Kreissynode tagte in Bad Oeynhausen

Zeit für Veränderungen. v.l. Verwaltungsleiter Friedrich-Wilhelm Nagel, Superintendent Andreas Huneke und sein Stellvertreter Pfarrer Lars Kunkel gaben Denkanstöße für eine breite Zukunftsdiskussion.RL/Bad Oeynhausen. Aufbruchstimmung herrschte auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Vlotho am vergangenen Freitag in der Bad Oeynhausener Wicherngemeinde. Die rund 80 Delegierten waren dort zu ihrer Sommertagung zusammengekommen. Im Mittelpunkt der Beratungen standen Fragen zur Zukunft des Kirchenkreises und der Kirchengemeinden in Bad Oeynhausen, Löhne, Porta Westfalica und Vlotho.

Superintendent Andreas Huneke, der nach längerer Erkrankung erstmals wieder die Vollversammlung des Kirchenkreises leitete, erinnerte in seinem Bericht an die Visitation der Landeskirche im vergangenen Jahr, die dem Kirchenkreis viele Denkanstöße gegeben hätte. Der Abschlussbericht sei sehr nützlich gewesen, da er eigene Überlegungen neu akzentuiert und dringlicher gemacht habe, so Huneke.

Verwaltungsleiter Friedrich-Wilhelm Nagel lieferte der Versammlung Fakten zur aktuellen Situation. Die Rahmenbedingungen der Evangelischen Kirche in der Region hätten sich im Vergleich zur Vergangenheit erheblich verändert, so Nagel. Habe der Kirchenkreis Mitte der 1960iger Jahre noch etwa 90.000 Mitglieder gehabt, seien dies momentan noch 54.000. Die Zahl der Gemeindepfarrstellen sei in dem Zeitraum entsprechend von 33 auf 22 gesunken. „Die Prognosen von damals haben also gestimmt“, sagte Nagel und prognostizierte auch für die kommenden zehn Jahre einen weiteren Rückgang, auch an Pfarrstellen. Die guten Einnahmen bei den Kirchensteuern im Moment dürften über die drängenden Strukturfragen nicht hinwegtäuschen, betonte er.

Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Vlotho tagte in der Wicherngemeinde in Bad Oeynhausen.

Die genannnten Verhältnisse sollen nun zu einer umfangreichen Neuorganisation der gesamten kirchlichen Arbeit führen. Dafür nannte Assesor Pfarrer Lars Kunkel mehrere Themenbereiche, an denen man möglichst zügig gemeinsam arbeiten wolle. Die geistlichen Fragen und Aufgaben sollten dabei immer im Blick sein: „Wie, wo und durch wen geschieht Kommunikation des Evangeliums?“ nannte Kunkel die maßgebliche Frage der zukünftigen Arbeit. „Wir wollen nicht länger den Mangel verwalten“, so Kunkel weiter, „sondern mutig andere Strukturen entwickeln, in denen die zentrale Aufgabe der Kirche als Gemeinschaftsaufgabe besser möglich ist.“ Dies wirke sich auf alle Bereiche der bisherigen Arbeit aus. Nicht zuletzt müssten die Kernaufgaben der Pfarrerinnen und Pfarrer neu umrissen und bestimmte Aufgaben, etwa im administrativen Bereich, besser und professioneller umverteilt werden. Auch dürften andere Berufsgruppen in der Kirche nicht vernachlässigt werden.

Rege Diskussion über die zukünftige Arbeit. v.l. Pfarrer Markus Freitag, Bad Oeynhausen Lohe, und Pfarrerin Renate Wefers, Vlotho Uffeln.Eine rege Diskussion der gesamten Versammlung schloss sich an. Die Delegierten konnten ihre Gedanken zur Zukunft des Kirchenkreises auch auf Karten festhalten, die vom Vorstand gesammelt und im Diskussionsprozess berücksichtig werden sollen. Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Theologischer Vorstand des Wittekindshofes und Mitglied der Kreissynode, äußerte sich erleichtert, dass endlich die entscheidenden Zukunftsfragen der Kirche auch in der Region ernsthaft angegangen würden. Pfarrerin Renate Wefers aus Vlotho Uffeln machte in ihrem Wortbeitrag darauf aufmerksam, dass zu viele Reformversuche bisher auf das Festhalten des lange Bewährten zielten. Die Menschen von heute suchten aber anders nach kirchlicher Begleitung, so Wefers weiter: „Viele fragen nicht danach, zu welcher Gemeinde sie gehören, sondern wo es ihnen am besten gefällt“, sagte sie und nannte dafür als Beispiel die Nachfrage nach kirchlicher Hochzeit.

Auch im Kindergartenbereich gibt es Bemühungen für die zukünftige Arbeit. Fachberaterin Dorothee Holzmeier berichtete der Synode von Überlegungen zur Gewinnung von neuem Personal. Im Gegensatz zu rückläufigen Zahlen in manchen Arbeitsbereichen konnte Holzmeier aber auch offiziell den Neubau eines evangelischen Kindergartens ankündigen, der 2019 in der zweiten Jahreshälfte in Bad Oeynhausen mit vier Gruppen für 85 Kinder an den Start gehen werde.

Die Synode beschloss außerdem, den Antrag an die Landeskirche auf Errichtung einer weiteren Pfarrstelle für Krankenhausseelsorge im Herz- und Diabeteszentrum NRW zu stellen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit soll personell und konzeptionell neu ausgerichtet werden, da Pfarrer Rainer Labie demnächst ganz in klassische pastorale Aufgaben wechseln möchte.

Die nächsste Kreissynode findet am 29. November 2018 in Bad Oeynhausen Eidinghausen statt.

 

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