15/06/2026 0 Kommentare
Es ist WM, wenn...
Es ist WM, wenn...
# Andacht

Es ist WM, wenn...
In einfacher Sprache
Auf ein Wort mit Uwe Rosner
Es gibt einen Werbe-Satz für die Fußball-Weltmeisterschaft.
Der Satz sagt:
Fußball soll Menschen verbinden.
Menschen sollen sich freuen.
Menschen sollen sich als Gemeinschaft fühlen.
Das finde ich gut.
Wenn das gelingt, dann wird die Weltmeisterschaft ein schönes Fest.
Dann ist es nicht so wichtig, wie die deutsche Mannschaft spielt.
Aber oft sieht die Wirklichkeit anders aus.
Statt Verbindung gibt es Trennung.
Statt Gemeinschaft gibt es Ausgrenzung.
Manche Fans dürfen nicht einreisen.
Andere Menschen haben Angst zu reisen.
Viele sorgen sich, dass sie nicht willkommen sind.
Das ist traurig.
Solche Probleme gibt es nicht nur im Fußball.
Es gibt sie auch in unserer Gesellschaft.
Menschen grenzen andere Menschen aus.
Menschen denken manchmal:
Ich bin wichtiger als andere.
Aber wollen wir so zusammenleben?
Der Sonntag erinnert an eine andere Idee.
Bei Gott sind alle Menschen willkommen.
An Gottes Tisch ist Platz für alle.
Es ist nicht wichtig, wie alt ein Mensch ist.
Es ist nicht wichtig, aus welchem Land ein Mensch kommt.
Es ist nicht wichtig, wie viel Geld ein Mensch hat.
Niemand wird ausgeschlossen.
Gottes Gemeinschaft ist bunt.
Viele verschiedene Menschen gehören dazu.
Darum gefällt mir ein anderer Werbe-Satz besser:
Es ist WM, wenn aus fremden Menschen Nachbarn und Freunde werden.
So lautet der Titel der WM-Kampagne des DFB. Und im weiteren Text heißt es dann: Die Kampagne stärkt Identifikation, Emotion und eine Verbindung, die über den Spielort hinausgeht.
Ich fände es wunderbar, wenn das wirklich stimmen würde. Denn dann würde es auf jeden Fall eine großartige WM, ganz egal, wie die deutsche Nationalmannschaft letztlich abschneidet.
Aber leider ist die Realität eine ganz andere. Statt Verbindung und Gemeinschaft steht an vielen Stellen das Trennende im Mittelpunkt. Ich persönlich fand das schon bei den letzten beiden Turnieren in Russland und Katar problematisch. Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es noch viel schlimmer geht. Fans wird die Einreise verwehrt, ein Schiedsrichter muss trotz Visum zurück in seine Heimat.
Unzählige Menschen verzichten auf Stadionbesuche aus Furcht vor den amerikanischen Abschiebebehörden. Und ein Staatsoberhaupt setzt sich in Szene, wie niemand sonst vor ihm.
Trennung, Abgrenzung, Ausgrenzung bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung. Nicht nur in den USA, sondern all diese Dinge finden sich leider in zunehmendem Maße auch bei uns. Nicht nur im Fußball, sondern an fast allen Orten in der Gesellschaft. Ist das wirklich das, was wir wollen?
Der morgige Sonntag trägt die Kernaussage, dass an Gottes Tisch Platz für alle ist. Niemand ist ausgeschlossen. Alter, Herkunft, sozialer Stand – egal. Eine bunte, gemischte wachsende Gemeinschaft.
Der Werbeslogan sollte darum heißen:
„Es ist WM, wenn aus Fremdlingen Hausgenossen werden.“
Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 13. Juni 2026
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