27/01/2026 0 Kommentare
Die Menschen hinter den Steinen, Tafeln und Listen
Die Menschen hinter den Steinen, Tafeln und Listen
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Die Menschen hinter den Steinen, Tafeln und Listen
In den Städten und Orten des Kirchenkreises, wie in ganz Deutschland und weltweit, wurde am 27. Januar der Opfer des NS-Terrors gedacht. Doch hinter dem, was als Schicksale, als Geschichten oder manchmal nur noch als Statistiken in Geschichtsbüchern oder öffentlichem Gedenken auftaucht, stehen Menschenleben. Die zentrale Gedenkveranstaltung in der Stadt Bad Oeynhausen, am Gedenkbrunnen vor der Auferstehungskirche, warf ein Licht auf einige dieser Leben.

Die Gedenkveranstaltung wurde von der Stadt Bad Oeynhausen, vom Verein Stolpersteine Bad Oeynhausen e.V. und dem Arbeitskreis für Heimatpflege gemeinsam mit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof und der Ev. Emmaus-Kirchengemeinde organisiert. Neben kurzen Beiträgen von Pfarrerin i.R. Antje Eltzner-Silaschi, Bürgermeister Lars Bökenkröger und Pfarrer Marian Zachow, Vorstand des Wittekindshofs, konnten Bürgerinnen und Bürger der Stadt an die Namen und Leben von insgesamt 40 Menschen aus der Kurstadt erinnern, die unter dem NS-Terror leiden mussten oder ihr Leben verloren. Anderer Leben wurde in den anderen Orten der Region gedacht, so bei der vom KZ-Gedenkstättenverein organisierten Veranstaltung „Riga, Auschwitz, Porta Westfalica“ im Bürgerhaus Porta Westfalica.
Es sind Leben wie das des Hausberger Bürgers Otto Windmüller. Nicht weniger als neun Stolpersteine markieren den ehemaligen Wohnort der Familie Windmüller in Hausberge. Von den mit ihm nach Riga verschleppten Angehörigen kam keiner lebend zurück. Aus Hausberge überlebte neben Otto Windmüller einzig Justin Maier die Deportation. Beide kehrten heim an die Porta.
Es sind Geschichten wie die des Wahl-Bad-Oeynhauseners Ludwig Louis Back, der 1919 auf eigene Faust und aus humanistischem Instinkt die erste Volkshochschule in der Kurstadt gegründet hatte, nur ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs. Die erhoffte Emigration scheiterte für ihn und seine Frau Margarete in Brüssel. Zurück in Bad Oeynhausen wurden sie ins „Judenhaus“ in der Weststraße gezwungen. Dort starb seine Frau. Er selbst wurde 1942 in Treblinka ermordet.
Besondere Aufmerksamkeit galt bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung in Bad Oeynhausen den NS-Opfern am Wittekindshof. Neben den Opfern der Krankenmorde fielen weitere Bewohnerinnen und Bewohner dem Rassenwahn und Staatsterror zum Opfer. Sechs dieser Leben wurde vor der Auferstehungskirche gedacht, darunter Alice „Liesl“ Bukofzer, die als zutraulicher und vergnügter Mensch beschrieben wurde. Sie wurde nur 20 Jahre alt. Wolfgang Leyser, durch eine Erkrankung als Kleinkind stark beeinträchtigt, kam mit 14 Jahren an den Wittekindshof. Seine Eltern fanden Sicherheit in Argentinien. Er selbst erreichte nur das 16. Lebensjahr.

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