Eine 7-Tage-Kirche für Vlotho? Ein neuer Blick auf St. Stephan mit dem Masterkurs der Hochschule Bielefeld

Eine 7-Tage-Kirche für Vlotho? Ein neuer Blick auf St. Stephan mit dem Masterkurs der Hochschule Bielefeld

Eine 7-Tage-Kirche für Vlotho? Ein neuer Blick auf St. Stephan mit dem Masterkurs der Hochschule Bielefeld

# Neuigkeiten

Eine 7-Tage-Kirche für Vlotho? Ein neuer Blick auf St. Stephan mit dem Masterkurs der Hochschule Bielefeld
Highlights
  • Die Studierenden analysierten, wie Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus künftig besser für das Gemeindeleben genutzt werden könnten.
  • Eine Nutzungsmatrix ergab einen rechnerischen Raumbedarf von 1.232 Quadratmetern für die verschiedenen Aktivitäten der Gemeinde.
  • Die Vorschläge reichten von kleinen baulichen Veränderungen und neuen sozialen Angeboten bis zum Umbau oder Abriss des Gemeindehauses.
  • Eine besonders weitreichende Idee war eine „7-Tage-Kirche“, in der das gesamte Gemeindeleben unter einem Dach in der Kirche stattfinden könnte.
    

Das kaiserzeitliche Mannschaftsgebäude des Feldartillerie-Regiments Nr. 22 in Minden war ein ungewohnter Ort, um Küster, Pfarrteam und Presbyterium aus der Ev. Kirchengemeinde Vlotho zu treffen. Doch hier, auf dem Campus Minden der Hochschule Bielefeld, warteten drei Dutzend Studierende auf sie. Mit ihrer Professorin Bettina Mons hatten sie neue Visionen für St. Stephan entwickelt, die sie mit dem Besuch aus Vlotho teilen wollten.

In den letzten Monaten hatten sich die Studierenden im Masterstudiengang „Integrales Bauen“ intensiv mit Vlothos historischer Stadtkirche auseinandergesetzt. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und mit viel Vermittlungsarbeit durch Claudia Strong sollten die angehenden Bauprofis Ideen entwickeln, wie sich das Ensemble von Pfarrhaus, Kirche und Gemeindehaus ändern könnte oder müsste, damit das Gemeindeleben dort stattfinden kann, nicht nur sonntags, sondern jeden Tag - als echte 7-Tage-Kirche.

Der Vormittag auf dem Campus begann mit einer Darstellung der städtebaulichen Lage um St. Stephan. Für die Besucher aus der Ev. Kirchengemeinde Vlotho war viel Bekanntes über Stadtentwicklung und Geographie dabei. Wie wertvoll aber der externe Blick sein kann, zeigte ein Kommentar, der manchen ‚betriebsblinden‘ Alt-Vlothoer überraschen könnte: „Man findet das bestehende Gemeindehaus gar nicht.“

Gemeindeleben auf 1232 Quadratmetern

Viel Arbeit war in die Analyse geflossen. Informationen aus der Gemeinde wurden eingeholt, mit Beteiligten gesprochen, die Veranstaltungsdatenbank durchforstet. Aus der Masse an Daten wurde eine Nutzungsmatrix zusammengestellt, zusammengehörige Aktivitäten in Clustern zusammengefasst, aber auch potenzielle Konflikte identifiziert. Kann eine Chorprobe gleichzeitig mit einem Begegnungscafé laufen? Schließen Krabbelgruppe und Seniorenveranstaltung einander aus, oder passen sie sogar gut zusammen? Mit solchen Themen beschäftigten sich die Datenprofis über viele Wochen, bis das Leben der Gemeinde in Form eines hochkomplexen Netzdiagramms dargestellt werden konnte.

Ein junger Mann stellt ein Netzdiagramm einem sitzenden Publikum vor

Am Ende der vielen Berechnungen, Kreuzverweise und Querverbindungen stand aber eine Zahl: 1232 Quadratmeter. Soviel Platz braucht die Ev. Kirchengemeinde Vlotho für ihr Gemeindeleben. „Das ist nur der rechnerische Bedarf. Das sagt nichts über die aktuellen Gebäude aus“, relativierte Bettina Monas gleich wieder. Durch den laufenden Vereinigungsprozess kommen Gruppen zusammen und benötigen eventuell weniger Raum. Anderes kann wachsen und wiederum mehr Raum brauchen. Die Professorin berichtete aus ihrer Erfahrung mit anderen Kirchengemeinden, dass der rechnerische Bedarf in der Realität oft viel kleiner sei. Schnell seien Projekte auf die Hälfte der ursprünglich angedachten Größe zusammengeschrumpft, und das nicht aus Sparsamkeit, sondern durch bessere Raumplanung.

Kirche plus Pfarrhaus plus Gemeindehaus?

Obwohl die Studierenden ein detailliertes Modell des Areals um St. Stephan erstellt hatten, in das sie ihre Ideen einstellen konnten, ging es nicht um bauliche Entwürfe, sondern um Machbarkeitsstudien oder Denkanregungen für St. Stephan. „Es ging darum, zu überlegen: Welche Möglichkeiten bietet dieses Ensemble?“, erklärte Bettina Mons, bevor die Studierendengruppen an der Reihe waren.

Die Vorschläge der Studierenden deckten die ganze Bandbreite von sanft und unauffällig bis zum radikalen Zeitenwechsel ab. Alle Gruppen mussten Lösungen für grundlegende Themen wie Fluchtwege, Besucherführung oder Barrierefreiheit finden. Wie sie dies taten, zeigte aber die unterschiedlichen Ansätze. Der erste Entwurf blieb baulich konservativ. Eine neue Außentreppe als zweiter Fluchtweg war fast der einzige Eingriff. Aber mit neuen Nutzungsideen wie einer sozialen Gastronomie oder Räumen für diakonische Angebote sollten die bestehenden Gebäude in die Gesellschaft geöffnet werden: „Ein geschlossenes soziales Konzept.“

Im Gegensatz dazu schlugen die anderen Gruppen vor, das alte Pfarrhaus zu veräußern. Und das war nicht die einzige radikale Idee. Mit dem Gemeindehaus setzten sich zwei Gruppen auseinander. Ihre Ideen reichten von einem neuen Vorbau, der die bestehenden Räume erschließt, und einer flexibleren Gemeinschaftsfläche bis zum Abriss und Neubau. In der Kirche selbst, schlug die erste Gruppe vor, könnten flexible Wände und eine neue Seitenempore einzelne Räume abtrennbar machen, in denen Teile des Gemeindelebens stattfinden könnten: „Wir schaffen die Möglichkeit, die Kirche verschieden zu bespielen“. Denkmalschutz sei kein absoluter Hinderungsgrund, erklärte Bettina Mons. Dennoch müssten Fragen der Akustik, der Statik oder mögliche Bodenfunde in der alten Klosterkirche bedacht werden.

Der radikalste Entwurf folgte zum Schluss: eine 7-Tage-Kirche unter einem Dach. Das gesamte Leben an St. Stephan würde, wie vor dem Aufkommen von Gemeindehäusern in der Mitte des letzten Jahrhunderts, in der Kirche selbst gebündelt. Auch hierfür wären neue Einbauten nötig, die den Kirchraum so sehr verändern würden wie der Bau des zweiten Schiffs vor vier Jahrhunderten: Zweigeschossig könnte die Kirche werden, mit Räumen für das Gemeindeleben und einem neuen, erhöhten Gottesdienstbereich. „Näher am Himmel“, wie Pfarrerin Geeske Brinkmann im Scherz einwarf.

Für die Gemeindedelegation war der Campusbesuch ein Zwischenschritt auf einem spannenden Weg. Sein Ziel steht nicht fest, und ob überhaupt bauliche Veränderungen vorgenommen werden, liegt in den Händen der Gemeindeleitung. Doch schon am Ausgang gingen bei den Vlothoer Besuchern angeregte Diskussionen los, die in den folgenden Wochen und Monaten in der Gemeinde weitergeführt werden.

   

Wie geht 7-Tage-Kirche?

Studierende der Hochschule Bielefeld haben über die Zukunft der Kirche St. Stephan in Vlotho nachgedacht.

St. Stephan ist eine alte Kirche in Vlotho. Zur Kirche gehören auch ein Pfarr-Haus und ein Gemeinde-Haus.

Die Studierenden wollten wissen: Wie können die Gebäude besser genutzt werden?

Die Kirche soll nicht nur am Sonntag genutzt werden. Auch an den anderen Tagen soll dort Leben möglich sein.

Darum ging es um die Idee einer „7-Tage-Kirche“.

Die Studierenden haben zuerst untersucht, was die Gemeinde braucht. Sie haben mit Menschen aus der Gemeinde gesprochen. Sie haben auch die Veranstaltungen der Gemeinde untersucht.

Dabei ging es zum Beispiel um:

  • Chor-Proben
  • Cafés und Treffen
  • Angebote für Familien
  • Angebote für ältere Menschen
  • Gottes-Dienste

Die Untersuchung ergab: Die Gemeinde braucht etwa 1.232 Quadrat-Meter für ihre verschiedenen Angebote.

Die Studierenden entwickelten verschiedene Ideen.

Eine Idee war: Die Gebäude bleiben fast so, wie sie sind. Es gibt aber neue Angebote. Zum Beispiel eine soziale Gastronomie oder Räume für diakonische Arbeit.

Andere Ideen waren größer. Das alte Pfarr-Haus könnte verkauft werden. Das Gemeinde-Haus könnte umgebaut oder sogar neu gebaut werden.

Auch die Kirche könnte anders genutzt werden. Flexible Wände könnten neue Räume schaffen. So könnten verschiedene Angebote gleichzeitig stattfinden.

Die weit-reichendste Idee war eine Kirche für alle sieben Tage der Woche.

Das ganze Gemeinde-Leben könnte dann in der Kirche stattfinden. Dafür müsste die Kirche stark umgebaut werden. Es könnten mehrere Ebenen und neue Räume entstehen.

Die Ideen sind noch keine fertigen Bau-Pläne. Sie sollen zum Nachdenken anregen.

Die Gemeinde will die Vorschläge jetzt weiter besprechen. Vielleicht werden daraus später konkrete Pläne für St. Stephan.

A church for every day?

A fresh look at Vlotho's St Stephan Church with the Bielefeld University of Applied Sciences

The former barracks building of the Imperial-era Field Artillery Regiment No. 22 in Minden was an unusual place to meet the caretakers, pastoral team and leadership of the parish of Vlotho. But on the Minden campus of Bielefeld University of Applied Sciences, around 30 students were waiting for them. Together with their professor, Bettina Mons, they had developed new visions for St Stephan’s Church and wanted to share them with the visitors from Vlotho.

Over recent months, the students on the master’s programme in “Integral Building” had studied Vlotho’s historic town church in detail. Working with the congregation, and with extensive support from Claudia Strong, the future architecture professionals were asked to develop ideas for how the ensemble of vicarage, church and community centre could be adapted so that congregational life could take place there not only on Sundays, but every day – as a genuine church for every day.

The morning on campus began with an analysis of the urban setting around St Stephan’s. Much of the information about the town’s development and geography was familiar to the visitors from Vlotho. But the value of an outside perspective was illustrated by one comment that may have surprised some long-time residents of Vlotho: “You can’t actually find the existing parish hall.”

Church life on 1,232 square metres

A great deal of work had gone into the analysis. Information was gathered from the congregation, people involved in its activities were interviewed, and the events database was examined in detail. The data was then used to create a usage matrix. Related activities were grouped into clusters, while potential conflicts were also identified. Could a choir rehearsal take place at the same time as a community café? Would a toddler group and an event for older people interfere with each other, or might they actually work well together?

The students spent many weeks exploring questions like these until the life of the parish could be represented as a highly complex network diagram.

After all the calculations, cross-references, and connections, one figure emerged: 1,232 square metres. That is the calculated amount of space required for the all activities. “That is only the theoretical requirement. It says nothing about the actual buildings,” Bettina Mons immediately pointed out. The ongoing unification process in Vlotho may bring groups together and reduce their need for space, while other activities may grow and require more room.

Drawing on her experience with other congregations, the professor explained that the theoretical requirement is often considerably greater than the space ultimately needed. Projects have sometimes been reduced to half their originally planned size – not because of budget cuts, but because of better spatial planning.

Church plus vicarage plus community centre?

Although the students had created a detailed model of St Stephan’s environs into which they could incorporate their ideas, the aim was not to produce actual architectural designs. Instead, they were developing feasibility studies and ideas to stimulate discussion about the future of St Stephan’s. “The point was to ask: what potential does this ensemble offer?” Bettina Mons explained before the student groups presented their proposals.

The proposals covered the entire spectrum, from gentle and barely noticeable changes to a radical transformation. Every group had to address fundamental issues such as escape routes, visitor circulation and accessibility. The different ways in which they tackled these challenges revealed their contrasting approaches.

The first proposal remained relatively conservative in architectural terms. A new external staircase providing a second escape route was almost the only major intervention. However, new uses such as a social café and rooms for community and welfare services were intended to open the existing buildings up to the wider community: “A fully rounded social concept.”

By contrast, the other groups proposed selling the old vicarage. And that was not their only radical idea. Two groups focused on the community centre. Their proposals ranged from a new entrance structure connecting the existing rooms and more flexible communal spaces to demolition and a completely new building.

Inside the church itself, the first group suggested that flexible walls and a new side gallery could create separate spaces for different aspects of congregational life: “We are creating the possibility of using the church in different ways.” Heritage considerations, Bettina Mons explained, did not necessarily rule this out. Nevertheless, questions of acoustics and structural stability, as well as the possibility of archaeological finds beneath the floor of the former monastery church, would all need to be considered.

A seven-day church under one roof

The most radical proposal came last: a seven-day church under one roof. All activities at St Stephan’s would be brought together in the church itself, much as congregational life was centred in churches before the widespread construction of separate community centres in the middle of the twentieth century.

This approach would require new internal structures that would transform the church interior almost as dramatically as the construction of the second nave four centuries ago. The church could become a two-storey space, with rooms for community activities and a new elevated area for worship. “Closer to heaven,” Pastor Geeske Brinkmann joked.

For the delegation from the congregation, the visit to the campus was another step on an exciting journey. Discussions were already underway as they left the building and will continue within the congregation over the coming weeks and months.

The future of St Stephan’s is therefore still very much open. Whether any actual building works will happen is up to the congregation and the parish leadership – but the discussions began immediately after the presentations ended, and they will continue in Vlotho.

Eine große gemischte Studierendengruppe mit einigen Besuchern

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