07/09/2026 0 Kommentare
Nur ein Strich
Nur ein Strich
# Andacht

Nur ein Strich
Lebe, Liebe, Lache
So steht es auf einem Kalender auf meinem Schreibtisch. Die Buchstaben sind großgeschrieben. Mir fällt auf, dass zwischen LEBE und LIEBE nur ein gerader Strich den Unterschied macht. Der Buchstabe I ändert alles.
Wenn ich aus meinem Fenster schaue und die Sonne von einem blauen Himmel scheint, der Wind mit den Blättern am Baum spielt, kommt mir das gar nicht so schwierig vor, diesen kleinen Strich in meinem Leben zu entdecken.
Doch dann schiebt sich eine Wolke ins Bild. Woher kommt die denn so schnell?! Plötzlich fehlt das Strahlen. Alles wirkt dunkler, grauer. Der Blick nach oben, in die Weite des Himmels, ist verstellt.
Mir fällt eine Liedzeile von Jan Primke und Jürgen Werth ein: „Der Blick geht nach oben, die Sehnsucht erwacht. Ich fang an zu loben, zum Tag wird die Nacht.“ Die Sehnsucht erwacht. Die beiden singen davon, dass alles heller wird, als sie anfangen zu loben. Das ist in unserer Gesellschaft nicht so verbreitet, denke ich. Schimpfen und Klagen nimmt deutlich mehr Raum ein als Loben.
Ich denke an ein Telefonat. Mit der Dame am anderen Ende der Leitung saß ich noch vor kurzem nach einem schönen Urlaubstag am Lagerfeuer. Wir sangen Lieder und genossen den Abend. Nun erfahre ich, dass es ihr gesundheitlich plötzlich so schlecht geht, dass sie aus ihrer Wohnung ins Pflegeheim umziehen wird.
Eine dicke, graue Wolke erscheint. Unerwartet. Und was höre ich am Telefon? Klagen, Schimpfen? Nein, wir sprechen über das Schöne, das sie erlebt hat. Über Kinder und Enkel, die für sie da sind.
Im Sommer haben wir ein Familienkonzert gefeiert: „Hoffnung kommt von Hüpfen“. Ein besonderer Titel, der Künstler erklärte dieses Phänomen sogar körperlich. Vielleicht ist es auch bei LEBE, LIEBE, LACHE so. Vielleicht hilft das Lachen, das Leben mit Liebe zu füllen. Ganz sicher bin ich beim Loben. Loben macht das Leben hell. Jan Primke und Jürgen Werth singen: „Ich seh deinen Himmel, die Seele wird weit. Und Herz und Gedanken sind für dich bereit.“
Ich denke, das macht den Unterschied. Mich bereit machen, Gott einladen. Seiner Sehnsucht nach mir Raum geben und mich von ihm mit Hoffnung beschenken lassen. Lasst uns singen, hüpfen oder lachen, den Blick nach oben richten, an den Strich in dem Wort LIEBE denken – die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und mir. Amen.
Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 5. September 2026
Lebe, Liebe, Lache
Das steht auf einem Kalender auf meinem Schreibtisch. Die Wörter sind in großen Buchstaben geschrieben.
Mir fällt etwas auf: Die Wörter LEBE und LIEBE unterscheiden sich nur durch einen Strich.
Es ist der Buchstabe I. Dieser eine Buchstabe verändert alles.
Ich schaue aus meinem Fenster. Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Der Wind bewegt die Blätter am Baum. Da denke ich: So schwer kann es doch nicht sein, diesen kleinen Strich in meinem Leben zu entdecken.
Doch dann kommt eine Wolke. Woher kommt sie so schnell?
Plötzlich ist das Strahlen verschwunden. Alles wirkt dunkler und grauer. Ich kann nicht mehr so weit in den Himmel schauen.
Ich muss an ein Lied von Jan Primke und Jürgen Werth denken:
„Der Blick geht nach oben, die Sehnsucht erwacht. Ich fang an zu loben, zum Tag wird die Nacht.“
Die Sehnsucht erwacht.
Die beiden singen davon, dass alles heller wird, als sie anfangen zu loben.
Ich glaube: Das Loben ist in unserer Gesellschaft nicht sehr verbreitet. Wir schimpfen und klagen viel. Wir loben viel weniger.
Ich denke an ein Telefonat.
Vor kurzer Zeit saß ich mit der Frau am anderen Ende der Leitung noch an einem Lagerfeuer. Wir hatten einen schönen Urlaubstag. Wir sangen Lieder. Wir genossen den Abend.
Nun erfahre ich: Ihr geht es plötzlich gesundheitlich sehr schlecht. Sie muss aus ihrer Wohnung in ein Pflegeheim ziehen.
Eine dicke, graue Wolke ist da. Ganz unerwartet.
Und was höre ich am Telefon?
Klagen? Schimpfen?
Nein.
Wir sprechen über das Schöne, das sie erlebt hat. Wir sprechen über ihre Kinder und Enkel. Sie sind für sie da.
Im Sommer haben wir ein Familien-Konzert gefeiert. Es hieß: „Hoffnung kommt von Hüpfen“.
Das ist ein besonderer Titel. Der Künstler hat sogar mit seinem Körper erklärt, was damit gemeint ist.
Vielleicht ist es bei LEBE, LIEBE, LACHE ähnlich.
Vielleicht hilft das Lachen dabei, das Leben mit Liebe zu füllen.
Beim Loben bin ich ganz sicher:
Loben macht das Leben hell.
Jan Primke und Jürgen Werth singen:
„Ich seh deinen Himmel, die Seele wird weit. Und Herz und Gedanken sind für dich bereit.“
Ich glaube, genau das macht den Unterschied.
Ich kann mich bereit machen. Ich kann Gott einladen.
Ich kann seiner Sehnsucht nach mir Raum geben.
Und ich kann mich von Gott mit Hoffnung beschenken lassen.
Lasst uns singen. Lasst uns hüpfen. Lasst uns lachen.
Lasst uns den Blick nach oben richten.
Und lasst uns an den kleinen Strich im Wort LIEBE denken.
Dieser Strich verbindet Himmel und Erde.
Er verbindet Gott und mich.
Dieser Text stand schon im Westfalen-Blatt, 5. September 2026
Live, Love, Laugh
That is what it says on a calendar on my desk. The letters are written in capitals. Something catches my eye: between LIVE and LOVE, the only difference is the straight line I and the round O. And that one little change to one line - it changes everything.
When I look out of my window and see the sun shining from a blue sky, the wind playing with the leaves on the tree, it does not seem all that difficult to find that little change in my life.
And then a cloud drifts into the picture. Where did that come from so quickly?! Suddenly, the brightness is gone. Everything seems darker, greyer. The view upwards, into the vastness of the sky, is obscured.
I think of a line from a song by Jan Primke and Jürgen Werth:
“The gaze turns upwards, longing awakens. I begin to praise, and night becomes day.”
Longing awakens.
The two singers speak of everything becoming brighter when they begin to praise. That is not something we see all that often in our society, I think. Grumbling and complaining take up considerably more space than praise.
I think of a telephone conversation. Not long ago, I was sitting around a campfire after a beautiful day on holiday with the woman at the other end of the line. We sang songs and enjoyed the evening. Now I learn that her health has suddenly deteriorated so badly that she will have to move into a care home.
A thick, grey cloud appears. Unexpectedly.
And what do I hear on the telephone? Complaining, grumbling?
No.
We talk about the beautiful things she has experienced. About her children and grandchildren, who are there for her.
In the summer, we celebrated a family concert called “Hope Comes from Hopping”. An unusual title, and the artist even explained the phenomenon physically.
Perhaps it is the same with LIVE, LOVE, LAUGH. Perhaps laughter helps to fill life with love.
When it comes to praise, I am quite certain. Praise makes life bright.
Jan Primke and Jürgen Werth sing:
“I see your heaven, my soul grows wide. And heart and thoughts are ready for you.”
I think that is what makes the difference.
To make myself ready. To invite God in. To make room for his longing for me, and to allow him to fill me with hope.
Let us sing, hop, and laugh. Let us lift our eyes upwards. Let us think of the little change in one line that creates the word LOVE – the connection between heaven and earth, between God and me.
Published first in the Westfalen-Blatt, 15 August 2026
Kommentare