22/06/2026 0 Kommentare
Zu kurz kommen
Zu kurz kommen
# Andacht

Zu kurz kommen
In einfacher Sprache
Auf ein Wort mit Petra Ottensmeyer
Viele Menschen kennen dieses Gefühl:
Ich komme zu kurz.
Im Beruf wird jemand anderes befördert.
In der Familie bekommt ein Bruder oder eine Schwester mehr Aufmerksamkeit.
Im Freundeskreis fühlt man sich manchmal übersehen.
Auch in der Bibel gibt es eine Geschichte über dieses Gefühl.
Die Geschichte erzählt von einem Vater und seinen zwei Söhnen.
Der jüngere Sohn möchte weggehen.
Er lässt sich sein Erbe auszahlen.
Dann verlässt er sein Zuhause.
Er gibt sein Geld aus.
Am Ende hat er nichts mehr.
Darum kehrt er zurück.
Sein Vater freut sich sehr.
Er nimmt seinen Sohn in die Arme.
Er macht ihm keine Vorwürfe.
Stattdessen feiert er ein großes Fest.
Der ältere Sohn versteht das nicht.
Er ist immer zu Hause geblieben.
Er hat seinem Vater geholfen.
Er hat Verantwortung übernommen.
Er war viele Jahre zuverlässig.
Aber ein großes Fest hat er nie bekommen.
Darum wird er wütend.
Viele Menschen können das verstehen.
Der Vater sagt zu ihm:
„Mein Sohn, du bist immer bei mir.
Alles, was mir gehört, gehört auch dir.“
Das ist eine wichtige Botschaft.
Viele Menschen vergleichen sich mit anderen.
Sie schauen:
Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit?
Wer bekommt mehr Anerkennung?
Wer hat mehr Glück?
Dann entsteht leicht das Gefühl:
Ich bekomme zu wenig.
Aber Menschen sind verschieden.
Jeder Mensch braucht etwas anderes.
Gott rechnet nicht aus, wer mehr bekommt.
Gott sorgt für alle Menschen.
Gott weiß, was jeder Mensch braucht.
Liebe wird nicht weniger, wenn ein anderer Mensch Liebe bekommt.
Gottes Liebe reicht für alle.
Wer sich von Gott gesehen weiß, kann entdecken:
Auch ich bin beschenkt.
Mit Gottes Liebe.
Mit Gottes Nähe.
Und mit Menschen, die mich begleiten.
Das Gefühl, zu kurz zu kommen, kennt wohl fast jeder. Im Beruf werden andere befördert. In der Familie bekommt die jüngere Schwester mehr Aufmerksamkeit. Im Freundeskreis scheint man selbst manchmal übersehen zu werden.
Auch in der Bibel begegnet uns ein Mensch, der genau diese Angst hat. Da wird von einem Vater und seinen beiden Söhnen erzählt. Der eine will von zu Hause weg. Er lässt sich sein Erbe auszahlen, verlässt das Elternhaus und gibt das Geld mit vollen Händen aus. Völlig mittellos kommt er zurück, und der Vater nimmt ihn mit offenen Armen wieder bei sich auf. Ohne Fragen, ohne Vorwürfe. Der Vater freut sich, dass sein verlorener Sohn wieder zurück ist – alles andere ist in diesem Moment zweitrangig. Er richtet ein großes Fest aus. Der ältere Sohn kann das nicht verstehen. Er ist geblieben, hat mitgearbeitet und Verantwortung übernommen. Jahrelang war er zuverlässig an der Seite seines Vaters. Ein großes Fest, wie sein jüngerer Bruder, hat er nie bekommen.
Ich kann seinen Ärger gut nachvollziehen. Wer hätte nicht ähnliche Gedanken?
Doch der Vater erinnert ihn an etwas Wichtiges: „Mein Sohn, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.“
Vielleicht liegt darin eine wichtige Erkenntnis für unseren Alltag. Wie oft vergleichen wir uns mit anderen und schauen darauf, wer mehr Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Glück bekommt. Vielleicht aber geht es im Leben gar nicht um das exakte Aufwiegen. Menschen sind unterschiedlich und brauchen Unterschiedliches.
Wer sich ständig vergleicht, wird leicht das Gefühl haben, zu kurz zu kommen. Aber Gott ist keiner, der aufwiegt. Sondern er ist einer, der sich um alle sorgt und weiß, was wir brauchen.
Liebe ist kein begrenztes Gut. Wenn eine andere beschenkt wird, nimmt uns das nichts weg. Wer sich von Gott gesehen weiß, entdeckt oft neu, wie reich er oder sie selbst beschenkt ist: mit seiner Nähe, seiner Liebe und mit Menschen, die das Leben mittragen.
Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 20. Juni 2026
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