Es braucht nur einen Funken

Es braucht nur einen Funken

Es braucht nur einen Funken

# Andacht

Es braucht nur einen Funken
    

Der Himmel in Südeuropa leuchtet rot. Wälder brennen, Dörfer werden evakuiert, Menschen verlieren in wenigen Stunden, was über Jahrzehnte gewachsen ist. Die Bilder der letzten Wochen erschrecken. Sie zeigen nicht nur eine Naturkatastrophe. Sie halten uns einen Spiegel vor. Unsere Welt ist verletzlich. Und wir sind es auch. Es braucht oft nur einen Funken. Im Wald. Zwischen Menschen. Ein unbedachtes Wort, eine Kränkung, ein Streit – und plötzlich breitet sich etwas aus, das kaum noch einzufangen ist. Nicht nur die Erde leidet unter der Hitze. Auch unsere Gesellschaft wirkt oft überhitzt. Debatten werden schärfer, der Geduldsfaden reißt schnell, die Bereitschaft wirklich zuzuhören fehlt häufig.

Die Bibel kennt das Bild des Feuers. Es wärmt und schenkt Licht. Es kann aber auch zerstören. Deshalb berührt mich ein Satz des Propheten Jesaja: „Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden.“ Er verspricht keine Welt ohne Brände und keine Tage ohne Angst. Gott sagt nicht: Du wirst nie durchs Feuer gehen müssen. Er sagt: Ich lasse dich darin nicht allein.

Das ist für mich Zuversicht: Dass Gott Menschen begleitet – auch dann, wenn’s brennt im Leben oder die Zukunft ungewiss erscheint.

Und vielleicht beginnt genau dort auch unsere Aufgabe. Dass wir nicht noch mehr Hitze erzeugen. Dass wir in einer aufgeregten Zeit Menschen sind, die Ruhe ausstrahlen. Dass wir zuhören, bevor wir urteilen. Dass wir versöhnen, statt nachzulegen. Dass wir die Schöpfung nicht nur bestaunen, sondern sorgsam mit ihr umgehen. Nach einem Waldbrand bleibt zunächst Asche. Und doch zeigen sich oft schon nach kurzer Zeit die ersten grünen Triebe. Klein und unscheinbar, und doch voller Leben. Ich wünsche mir, dass wir diesen Blick nicht verlieren: den Blick für das, was wächst, obwohl vieles verbrannt scheint. Zuversicht ist nicht Verdrängung der Wirklichkeit. Sie ist die Kraft, die darauf vertraut, dass Gott selbst aus Asche neues Leben wachsen lassen kann.

Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 8. August 2026

   

Es braucht nur einen Funken

Der Himmel in Süd-Europa leuchtet rot.

Wälder brennen.

Dörfer werden geräumt.

Menschen müssen ihre Häuser verlassen.

In wenigen Stunden verlieren Menschen Dinge, die über viele Jahre gewachsen sind.

Die Bilder aus den letzten Wochen machen uns Angst.

Sie zeigen eine große Natur-Katastrophe.

Aber sie zeigen noch etwas:

Unsere Welt ist verletzlich.

Und auch wir Menschen sind verletzlich.

Oft braucht es nur einen kleinen Funken.

Im Wald.

Aber auch zwischen Menschen.

Ein unbedachtes Wort kann reichen.

Eine Kränkung kann reichen.

Ein Streit kann reichen.

Und plötzlich wird daraus etwas Großes.

Dann ist es schwer, alles wieder zu stoppen.

Nicht nur die Erde leidet unter der Hitze.

Auch unsere Gesellschaft wirkt manchmal überhitzt.

Menschen streiten immer heftiger.

Die Geduld ist schnell zu Ende.

Oft hören Menschen einander nicht wirklich zu.

Die Bibel erzählt oft vom Feuer.

Feuer kann wärmen.

Feuer kann Licht schenken.

Aber Feuer kann auch zerstören.

Darum berührt mich ein Satz des Propheten Jesaja.

Er sagt:

„Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden.“

Gott verspricht damit nicht:

Es wird niemals wieder Feuer geben.

Und Gott verspricht auch nicht:

Du wirst niemals Angst haben.

Gott sagt etwas anderes:

Du musst nicht allein durch das Feuer gehen.

Gott bleibt bei dir.

Das macht mir Mut.

Gott begleitet Menschen.

Auch wenn es im Leben brennt.

Auch wenn wir Angst haben.

Auch wenn wir nicht wissen, was die Zukunft bringt.

Vielleicht beginnt hier auch unsere Aufgabe.

Wir sollen nicht noch mehr Hitze erzeugen.

Wir können in einer aufgeregten Zeit Ruhe ausstrahlen.

Wir können zuhören, bevor wir urteilen.

Wir können Streit beenden, statt ihn schlimmer zu machen.

Wir können uns versöhnen.

Und wir können gut mit Gottes Schöpfung umgehen.

Wir sollen die Natur nicht nur bewundern.

Wir sollen sie auch schützen.

Nach einem Waldbrand bleibt zuerst nur Asche.

Aber schon bald zeigen sich oft die ersten grünen Pflanzen.

Sie sind klein.

Man kann sie leicht übersehen.

Und doch steckt viel Leben in ihnen.

Ich wünsche mir, dass wir diesen Blick nicht verlieren.

Wir sollen sehen, was wächst.

Auch wenn vieles verbrannt aussieht.

Zuversicht bedeutet nicht:

Wir tun so, als wäre alles gut.

Zuversicht bedeutet:

Wir sehen die Wirklichkeit.

Und trotzdem vertrauen wir auf Gott.

Wir vertrauen darauf:

Gott kann neues Leben wachsen lassen.

Auch aus Asche.

Dieser Text stand schon in der Neuen Westfälischen, 8. August 2026

A tinderbox

The skies over southern Europe are glowing. Forests are burning, villages are being evacuated, and within a matter of hours people are losing what has taken decades to grow. The images of recent weeks are deeply unsettling. They show us more than a natural disaster. They hold a mirror up to our faces. Our world is vulnerable. And so are we.

All it takes is one spark. In the forest. Between people. One unthinking remark, one hurtful comment, an argument – and suddenly something begins to spread that is hard to get back under control. It is not only the environment that suffers from the heat. Our society, too, often seems overheated. Debates become more heated, patience wears thin, and there is often little willingness truly to listen.

The Bible knows the image of fire. Fire gives warmth and light. But it can also destroy. That is why a sentence from the prophet Isaiah touches me so deeply: ‘When you walk through the fire, you will not be burned.’ It is not a promise of a world without fires, or of days without fear. God does not say: You will never have to walk through the fire. He says: I will not leave you alone in it.

For me, that is what hope and confidence mean: that God accompanies people – even when life is burning around them, or when the future seems uncertain.

And perhaps that is exactly where our task begins, too. That we do not create even more heat. That, in an agitated and restless time, we become people who radiate calm. That we listen before we judge. That we seek reconciliation instead of adding fuel to the fire. That we do not simply admire creation, but care for it responsibly.

After a forest fire, at first there is nothing but ash. And yet, often within a short time, the first green shoots begin to appear. Small and inconspicuous, and yet full of life. I hope we do not lose sight of this: the ability to see what is growing, even when so much appears to have been burned away.

Hope is not about denying reality. It is the strength that trusts that God himself can bring new life out of the ashes.

Published first in the Neue Westfälische, 8 August 2026

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