Israel - was soll ich sagen?

Israel - was soll ich sagen?

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# Andacht

Israel - was soll ich sagen?

Am kommenden Sonntag ist Israelsonntag, ein Sonntag in jedem Jahr, an dem wir uns in den Kirchen an die Zerstörung des Tempels von Jerusalem durch die Römer im Jahr 70 n.Chr. erinnern. Damals wurde das Volk Israel aus seiner Heimat vertrieben. Warum erinnern wir in den Kirchen daran? Weil Israel Gottes Augapfel ist und bleibt. Weil wir dem Volk Jesu unseren Glauben verdanken, die Gebote, die Psalmen, die Verheißungen der Propheten, und ihn selbst, den Juden Jesus. Solange ich Pfarrerin bin, ist es mir ein Herzensanliegen, das Bewusstsein für unsere tiefe Verbundenheit mit Israel wach zu halten. 

Und heute? Die brutale Zerstörung und das unvorstellbare Elend in Gaza und die Qualen der Israelischen Geiseln in der Hand der Hamas verschlagen mir die Sprache. Israel – was soll ich sagen, ohne so zu tun, als ob ich irgendetwas besser wüßte ? Nur so viel, dass wir natürlich nicht den jüdischen Glauben mit dem Staat Israel und der Politik der Regierung Netanjahu gleichsetzen dürfen – aber auch nicht die Menschen, die in Gaza leben und sterben, mit der Hamas. So viele wollen doch einfach nur in Frieden leben und endlich ihre Liebsten wiedersehen. Israel ist immer noch ein demokratischer Staat, in dem die Bürgerinnen und Bürger für ein Ende des Krieges demonstrieren dürfen. Auch in Gaza gibt es Menschen, die das gern tun würden – sie würden es wahrscheinlich nicht überleben. Und noch etwas erschreckt mich: Das häßliche Gesicht der Religion in diesem Konflikt, bei den Islamisten der Hamas und bei den radikalen Siedlern in Israel, die sich beide anmaßen, im Auftrag Gottes unterwegs zu sein, eine Anmaßung, die wir aus unserer christlichen Geschichte leider auch kennen. Als glaubten nicht Juden, Christen und Muslime an einen barmherzigen Gott. Wie sollte ein barmherziger Gott Gefallen daran finden, wenn Menschen entführt, gefoltert, grausam getötet, ausgehungert und vertrieben werden? Israel – was soll ich sagen? Ich hoffe auf Gott, den Barmherzigen, den Allerbarmer, der auch aus dem Bösesten noch Gutes entstehen lassen kann und bete zu ihm um Frieden. 


Zuerst erschienen im Westfalen-Blatt, 23. August 2025

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