Wir befinden uns gerade in einer ganz besonderen Zeit. Etwas so noch nie Dagewesenes rollt auf uns zu. Unser aller Leben ist jetzt schon massiv verändert und was noch kommen wird kann niemand genau vorhersagen. Das macht Angst. Und mancher hat bestimmt neben all der Sorge und dem Schweren auch ein schönes, bewegendes, menschliches Erlebnis gehabt, einen Bibeltext gefunden, der jetzt gerade besonders anspricht, ein Bild per WhatsApp geschickt bekommen, das Hoffnung gibt. Wir sammeln diese guten Worte und Gebete auf dieser Seite.

Einer hört und sieht

Es wird Abend und es wird Morgen, ein neuer Tag beginnt. 

Menschen dürfen sich nicht mehr begegnen, nur noch kontaktlos in Kontakt treten, Umarmungen verboten. 

Ein Angehöriger will zu einem Patienten, er kann es nicht fassen. Schreit all seinen Schmerz zum Himmel. 

Und einer hört und nimmt es auf. 

 

Es wird Abend und Morgen, ein neuer Tag beginnt. 

Die Vögel suchen morgens ihre Würmer und die Tulpen kommen aus der Erde und blühen wie sie es jedes Jahr zu tun pflegen, denn es ist Frühling. 

Viele Farben strahlen im satten Grün um die Wette. 

Und einer sieht es und nimmt es auf. 

 

Es wird Abend und Morgen, ein neuer Tag beginnt. 

Ungewissheit breitet sich aus. Werde ich demnächst krank werden? Wieder gesund oder ins Krankenhaus kommen und was dann?

Was ist mit meinen Eltern? Den Großeltern? Kann ich meine Kinder übermorgen noch beruhigen? Was wird sein? 

Ich schreie meine Angst, meine Panik zum Himmel. 

Und einer hört und nimmt es auf. 

 

Es wird Abend und Morgen, ein neuer Tag beginnt. 

Die Hunde laufen auf der Wiese, jagen einander nach wie sie es vor zwei Wochen schon taten. Ein jeder versucht den anderen zu überholen, bis sie aufeinander purzeln und sich spielend in die Pfoten zwicken. 

Ein Lächeln huscht mir bei ihrem Anblick übers Gesicht und bleibt. 

Und einer sieht es und nimmt es auf. 

 

Und es wird Abend und Morgen, ein neuer Tag beginnt. 

Erst ganz zart, dann immer deutlicher, hell, klar und voller Intensität. Die Sonne scheint über den leeren Straßen, den Gärten und geschlossenen Geschäften. Sie kommt in Zimmer, denen Besucher zum Schutz fern zu bleiben haben. Sie bringt Wärme, die Menschen gerade so nicht mehr überbringen können. Sie schafft Hoffnung in scheinbar hoffnungslosen Zeiten und sie erinnert an ein Leben davor aber auch an eines danach. 

Sie erinnert, dass da einer war und ist und sein wird der da mal sprach: 

Es werde Licht, und es wurde Licht! 

 

Gebet

Herr, 

in einer unruhigen Zeit, bringen wir all unsere Sorge vor dich: 

Bitte schütze unsere Familie und Freunde, uns selbst und unseren Nachbarn. Lass uns zusammenhalten und stärke unsere Menschlichkeit und den Blick füreinander. 

Lass uns gut durch diese Zeit kommen und schenke uns Ruhe und Vertrauen darauf, dass Vieles gut werden wird. Sei spürbar um uns mit deinem Segen!

Amen. 

 

von Pfarrerin Gesina Prothmann 

 


 

Ein Segen

Liebe Leserin, lieber Leser,

nur nicht sich anstecken lassen und andere anstecken. Die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. Auf diese Weise dafür sorgen, dass unsere Gesundheitsversorgung möglichst vielen Menschen in Not helfen kann. Wer hätte das gedacht, dass genau das jetzt Nächstenliebe ist: menschlichen Körperkontakt vermeiden, sich strikt an die Empfehlungen und Anweisungen der Behörden zu halten. Und in der Tat – das ist jetzt Nächstenliebe! Solch ein Verhalten wirkt lebensrettend. Und das ist jetzt dringend geboten. Für uns alle. 

In diesen Tagen empfinde ich es als Segen, dass es Experten gibt. Virologen erklären uns die Pandemie, sprechen Empfehlungen aus, wie wir uns nun am besten verhalten. Als Segen empfinde ich auch, dass unsere Politiker die Empfehlungen der Virologen tatsächlich in Politik umsetzen. Auch wenn wir im Zusammenleben sehr stark eingeschränkt sind. Ja, das Gebot der Stunde heißt: sich möglichst nicht anstecken lassen und andere anstecken.

Aus Italien waren Bilder zu sehen, die bewegen. In Benevento in der Nähe von Neapel steht ein Mann mit seiner Tochter auf dem Balkon seiner Wohnung. Er mit einer Handtrommel, sie mit einem Tamburin. In der Straße gehen andere Balkontüren auf, Nachbarn holen ebenfalls Schlaginstrumente raus und beginnen mitzusingen, so ist es auf YouTube zu sehen. Am Ende bejubeln sie sich alle gegenseitig („Grandissimi!“) für ihr spontanes Balkonkonzert gegen häusliche Einsamkeit in Zeiten des Coronavirus. Beeindruckend. Da fangen Menschen an miteinander zu musizieren. Trotz Distanz entsteht eine verbindende menschliche Nähe. Menschen lassen sich davon „anstecken“ und machen mit. Was für ein wohltuender Moment.

Auch unter uns gibt es wohltuende Aktionen. Einkäufe werden für Nachbarn erledigt. Es wird viel mehr telefoniert. Man gibt sich Anteil an seinem Ergehen, redet sich manches von der Seele und hört zu. Vielleicht erzählen auch Großeltern ihren kleinen Enkelkindern am Telefon Geschichten von früher. Oder sie lesen einfach aus einem Kinderbuch vor. 

Vielleicht nutzen wir die Zeit aber auch, indem wir beten und in der Bibel lesen. Etwa das „Hohelied der Liebe“ in 1 Korinther 13. Hilfreich finde ich beim Lesen dieses Kapitels auch, wenn ich an den Stellen, wo „Liebe“ steht, zunächst meinen eigenen Namen einsetze. Und wenn ich dann beim zweiten Lesen an diesen Stellen den Namen „Gott“ oder „Jesus Christus“ einsetze. Das zeigt mir, wer Gott für uns Menschen ist. Dankbarkeit entsteht. Und die setzt neue Kräfte frei. Lassen wir uns von Gott und Menschen zur Liebe inspirieren. Und werden wir so füreinander zum Segen.

Roland Tober, Landeskirchliche Gemeinschaft Bad Oeynhausen


 

Abend-Gebetsvorschlag von Pfarrerin Christine Höke für Kinder und Familien:

Schon glänzt der goldne Abendstern.

Gut´ Nacht, ihr Lieben nah und fern,

schlaft ein in Gottes Frieden!

Die Blume schließt die Augen zu.

Der kleine Vogel geht zur Ruh´.

Bald schlummern alle Müden.

 

Du aber schläfst und schlummerst nicht,

du treuer Gott im Sternenlicht,

dir will ich mich vertrauen.

Ach, gib auf mich, dein Kindlein, acht.

Lass mich nach einer guten Nacht

die Sonne fröhlich schauen.

 

Bleiben Sie alle miteinander behütet!