Gemeinsam gehen oder allein?

Gemeinsam gehen oder allein?

Gemeinsam gehen oder allein?

# Andacht

Gemeinsam gehen oder allein?


„Wer schnell gehen will, geht allein. Wer weit kommen will, geht gemeinsam.“

So lautet ein afrikanisches Sprichwort, über das ich kürzlich beim Lesen gestolpert bin. Stimmt, dachte ich. Mir macht es auch Spaß, allein zu gehen, im eigenen Tempo, ohne auf andere Rücksicht nehmen zu müssen. Es ist schön, da anhalten und schauen zu könne, wo man das selber will. Es tut gut, dabei seine Gedanken zu ordnen oder seinen Ärger loszuwerden. Aber wenn du dir den Fuß verstauchst, wenn du Hilfe brauchst, dann bist du eben auch allein und musst dir selber helfen.

„Wer schnell gehen will, geht allein. Wer weit kommen will, geht gemeinsam.“ Wie war das bei Jesus, denke ich. Er hat immer wieder die Einsamkeit gesucht, in der Wüste oder auf einem Berg, um mit sich und seinem Gott allein zu sein. Aber wenn es darum ging, das Reich Gottes zu verkünden und Dinge daraufhin in Bewegung zu bringen, dann setzte Jesus auf Teamarbeit. Er war von Anfang an mit anderen Männern und Frauen unterwegs und schickte sie auch später immer zu zweit los.

„Wer schnell gehen will, geht allein, wer weit kommen will, geht gemeinsam.“ Damit ist natürlich nicht nur das Wandern gemeint. Auch bei unseren vielen Veränderungsprozessen, in der Kirche, genauso wie in der Politik, ist es verführerisch, schnell voran zu kommen. Der Druck ist groß. Und es kostet viel Zeit, alles auszudiskutieren, Kompromisse zu schließen und auch Dinge mitzutragen, die einem selber nicht gefallen. Entscheidungen müssen gut erklärt werden, um möglichst viele Menschen mitzunehmen. Vielleicht ist das ein Grund, warum ein autoritärer Politikstil bei (zu) vielen so gut ankommt. Wenn einer sagt, wo es lang geht, dann geht doch alles viel schneller voran. Aber wohin?

Demokratie braucht Zeit und ist anstrengend. Wenn viele sich einigen müssen, geht es selten schnell. Aber es fließen auch mehr unterschiedliche Sichtweisen ein, Kritik beleuchtet die eigenen blinden Flecken und wenn man von Anfang an gut informiert, dann tragen auch mehr Menschen das Ergebnis mit. Was am Ende raus kommt, das ist besser durchdacht und hat eine nachhaltigere Wirkung, als das, was nur einzelne für richtig finden. Die Mühe lohnt sich – für uns alle.

Darum „Wer schnell gehen will, der geht allein. Wer weit kommen, geht gemeinsam.“ Gottes Segen auf allen Ihren Wegen in diesem Sommer!

Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 20. Juni 2026

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