Ein Hauch von Oberitalien an der Südbahn: Karl Wilhelm Ochs und die Heilig-Geist-Kirche

Ein Hauch von Oberitalien an der Südbahn: Karl Wilhelm Ochs und die Heilig-Geist-Kirche

Ein Hauch von Oberitalien an der Südbahn: Karl Wilhelm Ochs und die Heilig-Geist-Kirche

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Ein Hauch von Oberitalien an der Südbahn: Karl Wilhelm Ochs und die Heilig-Geist-Kirche

„Nüchtern, klar, schnörkellos, geradlinig“: So beschrieb Gemeindemanagerin Ulrike Weißflog die Architektur der Heilig-Geist-Kirche im Entwidmungsgottesdienst. Doch was wie eine Homage an das ostwestfälische Wesen wirken mag, hat viel südlichere Wurzeln. Nach Stuttgart und weiter reichen sie, über die Alpen nach Oberitalien und weiter in die toskanischen Städte.

Der Wunsch der Gemeindeglieder südlich der Südbahn nach einer eigenen Kirche wurde schon in den fünfziger Jahren vom damaligen Superintendenten Dehmel gehört. Auch wenn dieser selbst dessen Erfüllung nicht mehr erleben durfte, wurde er unter Wolfram Lackner, dem Pfarrer der neuen Wicherngemeinde wahr. 

„Jung und dynamisch“: So schildert der schon damals in der Gemeinde aktive Hans Körtner seinen Pfarrer und späteren Nachbarn, Wolfram Lackner. Mit seinem Engagement und mit Unterstützung der jungen Gemeindeleitung und Teile des Rehmer Presbyteriums wurde der Beschluss für eine neue Kirche getroffen und ein Architekt gefunden.

Der gewählte Kandidat, Karl Wilhelm Ochs, verwarf die ursprüngliche Idee einer Rundkirche zugunsten des letztlich gewählten Entwurfs. Der Vertreter der nüchternen, aber handwerklich sauberen Architektur der Stuttgarter Schule hatte die erste Hälfte seines Lebens mit dem Entwurf von Industriebauten gefüllt. Daneben entwickelte er in vielen Reisen über die Alpen eine eigene Gestaltungssprache, die Renaissance- und mittelalterliche Elemente in die Neuzeit bringt. 

Karl Wilhelm Ochs hatte seine Vision eines klar umgrenzten, aber dennoch offenen Gemeindezentrums mit typisch oberitalienischen Stilelementen wie dem Laubengang und dem freistehenden Campanile schon in Herford ausprobieren können. Mit dem sehr erfolgreich umgesetzten Entwurf und der Weiterempfehlung des Herforder Gemeindepfarrers Heinz-Wilhelm Heidemann in der Tasche konnte er den Auftrag der Wicherngemeinde gewinnen. 

Bei aller an Zweckbauten erinnernden Nüchternheit ist sein Design bis ins Detail durchdacht. Die Architektur erzählt eine Geschichte schon auf ihren großen Achsen: durch die große Fensterfront auf der Südseite ist die Kirche in die Welt geöffnet und auf der Nordseite geschlossener, kontemplativer gestaltet. Die Ost-West-Achse dagegen erzählt vom Gegensatz von Leiden und Zweifel und Trost und Hoffnung, wie Pfarrer Matthias Mengel in seiner letzten Predigt auf der charakteristischen, aus rohen Ziegeln gestalteten Kanzel erklärte: Hier der vom Braunschweiger Bildhauereiprofessor Jürgen Weber gestaltete, in sich zusammengesackte Kruzifix, dort die vom österreichischen Grafiker Robert Hammerstiel gestalteten energiereichen Holzschnitte der Ostergeschichte.

Nicht jeder konnte sich mit der Architektur der Heilig-Geist-Kirche anfreunden: Zu kühl, zu dunkel sei sie. Sie habe aber „bewusst keinen Wohlfühlcharakter“, wie Hans Körtner erklärt. Dennoch habe der Bau prägend auf das Kirchenbewusstsein in der Wicherngemeinde gewirkt und die aktive Gemeinde mitgestaltet, die nun in der Emmaus-Kirchengemeinde weiterlebt.

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