13/07/2026 0 Kommentare
Gemeinsam gehen oder allein?
Gemeinsam gehen oder allein?
# Andacht

Gemeinsam gehen oder allein?
In einfacher Sprache
Wort zum Sonntag von Renate Wefers
Es gibt ein Sprichwort aus Afrika.
Es heißt:
„Wer schnell gehen will, geht allein.
Wer weit kommen will, geht gemeinsam.“
Ich finde:
Das stimmt.
Manchmal gehe ich gern allein spazieren.
Dann kann ich selbst entscheiden:
Wie schnell ich gehe.
Wo ich stehen bleibe.
Worüber ich nachdenke.
Das tut gut.
Aber wenn etwas passiert, ist niemand da.
Zum Beispiel:
Wenn ich stürze oder Hilfe brauche.
Dann bin ich allein.
Auch Jesus war manchmal allein.
Er ging in die Wüste.
Oder auf einen Berg.
Dort betete er und sprach mit Gott.
Aber Jesus war nicht immer allein.
Meistens war er mit anderen Menschen unterwegs.
Männer und Frauen begleiteten ihn.
Später schickte Jesus sie immer zu zweit los.
Gemeinsam konnten sie anderen Menschen helfen.
Das Sprichwort gilt nicht nur für das Wandern.
Es gilt auch für unser Zusammenleben.
In der Kirche und in der Politik müssen oft Entscheidungen getroffen werden.
Viele Menschen wünschen sich:
Es soll schnell gehen.
Aber gute Entscheidungen brauchen Zeit.
Menschen müssen miteinander reden.
Sie müssen einander zuhören.
Manchmal müssen sie einen Kompromiss finden.
Das bedeutet:
Alle geben etwas nach.
So kann eine Lösung entstehen, mit der viele Menschen leben können.
Das ist nicht immer leicht.
Aber es ist wichtig.
Wenn viele Menschen mitdenken, entstehen oft bessere Ideen.
Mehr Menschen können die Entscheidung mittragen.
Darum gilt:
„Wer schnell gehen will, geht allein.
Wer weit kommen will, geht gemeinsam.“
Ich wünsche Ihnen:
Gottes Segen auf allen Ihren Wegen in diesem Sommer.
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„Wer schnell gehen will, geht allein. Wer weit kommen will, geht gemeinsam.“
So lautet ein afrikanisches Sprichwort, über das ich kürzlich beim Lesen gestolpert bin. Stimmt, dachte ich. Mir macht es auch Spaß, allein zu gehen, im eigenen Tempo, ohne auf andere Rücksicht nehmen zu müssen. Es ist schön, da anhalten und schauen zu könne, wo man das selber will. Es tut gut, dabei seine Gedanken zu ordnen oder seinen Ärger loszuwerden. Aber wenn du dir den Fuß verstauchst, wenn du Hilfe brauchst, dann bist du eben auch allein und musst dir selber helfen.
„Wer schnell gehen will, geht allein. Wer weit kommen will, geht gemeinsam.“ Wie war das bei Jesus, denke ich. Er hat immer wieder die Einsamkeit gesucht, in der Wüste oder auf einem Berg, um mit sich und seinem Gott allein zu sein. Aber wenn es darum ging, das Reich Gottes zu verkünden und Dinge daraufhin in Bewegung zu bringen, dann setzte Jesus auf Teamarbeit. Er war von Anfang an mit anderen Männern und Frauen unterwegs und schickte sie auch später immer zu zweit los.
„Wer schnell gehen will, geht allein, wer weit kommen will, geht gemeinsam.“ Damit ist natürlich nicht nur das Wandern gemeint. Auch bei unseren vielen Veränderungsprozessen, in der Kirche, genauso wie in der Politik, ist es verführerisch, schnell voran zu kommen. Der Druck ist groß. Und es kostet viel Zeit, alles auszudiskutieren, Kompromisse zu schließen und auch Dinge mitzutragen, die einem selber nicht gefallen. Entscheidungen müssen gut erklärt werden, um möglichst viele Menschen mitzunehmen. Vielleicht ist das ein Grund, warum ein autoritärer Politikstil bei (zu) vielen so gut ankommt. Wenn einer sagt, wo es lang geht, dann geht doch alles viel schneller voran. Aber wohin?
Demokratie braucht Zeit und ist anstrengend. Wenn viele sich einigen müssen, geht es selten schnell. Aber es fließen auch mehr unterschiedliche Sichtweisen ein, Kritik beleuchtet die eigenen blinden Flecken und wenn man von Anfang an gut informiert, dann tragen auch mehr Menschen das Ergebnis mit. Was am Ende raus kommt, das ist besser durchdacht und hat eine nachhaltigere Wirkung, als das, was nur einzelne für richtig finden. Die Mühe lohnt sich – für uns alle.
Darum „Wer schnell gehen will, der geht allein. Wer weit kommen, geht gemeinsam.“ Gottes Segen auf allen Ihren Wegen in diesem Sommer!
Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 20. Juni 2026
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