Abendmahl „mit ohne“: Inklusiver ohne Gluten und Alkohol

Abendmahl „mit ohne“: Inklusiver ohne Gluten und Alkohol

Abendmahl „mit ohne“: Inklusiver ohne Gluten und Alkohol

# Neuigkeiten

Abendmahl „mit ohne“: Inklusiver ohne Gluten und Alkohol
Highlights
  • Die Emmaus-Gemeinde nutzt seit 1. April nur noch glutenfreie Oblaten und Traubensaft statt Wein, damit alle sicher am Abendmahl teilnehmen können.
  • Die Umstellung wurde sorgfältig vorbereitet, da selbst kleinste Mengen Gluten für Menschen mit Zöliakie schädlich sind.
  • Ziel ist mehr Inklusion: Alle Menschen – unabhängig von Gesundheit oder Alkoholkonsum – sind ausdrücklich eingeladen.



Sie sind etwas kleiner und auch etwas leichter, aber wichtiger ist, was noch fehlt: Die Oblaten, die jetzt in der Ev. Emmaus-Kirchengemeinde in Bad Oeynhausen genutzt werden, kommen ganz ohne Gluten aus. Ein Segen für alle Menschen, die an Zöliakie leiden oder aus anderen Gründen auf Gluten verzichten, erklärt Theodora Beer. Zusammen mit dem alkoholfreien Traubensaft wird das Abendmahl in der Kurstadtgemeinde so inklusiver. „Alle sind eingeladen“, sagt die Bad Oeynhausener Pfarrerin, „und alle können darauf vertrauen, dass sie mitgedacht sind.“

Ganz neu ist die Idee nicht in der Kurstadt, gibt Theodora Beer zu. In manchen Gemeindebezirken gab es bereits glutenfreie Oblaten und Traubensaft statt Wein im Abendmahlskelch. Auch andere Gemeinden bieten dies bereits seit einer Weile an. In Eidinghausen auf der andere Werreseite sind glutenfreie Oblaten Standard; andernorts, so in Löhne-Gohfeld, können sie angefragt werden. Neu in der Emmaus-Gemeinde ist seit dem 1. April, dass jetzt in allen Gottesdiensten und an sämtlichen Standorten ausschließlich glutenfreie Oblaten genutzt werden.

Gluten kann schon in sehr geringen Dosen schädlich sein, sogar bei den federleichten Oblaten, die im Gottesdienst verwendet werden. Deshalb musste auch beim Wechsel sehr genau gearbeitet werden. „Wir haben auch alles gereinigt und das, was nicht gereinigt werden konnte, abgegeben“, beschreibt Küsterin Miriam Attila. Alle noch vorhandenen Oblaten wurden an andere Einrichtungen abgegeben, damit es nicht zu einer unbeabsichtigten Verwendung kommt. Der Gedanke dahinter war, dass sich alle Gottesdienstbesucherinnen und -besucher darauf verlassen können, dass sie am Abendmahl teilnehmen können.

„Selbst kleinste Mengen Gluten können bei Menschen, die an einer echten Zöliakie leiden, zu ernsten Reaktionen führen“, erklärt Pfarrerin Theodora Beer dazu: „Gluten schädigt bei ihnen besonders den Dünndarm, und das kann schwerwiegende Langzeitfolgen haben.“ Wachstumsstörungen, sogar ein erhöhtes Darmkrebsrisiko erwähnt die junge Pfarrerin. Wie manche ihrer Bekannten ist sie selbst betroffen und konnte bisher an manchem Abendmahl nicht teilnehmen. Es gibt auch Vorbehalte über die Wirkung von Gluten auf den Stoffwechsel von Menschen, die nicht an einer Zöliakie leiden. Glutenfreie Produkte sind daher immer häufiger in Supermärkten zu finden, und so sollte es auch in der Kirche sein.

Ähnlich verhält es sich mit der Nutzung von Traubensaft statt Wein: Alle getauften Menschen sind eingeladen, am Abendmahl teilzuhaben, unabhängig von ihrem Alter oder davon, ob sie keinen Alkohol trinken möchten oder dürfen. Daher wurde bereits in vielen Gottesdiensten auf echten Wein verzichtet. Aber seit dem 1. April können sich alle Besucherinnen und Besucher darauf verlassen, dass kein Alkohol im Kelch ist. Gab es Bedenken oder Beschwerden, da nicht zuletzt in der Liturgie selbst von Wein gesprochen wird? Nein, die Reaktionen seien sogar eher positiv gewesen, berichtet Pfarrerin Beer. Es sei die ausdrückliche Empfehlung der Evangelischen Kirche, inklusive Lösungen wie diese anzubieten, damit Gemeinschaft im Abendmahl für alle erfahrbar wird.


Was ist Gluten?

Gluten bezeichnet Eiweiße in Getreiden wie Weizen, Roggen und Gerste. Es macht Teig elastisch. Problematisch ist es für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit, da es Entzündungen im Darm auslösen und Beschwerden wie Durchfall, Blähungen oder Müdigkeit verursachen kann. Langzeitfolgen können Wachstumsstörungen und sogar ein erhöhtes Krebsrisiko sein.

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