Nach Himmelfahrt

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# Andacht

Nach Himmelfahrt

Wie geht das – erwachsen werden im Glauben? Die Freunde und Freundinnen Jesu lernen das. Am Himmelfahrtstag hat er sich verabschiedet. Die, die zurückbleiben, spüren: Jetzt werden sie endgültig von Hörenden zu Handelnden. Nicht, dass sie das nicht schon vorher gewesen wären. Aber jetzt ist er nicht mehr da. Jesus, den sie vorschicken konnten, wenn es schwierig wurde. Und der Geist, den er so vollmundig angekündigt hat, lässt auf sich warten.

Wie geht das – erwachsen werden im Glauben? Ich erinnere mich an Tage im Sommer '87. Claudia, Barbara und ich. Das Abi lag hinter uns. Im Oktober sollte das Studium beginnen. Zwischenzeit. Wir hatten schon so viel von Taizé gehört, dieser geistlichen Gemeinschaft, die Menschen aus aller Welt willkommen heißt. Nun machten wir uns selbst auf den Weg in Richtung Burgund – in Claudias klappriger Ente.

Manche denken, Taizé bedeutet, von morgens bis abends zu singen und zu beten. Gewissermaßen ist das auch so. Aber es ist ein geerdetes Beten. Neben den Zeiten, in denen Gottesdienste gefeiert werden, Gelegenheit ist zum Austausch über Bibelstellen und Glaubensfragen, freien Zeiten, gibt es feste Aufgaben, die allen zugeteilt sind. Gemüse schnippeln, Kakao einschenken, Toiletten und Waschräume putzen. Plätze fegen. Aufräumen. Bete und arbeite. Ora et labora. Das alles in der Weite und Vielfalt ökumenischer Gemeinschaft. Noch heute, wenn ich „Laudate omnes gentes“ singe, scheint in den Tönen das Bild dieses Versprechens auf, "dass alle eins seien…". Wir kamen berührt zurück. In einer besonderen Form verbunden, das miteinander erlebt zu haben.

Gut, dass es solche Orte wie Taizé gibt. Fern und nah. Orte, die Menschen, die gerade erwachsen werden, davon erzählen, wie sie ihren Platz finden – im Leben, im eigenen und verbundenen Glauben, begleitet von Segen. Miteinander. Orte, die die Sehnsucht stärken, damit nicht nur wochenweise verbunden zu sein, sondern sie im Alltag zu finden. Die uns ermutigen, lebendiges Widerwort zu werden gegen Zwangsläufigkeiten.

Es macht einen Unterschied, was du hoffst, denkst und tust. Gut, dass Jesus den Gottesgeist ankündigt. Der Pfingsten kommen soll. Der uns hilft. Erwachsen zu werden im Glauben – und Formen zu suchen und zu finden, die auf Gott, der uns liebevoll anschaut, antworten. Ganz herzlich verbunden!

Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 16. Mai 2026

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