Pfarrer Markus Freitag, Bad Oeynhausen LoheGedanken am Ende eines Kirchenjahres von Pfarrer Markus Freitag, Bad Oeynhausen Lohe.
Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Ewigkeitssonntag. Am Ende des Kirchenjahres werden wir an die Brüche und die Vergänglichkeit des Lebens erinnert. Ich frage mich: Was bleibt? Was zählt im Leben? Was hat wirklich wert?

Vor einiger Zeit haben einige Jugendliche mal ein Experiment an der Tower-Bridge in London gemacht. Es war eigentlich das Einlösen einer verloren Wette. Sie haben sich dort auf die Brücke gestellt und Pfundnoten, also Geld verschenkt. Echtes Geld umsonst. Und jetzt kommt die Überraschung. Fast keiner hat das Geld genommen. Die allermeisten waren abgrundtief skeptisch. Da ist doch der Wurm drin. Kein Mensch verschenkt Geld. Einfach so. Umsonst.
Es gibt nichts umsonst. Das ist gewissermaßen das Glaubensbekenntnis des Kapitalismus. Wir sprechen es alle mit. Wir alle kennen ganz genau den Wert von Dingen, die Preise vom Joghurt-Becher bis zum Auto des Nachbarn. Wir rechnen alles in Geld um. Selbst „Zeit ist Geld". Nichts ist umsonst. „Umsonst ist nur der Tod. Und der kostet das Leben", sagen einige im Witz.

Aber das Grundbekenntnis des Kapitalismus ist ein Grundirrtum. Sicher, manche schöne Dinge kann man für Geld kaufen. Aber die wirklich wichtigen Dinge des Lebens sind unbezahlbar. Die kann man für kein Geld der Welt kaufen. Die gibt's umsonst. Von Gott geschenkt.

Ein Handy können wir kaufen. Einen Freund, der zuhört, nicht. Unbezahlbar. Umsonst. Ein Haus können wir kaufen. Ein Zuhause nicht. Unbezahlbar. Umsonst. Medizin kann man kaufen. Eine gute Gesundheit nicht. Unbezahlbar. Umsonst. Panzer und Gewehre kann man kaufen. Frieden nicht. Unbezahlbar. Umsonst. Eine Bibel kann man kaufen. Glauben nicht. Unbezahlbar. Umsonst. Sex kann man kaufen. Liebe nicht. Unbezahlbar. Umsonst. Eine Versicherung kann man kaufen. Hoffnung, die über den Tod hinaus sieht, nicht. Unbezahlbar. Umsonst. Von Gott geschenkt.