Experte stellte den Patienten in den Mittelpunkt

Dr. Jost Niedermeyer (v.l.) und Pfarrerin Petra Henning von der Telefonseelsorge Ostwestfalen hatten den Experten Professor Andreas-Stefan Lübbe (r.) eingeladen, um die Aufgaben der Palliativmedizin näher zu beleuchten.MW/Bad Oeynhausen. Der Onkologe und Palliativmediziner Professor Andreas-Stefan Lübbe referierte über seine Erfahrung als Gründer und Leiter der Palliativstation in Bad Lippspringe. Zahlreiche Zuhörer waren in den Vortragssaal der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen gekommen, um mehr über Palliativmedizin zu erfahren.

Der Förderverein Telefonseelsorge Ostwestfalen hatte zusammen mit dem PalliativTeam und dem Ambulanten Palliativ Netz Kreis Minden-Lübbecke (PAN) zum Vortrag eingeladen. Federführen bei der Organisation war der erste Vorsitzende vom Förderverein, Dr. Jost Niedermeyer. Gleich zu Beginn des Vortrags bezog Professor Lübbe deutlich Stellung: „Ich bin kein Anhänger einer Medizin nach Schema-F“, sagte Lübbe. „Für mich liegt die Zukunft in der individualisierten Medizin.“ Während Lübbe immer wieder ausführlich auf die Zwischenfragen des Publikums einging, verlieh er der Palliativmedizin ein zunehmend schärferes Profil.

Er plädierte dafür, schwerkranken Patienten genau zuzuhören, aber sie auch genau aufzuklären und ihre Bedürfnisse und Rechte stärker zu berücksichtigen. Palliativmedizin müsse frühzeitig bei einer schweren, chronischen Erkrankung eingeschaltet werden. Studien besagten außerdem, dass Patienten durch einen palliativen Ansatz sogar länger lebten: „Gerade am Ende des Lebens werden Patienten häufig übertherapiert. Dies kann zu einem Verlust an Lebensqualität führen und sich entsprechend negativ auf die Lebensdauer auswirken“, sagte Lübbe. Ärzte seien hier gefordert, die medizinischen Indikatoren bei einem Patienten zu erkennen und angemessen zu kommunizieren. Das Arbeitsfeld der Palliativmedizin solle nach Möglichkeit weiter ausgedehnt werden. Momentan gebe es 100.000 chronisch Kranke in Deutschland, die palliativ betreut werden. Davon seien 95.000 Krebskranke. Die Palliativmedizin könne in Deutschland noch viel mehr leisten, wenn das Gesundheitssystem entsprechend ausgerichtet wäre.

Lübbes Vortrag mit dem Titel „Damit auch das Ende gut werde – von den Aufgaben und Möglichkeiten der Palliativmedizin“ gab nicht nur praktische Hinweise, sondern entwickelte eine Vision für zukünftige Aufgaben der Palliativmedizin.

 

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