Licht geschenkt

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Licht geschenkt

# Andacht

Licht geschenkt

Haben Sie vom Friedenslicht gehört? In diesen Tagen erreichte mich die Frage, wo es in unserem Kirchenkreis abzuholen sei. Ich konnte eine Kirche nennen, und habe mich über die Frage gefreut. Wie gut, damit dem eigenen Bedürfnis und der Sehnsucht nach Frieden, nach Verbundenheit, Wärme und Licht Ausdruck zu verleihen.

Pfadfinderinnen und Pfadfinder bringen das Licht aus Bethlehem nach Europa und in unseren Kirchenkreis. Als Botschafter des Friedens soll es durch die Länder reisen und die Geburt Jesu verkünden.

In einem Museum in Dänemark wurde ich auf eine Installation aufmerksam. In einer Art Setzkasten sind neben- und übereinander kleine Fläschchen aufgereiht. Die durchsichtigen Skulpturen sehen aus wie medizinische Flaschen, oben silbern überspannt, mit einem Etikett versehen und mit meist farbloser Flüssigkeit gefüllt.

Die mehr als 300 Etikettentexte enthalten Worte, die das menschliche Wohlbefinden betreffen. „Bottled pondering“ – übersetzt „Abgefülltes Nachsinnen“, nennt sich dieses Kunststück des dänischen Design-Unternehmens Aepenton.

„Courage“, „Creativity“, „Broken heart healing“, „Just being“, „Solidarity“, „Respect beyond differences“ war zu entdecken. Auf einem Fläschchen mit rosa Flüssigkeit war „Rosy picture paint“ zu lesen – dem Bild einen rosa Schimmer verleihen. Wie schön, wenn alles grau und trüb zu sein scheint.

Ich bin fasziniert. Welche Begriffe, Befindlichkeiten sprechen mich an? Was weckt Sehnsucht in mir, und was möchte ich loswerden, zurück in die Flasche drücken und sicher verschließen? Welche möchte ich großzügig verteilen und welche wie Sternregen über mir ausgegossen haben? Überhaupt, welcher Vielfalt wurde hier Namen gegeben? Meine Fantasie geht auf Reisen.

Später frage ich mich, was ich mit dieser Erfahrung mache. Zunächst: einfach genießen. Dann: wahrnehmen, was sich in mir regt. Ein weiteres Tool zur Selbstoptimierung? Freundlichkeit, Initiative, Gesundheit ganz nach oben, Schwarzmalerei, fehlendes Vertrauen, Unentschlossenheit ganz nach unten? Viel zu tun. Unbehagen macht sich breit.

Auf meinem Schreibtisch finde ich die Jahreslosung für 2026: Gott spricht: 

„Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5). 

Weiter heißt es: 

"Ich werde dem Durstigen Wasser geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. Ich gebe es ihm umsonst.“

Umsonst heißt: als Geschenk, ohne Verdienst. Ich darf es mir von Gott schenken lassen. Das Licht aus Bethlehem, das Wärme verbreitet, und mich an Jesu Geburt erinnert. Das Designstück mit den Begriffen auf den Fläschchen, die mir helfen, das auszudrücken, was in mir ist, worauf sich meine Sehnsucht und meine Verzweiflung richtet.

Symbole, Worte, Kunstwerke, die mir helfen, in Kontakt zu kommen – mit meinen Mitmenschen, mit mir selbst und mit Gott. Die mir zeigen, wie groß das ist, was Gott in mich und jeden anderen Menschen hineingelegt hat. Ich darf entscheiden, ob ich seiner Schöpferkraft und Liebe vertraue. „Siehe, ich mache alles neu!“ – schau hin, entdecke, nimm Gottes Geschenk an, immer wieder neu.


Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 3. Januar 2026

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