Jesajas Trostbuch

Jesajas Trostbuch

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# Andacht

Jesajas Trostbuch
    

Alles beginnt mit dem Trost!. „Tröstet! Redet freundlich miteinander!“ Dazu ruft der Prophet Jesaja seine Leser auf am Beginn seines zweiten Buchteils, den man einfach „Trostbuch“ nennt (Jes 40-55).

Trost geschieht in Treue. Gott tröstet; denn er ist treu. Er gibt Mut und Zuversicht und die Fähigkeit, Trost zu geben. Das soll das Leben vor Gott und unter Menschen bestimmen und gestalten; denn diese Prägungen gehören zu den Grundlagen unseres Zusammenlebens. Ermutigt einander dazu. Hier ist Anfang und Mitte der Worte von Jesajas Trostbuch. Sie sind doch auch heute gültig, sinnvoll und notwendig - wohl mehr denn je! In diesen zunehmend rauen Zeiten rufen sie auf: Seid stark im Trösten und Ermutigen. – Und gewiss gilt das auch und besonders in diesen Tagen, wenn Arbeit und Schulzeit nach den Ferien wieder anfangen und für manchen Menschen auch eine neue Etappe des Lebens beginnt.

Zum Verständnis des historischen Hintergrundes des Jesaja-Textes in diesem Buch müssen wir uns deutlich machen: hier beginnt etwas Neues für das Volk Israel. Die babylonische Gefangenschaft hat ein Ende! Der große Trost ist Freiheit und Neubeginn. Israel soll frei werden von den Ketten des Exils in Babylon.

Diese Geschichte lese ich wie ein Gleichnis auf die menschliche Erfahrung von Gefangensein, Abhängigkeit und Unterdrückung, aus der Menschen herausgeführt werden in Freiheit, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung. Naja, sagen wir vielleicht: das betrifft uns ja so einfach nicht. Aber – stimmt das? – Was Gefangensein bedeuten kann, müssen doch viele Menschen hart und bitter erfahren. Viele leben doch in verhängnisvollen „Gefangenschaften“ ihrer eigenen Lebensgeschichte, oder unter fremden Zwängen ebenso wie unter den Bruchstellen ihrer Wege und Vorhaben, – auch in Schuld, unter ihren Ängsten und Nöten, wie sie mit dem Leben fertig werden könnten. Und: wie ist das mit den Konflikten, etwa im Zusammenleben von Alt und Jung, von Mann und Frau, von Großen und Kleinen, von Starken und Schwachen, von Reichen und Armen – wie ist es da, wenn Worte rasselnd niederprasseln wie Gefängnisjalousien, wenn Menschen andere Menschen zum eigenen Vorteil und zum Nachteil der anderen benutzen! – Da gilt dann das, was Trost und, Treue, Geduld und Ermutigung, auch umgesetzt in kritisch-konkrete Hilfe, bedeuten können, um Menschen aus Fehlentwicklungen, aber mit neuen Perspektiven heraus zu helfen. Hier gilt: Wir sollten gut „bei Trost sein“, Zuversicht und Mut haben und weitergeben.

Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 22. August 2026

   

Jesajas "Trostbuch"

„Tröstet! Redet freundlich miteinander!“

Dazu ruft der Prophet Jesaja auf.

Diese Worte stehen am Anfang des zweiten Teils seines Buches.

Diesen Teil nennt man auch „Trost-Buch“.

Es sind die Kapitel 40 bis 55.

Trost hat mit Treue zu tun.

Gott tröstet uns.

Denn Gott ist treu.

Gott gibt uns Mut und Zuversicht.

Und Gott gibt uns die Kraft, andere Menschen zu trösten.

Das soll unser Leben bestimmen.

Es soll unser Leben mit Gott bestimmen.

Und es soll unser Zusammen-Leben mit anderen Menschen bestimmen.

Darum sollen wir einander Mut machen.

Das ist eine wichtige Botschaft im Trost-Buch des Jesaja.

Diese Worte gelten auch heute.

Vielleicht sind sie heute sogar besonders wichtig.

Unsere Zeit wird immer rauer.

Darum sagen uns diese Worte:

Seid stark darin, andere Menschen zu trösten.

Macht einander Mut.

Das gilt besonders jetzt.

Die Ferien sind bald vorbei.

Die Arbeit beginnt wieder.

Die Schule beginnt wieder.

Für manche Menschen beginnt ein neuer Abschnitt im Leben.

Auch dafür brauchen Menschen Trost und Mut.

Um die Worte des Jesaja besser zu verstehen, müssen wir in die Geschichte schauen.

Damals begann etwas Neues für das Volk Israel.

Die Gefangenschaft in Babylon ging zu Ende.

Der große Trost war:

Israel bekommt seine Freiheit zurück.

Ein neuer Anfang wird möglich.

Die Menschen sollen frei werden.

Sie sollen nicht länger in Babylon gefangen sein.

Diese Geschichte kann auch ein Bild für unser Leben sein.

Menschen können sich gefangen fühlen.

Menschen können abhängig sein.

Menschen können unterdrückt werden.

Aber Menschen können wieder frei werden.

Sie können selbstständig werden.

Sie können wieder selbst über ihr Leben bestimmen.

Vielleicht denken wir jetzt:

Das hat mit uns doch nichts zu tun.

Aber stimmt das wirklich?

Viele Menschen wissen aus eigener Erfahrung, was Gefangenschaft bedeutet.

Manche Menschen fühlen sich durch ihre eigene Lebens-Geschichte gefangen.

Andere Menschen stehen unter dem Druck anderer.

Manche erleben immer wieder, dass etwas in ihrem Leben nicht gelingt.

Manche Menschen leiden unter Schuld.

Andere haben große Angst.

Manche wissen nicht, wie sie mit ihrem Leben weiterkommen sollen.

Auch zwischen Menschen gibt es solche Gefangenschaften.

Zum Beispiel zwischen alten und jungen Menschen.

Zwischen Männern und Frauen.

Zwischen großen und kleinen Menschen.

Zwischen starken und schwachen Menschen.

Zwischen reichen und armen Menschen.

Manchmal werden Worte zu Waffen.

Sie treffen andere Menschen immer wieder.

Manche Menschen benutzen andere Menschen.

Sie tun das, um selbst einen Vorteil zu haben.

Andere Menschen werden dadurch benachteiligt.

Dann brauchen Menschen Trost.

Sie brauchen Treue.

Sie brauchen Geduld.

Sie brauchen Ermutigung.

Manchmal brauchen sie auch ganz konkrete Hilfe.

So können Menschen aus schwierigen Situationen herauskommen.

Dann können neue Wege möglich werden.

Darum gilt:

  • Wir sollen guten Mutes sein.
  • Wir sollen Zuversicht haben.
  • Wir sollen diese Zuversicht weitergeben.
  • Wir sollen einander trösten.
  • Wir sollen einander Mut machen.

Dieser Text stand schon in der Neuen Westfälischen, 22. August 2026

Comfort ye, my people

"Comfort ye, my people!"

With these words, the prophet Isaiah addresses his readers at the beginning of the second part of his book, which is often simply called the ‘Book of Comfort’ (Isaiah 40 - 55).

Comfort is rooted in faith. God comforts us because he is faithful. He gives courage and hope, and he gives us the ability to offer comfort to others. This is meant to shape our lives before God and among one another, because these qualities belong to the foundations of how we live together. Encourage one another in them. This is where the message of Isaiah's Book of Comfort begins and where it finds its centre. Surely these words are still valid, meaningful and necessary today – perhaps more than ever. In these increasingly harsh times, they call us: Be strong in comforting and encouraging one another.

And surely this applies especially at this time, when work and school begin again after the holidays, and when a new stage of life begins for some people.

To understand the historical background of Isaiah's text in this book, we need to remember that something new is beginning for the people of Israel. The Babylonian Captivity is coming to an end. The great comfort is freedom and a new beginning. Israel is to be freed from the chains of exile in Babylon.

I read this story as a kind of parable of the human experience of captivity, dependence and oppression – experiences from which people can be led out into freedom, independence and the ability to shape their own lives.

Well, we might say: surely this does not really concern us. But is that true? Many people know all too painfully what it can mean to be trapped. Many live in the destructive ‘captivities’ of their own life stories, or under pressures imposed by others, as well as in the broken places of their own paths and plans. Some are trapped by guilt, by fear, or by the difficulties of finding their way through life.

And what about our conflicts – in relationships between old and young, between men and women, between those with power and those without, between the strong and the weak, between the rich and the poor? What happens when words come crashing down like the slats of prison blinds, shutting people in? What happens when people use other people for their own advantage and to the disadvantage of others?

Here, comfort and faithfulness, patience and encouragement can make a real difference. And so can practical, concrete help. Together, they can help people find their way out of destructive situations and towards new possibilities.

Here, then, is what matters: we should be people who have good courage, who carry hope within them and who pass that hope on to others.

Published first in the Neue Westfälische, 22 August 2026

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