15/06/2026 0 Kommentare
Sieh Dich um!
Sieh Dich um!
# Andacht

Sieh Dich um!
In einfacher Sprache
Wort zum Sonntag von Karin Tasche
In der letzten Woche
war ich in einem Museum
in der Stadt Lissabon.
Das Museum heißt Maat.
Am Anfang der Ausstellung
hing ein Laut-Sprecher von der Decke.
Aus dem Laut-Sprecher kamen immer wieder die gleichen Sätze:
- "Du bist so schön"
- "Sieh dich um."
Die Sätze wiederholten sich immer wieder.
Die Künstlerin Luisa Cunha hat dieses Kunst-Werk gemacht.
Zuerst blieb ich stehen.
Ich sah mich um.
Ich freute mich über die Worte:
„Du bist so schön.“
Es tut gut,
so etwas zu hören.
Und ich fand die Aufforderung schön:
„Sieh dich um.“
Schau die Menschen an.
Schau die Welt an.
Doch später störten mich die Sätze.
Ich dachte:
Woher weißt du das?
Du kennst mich doch gar nicht.
Du weißt nicht,
wer ich bin.
Du weißt nicht,
was mich freut
oder was mir Angst macht.
Die Worte brachten mich zum Nach-Denken.
Wie sehe ich mich selbst?
Finde ich mich schön?
Nicht nur von außen.
Auch von innen.
Welche Menschen sind um mich herum?
Was ist mir wichtig?
Auf welche Stimmen höre ich?
Welchen Worten glaube ich?
In der Bibel sagt Jesus:
„Kommt zu mir, ihr Menschen, die müde seid und schwere Lasten tragt. Ich werde euch Ruhe geben.“
Ruhe bekommen.
Das tut gut.
Ausruhen.
Aufatmen.
Neue Kraft bekommen.
Jesus lädt Menschen ein, ihm zu vertrauen.
Er möchte mit uns verbunden sein.
Manchmal spüre ich seine Nähe.
Zum Beispiel:
In einem guten Gedanken.
In einem Lied, das mich berührt.
In einer guten Gemeinschaft.
Oder wenn die Sonne am Abend untergeht.
Dann wird es ruhig in mir.
Dann denke ich:
Jesus sieht mich.
Jesus meint es gut mit mir.
Und Jesus sagt:
Schau hin.
Sieh die Menschen.
Sieh die Welt.
Lerne, mit meinen Augen zu sehen.
Lerne, mit meinen Ohren zu hören.
In der vergangenen Woche war ich im Maat, einem Museum in Lissabon. Am Anfang der Ausstellung baumelte hoch über meinem Kopf ein Lautsprecher. Zwei Sätze waren zu hören: „You are so beautiful! Turn around.“ „Du bist so schön!“ – dies wurde dreimal wiederholt, dann „Sieh dich um.“ Und die Sätze erklangen erneut. Immer wieder. Es handelte sich um eine Klanginstallation der portugiesischen Künstlerin Luisa Cunha, sie ist auf ihrer Homepage nachzuhören.
Zunächst bin ich stehen geblieben, habe mich umgesehen. Habe versucht zu entdecken, woher diese Stimme kommt, und mich gefreut. „Du bist so schön.“ Schönheit, innere und äußere. Wunderbar, dass mir jemand meine Schönheit bestätigt. Dann die Aufforderung, auch die anderen anzusehen, die Umgebung wahrnehmen, mich drehen, zuwenden. Das gefiel mir.
Die Sätze aus dem Lautsprecher waren die ganze Ausstellung über zu hören. „You are so beautiful!“ Es begann, mich zu nerven. Ich weiß es jetzt! Du siehst mich doch gar nicht – war plötzlich in meinen Gedanken. Du kennst mich nicht, weißt nicht, wer ich bin, was mich umtreibt, erfreut, ängstigt.
Die Sätze gingen tiefer, beschäftigten mich. Wie sehe ich mich eigentlich selbst an? Finde ich mich schön? Äußerlich? Innerlich? Hat das etwas mit meiner Umgebung zu tun, mit den Menschen, der Natur, meiner Arbeit, mit dem, was mir begegnet?
Jemand sieht mich, gibt mir damit „Ansehen“, ein gutes Gefühl. Doch ist das immer ein gutes Gefühl? Und ist es das, worauf ich mich ausrichten, mich stützen möchte?
Auf welche Stimme(n) höre ich eigentlich, welcher davon traue ich? Welchen Sätzen gebe ich in meinen Gedanken Raum?
Jesus sagt: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.“ (Mt. 11,28)
Ruhe geschenkt bekommen – wie schön! Ausruhen, Freude empfinden, Linderung, Entlastung erfahren.
Ein schöner Gedanke, aber wie soll das gehen? „Lasst mich doch der Chef in eurem Leben sein!“, so wird Jesus zitiert. (Mt. 11,29 Volxbibel)
„Kommt zu mir“ – Jesus wirbt um unser Vertrauen. Er wünscht sich, mit uns in Kontakt zu sein. Manchmal höre ich seine „Stimme“: in einem wohltuenden Gedanken, einer Musik, die mir nahe geht, in gelingender Gemeinschaft oder in dem Moment, wo die Sonne orangerot hinter den Bäumen untergeht.
Dann ist sie da, die Ruhe, die er versprochen hat. Ich darf in seiner Nähe sein. Staunend, genießend. Schau hin, „look around“, scheint er mir zu sagen. Ich beschenke dich, ich sehe dich an, „you are so beautiful“. Lerne von mir. Lerne, mit meinen Augen zu sehen, mit meinen Ohren zu hören.
Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 13. Juni 2026
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