27/05/2026 0 Kommentare
Niemals geht man so ganz
Niemals geht man so ganz
# Andacht

Niemals geht man so ganz
In einfacher Sprache
Auf ein Wort mit Gesina Prothmann
Wenn ich an meinen Vater denke,
erinnere ich mich an den Sommer.
Ich spüre den warmen Wind.
Und ich höre seine ruhige Stimme.
Ich lag in der Hänge-Matte.
Er hat mir vorgelesen.
Mein Vater ist tot.
Ich habe ihn sehr lange nicht gesehen.
So lange wie noch nie in meinem Leben.
Das war schwer für mich.
Aber ich habe gemerkt:
Mein Vater ist noch immer ein Teil meines Lebens.
Manchmal höre ich ihn in meiner eigenen Stimme.
Zum Beispiel,
wenn ich meinen Kindern vorlese.
Manchmal erkenne ich ihn auch in mir selbst.
Am Sonntag feiern wir Pfingsten.
Pfingsten ist ein christliches Fest.
An Pfingsten denken Menschen daran:
Was bleibt von Jesus,
nachdem er diese Welt verlassen hat?
Viele Worte von Jesus sind wichtig geblieben.
Zum Beispiel:
„Lasst die Kinder zu mir kommen.“
Und:
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
Diese Worte zeigen:
Gott vergibt.
Jeder Mensch ist wichtig.
Liebe ist das Wichtigste.
Jesus hat die Welt verlassen.
Aber der Heilige Geist ist bei den Menschen.
Er erinnert uns an Jesus.
Und er verbindet Menschen miteinander.
Vielleicht ist der Heilige Geist auch im Wind,
wenn ich in der Hängematte liege.
Und in der Liebe,
die ich geben darf
und die ich bekomme.
Amen.
Wenn ich an meinen Vater denke, dann spüre ich den frischen Sommerwind in meinem Gesicht und höre seine warme, ruhige Stimme, die mir im Hin und Her der Hängematte vorliest.
Mein Vater ist tot.
„Niemals geht man so ganz.“ „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn sich niemand mehr an ihn erinnert“.
Ja, mein Vater ist nicht mehr auf dieser Welt. Nie habe ich ihn in meinem Leben so lange nicht gesehen. Ganz egal wo ich auf dieser Welt auch war. Meine Seele hatte es irgendwie begreifen müssen: Es ist ein Abschied für länger. Aber auch, je länger mein Vater tot war, desto mehr war er zu einem Teil meines alltäglichen Lebens geworden. Ich fing an, ihn in meiner eigenen Stimme zu hören, wenn ich abends meinen Kindern vorlas. Auch fand ich ihn in meinem Ärger über mich selbst, Dinge schnell erledigen zu wollen, damit sie nicht mehr drücken und ich fand ihn in meiner bedingungslosen Liebe meiner Familie gegenüber.
Am Sonntag feiern wir Pfingsten. Ein Feiertag, der sich mit der Frage befasst: Was bleibt, wenn Gottes Sohn stirbt und diese Welt verlassen hat. Was ist sein Erbe für uns, die wir hier noch unsere Lebenszeit verbringen?
„Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“, „Der Sabbat ist für den Menschen gemacht!“, „Lasst die Kinder zu mir kommen!“, „Der Geringste unter euch sei der Größte!“, „Liebt euren Nächsten wie euch selbst!“ Diese Worte von Jesus habe ich im Ohr, wenn ich an das, was ich von ihm gehört und gelesen habe denke. Sie geben für mich am meisten von dem wieder wie er wohl gewesen sein mag und was seine Message an uns war: Gott verzeiht. Vor Gott zählt jeder und jede und auf die Liebe kommt es an. Immer wieder neu auch wenn sie manchmal verloren gegangen zu sein scheint.
Jesus hat diese Welt verlassen, aber er hat uns auch seinen Heiligen Geist zurückgelassen. Er ist in einem jeden und einer jeden von uns. Er hält die Erinnerung an Jesu Worte wach und er verbindet uns untereinander und vielleicht ist er auch im Wind, wenn ich in meiner Hängematte liege und in der Liebe, die ich geben und auch heute noch empfangen darf. Amen.
Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 23. Mai 2026
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