Zweiter Fachtag über eine besondere Kindergartenpädagogik

Zweiter Fachtag über die Reggio-Pädagogik in Bad Oeynhausen. V.l. Sonja Marnette, Doris Hartmann, Dorothee Holzmeier und Professor Tassilo Knauf.RL/Bad Oeynhausen. Bereits zum zweiten Mal fand in Bad Oeynhausen ein Fachtag über die Reggio-Pädagogik statt, ein besonderer pädagogischer Ansatz in der Kindergartenarbeit. Zahlreiche Erzieherinnen und Erzieher aus ganz NRW waren der Einladung von Dorothee Holzmeier, Kindergartenfachberaterin im Evangelischen Kirchenkreis Vlotho, gefolgt.

Als Fachleute waren Sonja Marnette vom Vorstand „Dialog Reggio“ aus Duisburg und der emeritierte Professor Tassilo Knauf aus Bielefeld eingeladen. Beide hatten sich einen Schwerpunkt aus der Reggio-Pädagogik herausgegriffen, um daran die Besonderheiten zu verdeutlichen.

Ein Grundsatz der Reggio-Pädagogik sei es, die Kinder nicht passiv zu lehren, sondern sie als „kompetente“ Kinder zu unterstützen, ihre eigenen Entdeckungen zu machen und ihnen dabei Impulse zu geben, damit sie selber Lösungen finden könnten, erläuterte Sonja Marnette. Äußerten Kinder Interesse an einem Thema, werde dies zu einem Projekt im Kindergarten. Andere Kinder könnten dazukommen und gemeinsam erforschten sie mit Unterstützung der Erzieherinnen ein tagesaktuelles Ereignis oder ein Phänomen des Alltags. Sonja Marnette gab anschauliche Beispiele aus dem Alltag eines Kindergartens, der mit der Reggio-Pädagogik arbeitet.

Eine Besonderheit seien die „sprechenden Wände“. Diese Form der Dokumentation gehöre zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen zwischen der Reggio-Pädagogik und anderen elementarpädagogischen Ansätzen, berichtete Prof. Tassilo Knauf. Die Dokumentation erlaube den Kindern, all das noch einmal zu durchlaufen, was sie tun und was sie sind und helfe dabei, ihren gewählten Weg zum Ziel zu gelangen, noch einmal zu erleben, sagte er. Für die Erzieherinnen seien die sprechenden Wände eine Möglichkeit, „das Lernen immer weiter zu lernen“, denn im dokumentierten Beobachten würden die Lernweisen der Kinder sichtbar. Für die Eltern böten diese Dokumentationen gute Informationsmöglichkeiten.

Nach der Mittagspause hatten die rund 80 Teilnehmenden Gelegenheit, sich vor Ort über einen Reggio-Kindergarten zu informieren. Doris Hartmann, stellvertretende Leitung des Loher Kindergartens „Pusteblume“ führte durch die Räume und gab mit dem Team Antworten aus der Praxis. Die „Pusteblume“ soll nicht der einzige Kindergarten im Kirchenkreis Vlotho bleiben, der nach diesem pädagogischen Ansatz arbeitet. Die „Altstadtmäuse“ der Altstadtgemeinde in Bad Oeynhausen und der Kindergarten „Kunterbunt“ in Porta Westfalica Hausberge werden ihre Arbeit in Zukunft auch nach der Reggio-Pädagogik ausrichten.

 

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