17/08/2026 0 Kommentare
Bei Gott ist jeder willkommen
Bei Gott ist jeder willkommen
# Andacht

Bei Gott ist jeder willkommen
Menschen beurteilen, urteilen und verurteilen andere Menschen. Bei Gott ist das anders. Er sagt: „Du bist mir lieb und wert so wie du bist.“
Im Lukasevangelium erzählt Jesus von zwei Menschen, die zum Beten in den Tempel gehen: ein Pharisäer und ein Zöllner. Der Pharisäer ist ein frommer und engagierter Mensch. Er betet, fastet und spendet. Er nimmt seinen Glauben ernst. Doch in seinem Gebet beginnt er, sich mit anderen zu vergleichen: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute oder auch wie dieser Zöllner.“ Der Zöllner hat nichts vorzuweisen. Er weiß, dass in seinem Leben nicht alles gelungen ist. Er bittet Gott schlicht: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Jesus macht deutlich: Nicht die eigenen Leistungen machen einen Menschen vor Gott wertvoll. Entscheidend ist, dass ein Mensch ehrlich vor Gott kommt. Das bedeutet nicht, dass unsere Fähigkeiten und Talente unwichtig sind. Im Gegenteil: Gott hat jedem Menschen Gaben geschenkt. Der eine kann gut lesen, die andere gut musizieren, jemand kann gut zuhören, organisieren, handwerklich arbeiten oder andere ermutigen. Jeder Mensch kann etwas. Und jeder Mensch wird gebraucht. Aber niemand ist deshalb mehr wert als ein anderer.
Wir leben in einer Welt, in der ständig verglichen wird: Wer ist erfolgreicher? Wer kann mehr? Wer ist schneller, klüger oder leistungsfähiger? Solche Vergleiche können dazu führen, dass Menschen auf andere herabschauen – oder sich selbst für weniger wertvoll halten. Jesus setzt dem entgegen: Vor Gott sind Menschen nicht gleich in ihren Fähigkeiten und Aufgaben. Aber sie sind alle gleich in ihrer Würde. Gleich in Gottes Liebe. Gleich in seiner Annahme.
Deshalb kann jeder Mensch mit dem eigenen Leben zu Gott kommen: mit den Stärken und Schwächen, mit den gelungenen und den misslungenen Dingen, mit Sorgen, Schuld und dem, was belastet.
Vielleicht ist genau das eine Einladung für heute: etwas von dem, was schwer auf uns liegt, vor Gott zu bringen. Nicht alles muss allein getragen werden. Gott sieht, was uns bewegt, und er schenkt Kraft für einen neuen Anfang. Er sagt: „Komm mit deinem ganzen Leben.“ Denn bei Gott ist jeder Mensch willkommen.
Amen.
Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 15. August 2026
Bei Gott ist jeder willkommen
Menschen beurteilen andere Menschen.
Sie urteilen über andere.
Manchmal verurteilen sie andere.
Bei Gott ist das anders.
Gott sagt:
„Du bist mir lieb und wert, so wie du bist.“
Im Lukas-Evangelium erzählt Jesus von zwei Menschen.
Beide gehen in den Tempel.
Beide wollen dort beten.
Der eine ist ein Pharisäer.
Der andere ist ein Zöllner.
Der Pharisäer ist ein frommer Mensch.
Er setzt sich für seinen Glauben ein.
Er betet.
Er fastet.
Und er spendet Geld.
Sein Glaube ist ihm wichtig.
Aber dann beginnt er, sich mit anderen Menschen zu vergleichen.
Er betet:
„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute oder auch wie dieser Zöllner.“
Der Zöllner hat nichts vorzuweisen.
Er weiß:
In meinem Leben ist nicht alles gut gelaufen.
Deshalb sagt er nur:
„Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Jesus macht deutlich:
Unsere Leistungen machen uns vor Gott nicht wertvoll.
Wichtig ist etwas anderes.
Wir dürfen ehrlich zu Gott kommen.
Das bedeutet nicht:
Unsere Fähigkeiten sind nicht wichtig.
Unsere Talente sind nicht wichtig.
Im Gegenteil:
Gott hat jedem Menschen besondere Gaben geschenkt.
Ein Mensch kann gut lesen.
Ein anderer Mensch kann gut musizieren.
Jemand kann gut zuhören.
Jemand kann gut organisieren.
Jemand kann gut mit den Händen arbeiten.
Jemand kann andere Menschen ermutigen.
Jeder Mensch kann etwas.
Und jeder Mensch wird gebraucht.
Aber deshalb ist niemand mehr wert als ein anderer Mensch.
Wir leben in einer Welt, in der Menschen ständig verglichen werden.
Wer ist erfolgreicher?
Wer kann mehr?
Wer ist schneller?
Wer ist klüger?
Wer kann mehr leisten?
Solche Vergleiche können gefährlich sein.
Manche Menschen schauen dann auf andere herab.
Andere Menschen fühlen sich selbst weniger wert.
Jesus zeigt uns einen anderen Weg.
Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten.
Menschen haben unterschiedliche Aufgaben.
Aber vor Gott sind alle Menschen gleich viel wert.
Alle Menschen haben die gleiche Würde.
Alle Menschen sind von Gott geliebt.
Gott nimmt alle Menschen an.
Deshalb kann jeder Mensch mit seinem ganzen Leben zu Gott kommen.
Mit seinen Stärken.
Mit seinen Schwächen.
Mit den Dingen, die gut gelungen sind.
Und mit den Dingen, die nicht gut gelungen sind.
Mit seinen Sorgen.
Mit seiner Schuld.
Und mit allem, was ihn belastet.
Vielleicht ist das eine Einladung für heute.
Wir können das, was schwer auf uns liegt, zu Gott bringen.
Wir müssen nicht alles allein tragen.
Gott sieht, was uns bewegt.
Gott kennt unser Leben.
Und Gott schenkt Kraft für einen neuen Anfang.
Gott sagt:
„Komm mit deinem ganzen Leben.“
Denn bei Gott ist jeder Mensch willkommen.
Amen.
Dieser Text stand schon in der Neuen Westfälischen, 15. August 2026
God welcomes us all
People assess one another. They judge one another, and sometimes they condemn one another. With God, it is different. He says: ‘You are precious and dear to me, just as you are.’
In Luke's Gospel, Jesus tells of two people who go to the Temple to pray: a Pharisee and a tax collector.
The Pharisee is a devout and committed person. He prays, fasts and gives to those in need. He takes his faith seriously. Yet in his prayer he begins to compare himself with others: ‘I thank you, God, that I am not like other people, or even like this tax collector.’ The tax collector has nothing to show for himself. He knows that not everything in his life has gone well. He simply asks God: ‘God, have mercy on me, a sinner.’
Jesus makes it clear: it is not our own achievements that make us valuable in God's eyes. What matters is that a person comes before God honestly.
This does not mean that our abilities and talents are unimportant. Quite the opposite: God has given gifts to every person. One person may be good at reading, another at making music; someone may be a good listener, another good at organising things, working with their hands or encouraging others. Everyone has something to offer. And everyone is needed. But no one is therefore worth more than anyone else.
We live in a world in which people are constantly compared with one another: Who is more successful? Who can do more? Who is faster, cleverer or more capable? Such comparisons can lead people to look down on others – or to regard themselves as less valuable.
Jesus sets something different against this. Before God, people are not equal in their abilities or in the tasks they have been given. But they are all equal in their dignity. Equal in God's love. Equal in his acceptance.
That is why every person can come before God with their whole life: with their strengths and weaknesses, with the things that have gone well and those that have gone wrong, with their worries, their guilt and everything that weighs upon them.
Perhaps that is precisely the invitation for today: to bring before God some of what weighs heavily upon us. We do not have to carry everything on our own. God sees what moves us, and he gives us strength for a new beginning. He says: ‘Come with your whole life.’
For with God, everyone is welcome.
Amen.
Published first in the Neue Westfälische, 15 August 2026
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