20/10/2026 0 Kommentare
Von Wunderkerzen und Sturmlaternen
Von Wunderkerzen und Sturmlaternen
# Andacht

Von Wunderkerzen und Sturmlaternen
Die Tage werden spürbar kürzer. Wenn ich abends nach einer Jugendgruppe abschließe und nach Hause fahre, ist es inzwischen oft schon stockdunkel. Der Herbst hat zwar seine gemütlichen Seiten, kann aber manchmal auch ziemlich aufs Gemüt schlagen – besonders, wenn man schaut, was gerade auf der Welt so los ist.
In meinem Alltag als Jugendreferent erlebe ich da oft einen echten Kontrast. Jugendliche haben nämlich so ein ganz eigenes Licht in sich. Das erinnert mich oft an eine Wunderkerze: total ungestüm, voller Energie, sprühend vor Ideen und Begeisterung. Sie trauen sich, Dinge einfach mal mutig und neu zu denken. Diese Hoffnung ist extrem ansteckend.
Aber so eine Wunderkerze brennt eben auch schnell ab oder geht aus, wenn der Wind mal von vorne kommt. Und genau da passiert etwas richtig Starkes, wenn wir über den Tellerrand unserer eigenen Generation hinausschauen. Wenn ich hier bei uns mit älteren Menschen ins Gespräch komme, sehe ich ein ganz anderes Licht. Das ist dann eher wie eine gute Sturmlaterne oder eine verlässliche Glut: beständig, wärmend und mit der tiefen Ruhe aus jahrelanger Lebenserfahrung, dass nach jedem noch so langen Winter auch wieder ein Frühling kommt.
Stellen Sie sich vor, wir bringen diese beiden Lichter in unserem Alltag öfter zusammen! Die Jungen bringen den Funken, den Mut und die Action mit. Die Älteren bieten den Rahmen, den Schutz vor dem Gegenwind und die Ruhe, wenn es mal hektisch wird. Als Einzelkämpfer flackern wir in der Dämmerung vielleicht nur kurz auf – aber als Team machen wir den Raum richtig hell.
„Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5, 14), heißt es in der Bibel. Da steht ganz bewusst nicht: Jeder muss zusehen, wie er alleine strahlt. Es ist ein echtes Teamprojekt! Echtes Interesse am anderen, einander mal zuhören, einfach Zeit teilen – so werden wir ganz unkompliziert füreinander zum Lichtträger.
Vielleicht nehmen Sie das mal als kleine Challenge für diese Woche mit: Wen können Sie heute mit Ihrem Funken anstecken? Oder für wen können Sie mit Ihrer ruhigen Laterne gerade jetzt ein bisschen Orientierung bieten?
Kommen Sie behütet und leuchtend durch diesen Herbst!
Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 17. Oktober 2026
Wunder-Kerzen und Sturm-Laternen
Die Tage werden kürzer.
Wenn ich abends eine Jugend-Gruppe abschließe, ist es oft schon ganz dunkel. Dann fahre ich nach Hause.
Der Herbst hat auch schöne Seiten. Wir können es uns zu Hause gemütlich machen.
Aber der Herbst kann auch auf die Stimmung drücken. Das passiert besonders dann, wenn wir sehen, was gerade in der Welt geschieht.
In meiner Arbeit mit Jugendlichen erlebe ich oft einen starken Gegensatz dazu.
Viele junge Menschen haben viel Energie. Sie haben viele Ideen. Sie sind schnell begeistert.
Sie erinnern mich an eine Wunder-Kerze. Eine Wunder-Kerze sprüht viele helle Funken. Sie leuchtet und bewegt sich dabei ständig.
Auch junge Menschen bringen oft viel Bewegung in unser Leben. Sie trauen sich, neue Dinge auszuprobieren. Sie denken mutig über neue Möglichkeiten nach.
Sie glauben daran, dass sich etwas verändern kann. Diese Hoffnung kann auch andere Menschen begeistern und ihnen Mut machen.
Aber eine Wunder-Kerze brennt schnell ab. Manchmal geht sie auch aus, wenn der Wind zu stark ist.
So geht es manchmal auch uns Menschen. Wir verlieren unseren Mut. Wir haben keine Kraft mehr. Dann brauchen wir Unterstützung.
Deshalb ist es gut, wenn junge und ältere Menschen miteinander sprechen und Zeit miteinander verbringen.
Wenn ich mit älteren Menschen ins Gespräch komme, erlebe ich oft etwas anderes.
Ältere Menschen erinnern mich an eine gute Laterne. Eine solche Laterne kann auch bei starkem Wind Licht geben. Oder sie erinnern mich an eine Glut. Eine Glut kann lange Wärme geben.
Dieses Licht ist ruhig und verlässlich. Viele ältere Menschen haben schon viel erlebt. Sie wissen aus eigener Erfahrung: Auch nach einem langen Winter kommt wieder ein Frühling.
Junge und ältere Menschen helfen sich
Stellen Sie sich vor: Wir bringen diese beiden Arten von Licht öfter zusammen.
Junge Menschen haben neue Ideen. Sie bringen Mut und Energie mit. Sie probieren Dinge aus und bringen Neues in Bewegung.
Ältere Menschen haben viel Lebenserfahrung. Sie können anderen Menschen Halt geben. Sie können helfen, wenn etwas schwierig wird. Und sie können Ruhe vermitteln, wenn es hektisch wird.
So können junge und ältere Menschen einander helfen.
Allein können wir manchmal nur wenig erreichen. Gemeinsam können wir viel bewirken. Gemeinsam können wir das Leben für andere Menschen heller machen.
In der Bibel sagt Jesus:
„Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5,14).
Jesus sagt nicht: Jeder Mensch muss allein für Licht sorgen.
Wir können füreinander da sein. Wir können anderen Menschen zeigen: Du bist mir wichtig.
Dafür müssen wir nichts Besonderes tun.
Wir können uns für andere Menschen interessieren. Wir können ihnen zuhören. Wir können Zeit mit ihnen verbringen.
So können wir anderen Menschen Mut machen. Wir können ihnen helfen, wenn es ihnen nicht gut geht. Wir können ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind.
Dann werden wir füreinander zu Menschen, die Licht und Hoffnung weitergeben.
Was können Sie diese Woche tun?
Vielleicht haben Sie Lust auf eine kleine Aufgabe für diese Woche.
Überlegen Sie:
- Wem können Sie heute mit Ihrer Begeisterung Mut machen?
- Wer braucht gerade Ruhe und Unterstützung?
- Wem können Sie helfen, einen guten Weg zu finden?
Vielleicht können Sie einem Menschen mit Ihrer Energie helfen. Vielleicht braucht ein anderer Mensch gerade Ihre Ruhe und Ihre Erfahrung.
Jeder Mensch kann etwas geben. Und jeder Mensch kann Hilfe brauchen.
Gemeinsam können wir einander stärken und Hoffnung geben.
Kommen Sie gut durch diesen Herbst. Bleiben Sie behütet und bringen Sie Licht in das Leben anderer Menschen!
Dieser Text stand schon in der Neuen Westfälischen, 17. Oktober 2026
Of sparklers and lanterns
The days are getting noticeably shorter. When I lock up after a youth group in the evening and drive home, it is often already pitch-dark. Autumn certainly has its cosy side, but at times it can also get you down, particularly when you look at what is happening in the world around us.
In my everyday work as a church youth worker, I often experience a real contrast to this. Young people have a light of their own within them. They often remind me of a sparkler: wonderfully exuberant, full of energy, fizzing with ideas and enthusiasm. They dare to think about things in new ways, boldly and without hesitation. Their hope is incredibly contagious.
But a sparkler burns out quickly, of course, and can go out altogether when the wind blows too much. And this is precisely where something really powerful happens when we look beyond the boundaries of our own generation. When I get talking to older people here in our community, I see a very different kind of light. It is more like a good storm lantern or a dependable bed of glowing embers: steady, warming, and carrying the deep tranquillity that comes from years of life experience. The knowledge that, even after the longest winter, spring will come again.
Just imagine if we brought these two kinds of light together more often in our everyday lives! Young people bring the spark, the courage, and the energy. Older people provide the framework, the shelter from the headwind, and the calm we need when things get hectic. As lone fighters, we may flicker briefly in the twilight. But as a team, we can light up the whole room.
“You are the light of the world” (Matthew 5:14), the Bible tells us. It very deliberately does not say: everyone must work out how to shine on their own. This is a real team effort! Taking a genuine interest in one another, taking the time to listen, simply sharing time together – these are the simple ways in which we can each become bearers of light for one another.
Perhaps you could take this little challenge with you into the coming week: Who could you inspire with your spark today? Or whose way could you help illuminate, right now, with the steady light of your lantern?
May you journey safely through this autumn, held in God's care and carrying your own light!
Published first in the Neue Westfälische, 17 October 2026
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