wurde in kurzen Andachten neu verortet und auf das heutige Leben bezogen, an diesem Abend von Pfarrerin Geeske Brinkmann. Diese Übersetzungsleistung war das Besondere am Format: Hochkarätige Musik mit ernsten Themen, kombiniert mit Andachtsmomenten, die zum Nachdenken anregen.

Bach hatte die Kantate 1726 für die Sopranstimme seiner „Frau Capellmeisterin“ Anna Magdalena geschrieben. Erst Jahre später entwickelte er eine Fassung für eine Bass-Stimme. In St. Stephan übernahm diese Aufgabe Yannick Spanier. Der gebürtige Vlothoer hat in seiner Opernkarriere schon einige der wichtigsten Bass-Rollen wie den Sarastro aus Mozarts Zauberflöte gesungen. Seit 2019 ist er Teil des Ensembles der Staatsoper Hannover, wo er in dieser Spielzeit den Odysseus in Dusapins neuer Oper „Penthesilea“ gibt. In seiner Geburtsstadt hatte er erst im letzten Jahr beim großen Jubiläumskonzert der Kantorei mit seinem kräftigen, aber - durch die Opernbühne geschult - klaren Bass begeistern können: Eine ideale Wahl auch an diesem Abend mit seinem intimeren Setting, für eine komplexe Kantate mit viel narrativem und emotionalem Inhalt. 

Nicht nur für Yannick Spanier, sondern auch für die Sängerinnen und Sänger der Kantorei und ihr Publikum gab der Abend einen besonderen Genussmoment: Zum Schlusschoral arrangierten sie sich um das Projektorchester herum und stimmten das berühmte „Komm, O Tod, Du Schlafes Bruder“ an. Bach hatte den Choral aus einem älteren Werk in der Kreuzstabkantate wiederverwendet und damit zu einem der großen Klassiker für Bach-Sängerinnen und -Sänger gemacht: Ernst und dunkel, aber voller Gefühl.

Aufgelockert wurde das Programm durch Teile aus Bachs 1. Brandenburgischen Konzert und Telemanns Ouvertüre g-Moll. Die verspielte Ouvertüre, aber besonders die berühmten Melodien aus dem Bach-Konzert gaben gerade den Streichern um Simone Gisinger-Hirn viel Gelegenheit, nicht nur ihr Können zu zeigen, sondern einfach Spaß am Spiel zu haben. Das Projektorchester, im Halbkreis um Līga Auguste-Meier am Orgelpositiv, hatte schon den beiden anderen Musikalischen Vespern eine eigene Note gegeben. Auch an diesem Abend gab es für ihr Spiel, für den Gesang von Kantorei und Yannick Spanier und für Līga Auguste-Meier als dem kreativen Kopf hinter der ganzen Reihe viel Beifall für ihre Punktlandung mit der letzten Musikalischen Vesper.

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