Eine-Welt-Gruppe Bad Oeynhausen e.V. wird 30 Jahre

Mitglieder der Eine-Welt-Gruppe Bad Oeynhausen (v.l.) Peter Westerholz, Sylke Seek, Bärbel Westerholz, Ute Fischer, Jana Tödtmann, Ulrich C.Berendsen und  Ulrich Danielsmeyer.cj/Bad Oeynhausen. Ein einfacher Tapeziertisch auf dem Wochenmarkt - darauf Kerzen aus Soweto, Kaffee aus Nicaragua - so fing alles an. Heute betreiben Mitglieder der Eine Welt-Gruppe Bad Oeynhausen e.V. einen kleinen Weltladen im Alten Pfarrhaus des evangelischen Gemeindezentrums Eidinghausen. Der Verein ist bei zahlreichen Veranstaltungen mit seinem Infomobil und fairen Produkten aus dem Weltladen präsent.

1986 wurde der Verein „Eine-Welt-Gruppe Bad Oeynhausen e.V.“ (noch als „Dritte-Welt-Gruppe“) gegründet. Seither engagieren sich seine Mitglieder für einen fairen Handel mit den Ländern der sogenannten Dritten Welt, leisten Informationsarbeit und mischen sich mit ihren Belangen in die Lokalpolitik ein. „Wir jungen Leute damals hatten das Gefühl, auch lokal etwas tun zu müssen, gegen das Apartheid-System in Südafrika, gegen ungerechte Strukturen.“ Bärbel Westerholz und Ulrich Danielsmeyer - beide Gründungsmitglieder - erinnern sich an die Anfänge des Vereins: „Damals gab es eine starke Friedensbewegung in Bad Oeynhausen und insbesondere die kirchliche Jugendarbeit hat dem Ganzen Schwung gegeben.“ „Das war wie ein Sog“, meint auch Margret Tiepermann. „Unsere erste politische Aktion war ein Aufruf zum Boykott gegen Früchte aus Südafrika.“

Die Gruppe verkaufte Kerzen der Solidarität aus Soweto und die ersten fair gehandelten Waren der Gepa, der Gesellschaft zum partnerschaftlichen Handel mit der Dritten Welt: Kaffee aus Nicaragua, Honig aus Mexiko, Tee aus Tansania. Peter Westerholz erzählt schmunzelnd von den fair gehandelten Bananen, die er immer in Nienburg bei der Gepa abholte und die oft schon braun und unverkäuflich waren, bis sie in Bad Oeynhausen ankamen. Bärbel Westerholz: „Sämtliche Waren lagerten wir bei uns im Keller, in alten Regalen, die wir geschenkt bekommen hatten. Gemeindegruppen aus Bad Oeynhausen und Löhne holten die Sachen dann bei uns ab, um sie nach den Gottesdiensten oder bei Gemeindeaktionen zu verkaufen.“ 2006 zog der Laden in eine alte Scheune der Familie Werkmeister in Volmerdingsen und 2013 ins Alte Pfarrhaus in Eidinghausen. Heute wird dort neben Lebensmitteln auch Kunsthandwerk und z.T. Bekleidung angeboten.

Von Anfang an engagierte sich die Eine-Welt-Gruppe nicht nur im fairen Handel, sondern wollte auch informieren. Sie gestaltete Plakatwände, zeigte Kinofilme oder veranstaltete Lesungen mit bekannten Autoren wie Gudrun Pausewang. Schon früh unterstützte der Verein auch Projekte der Entwicklungszusammenarbeit, berichtet Peter Westerholz. „Das erste Projekt, das wir unterstützt haben, war ein Brunnenbau in Guinea Bissau. In der Klosterstraße bauten wir damals einen Brunnen aus Ziegelsteinen auf, um Passanten über das Projekt zu informieren und Spenden zu sammeln.“ Jahrelang stellte der Verein außerdem Bürgeranträge und erhielt auf Grundlage des NRW-Gemeindefinanzierungsgesetzes immer wieder größere Geldbeträge, die er an den Weltfriedensdienst e.V. in Berlin weiterleitete, um die Infrastruktur in Guinea Bissau zu stärken. Die Aufklärungs- und Informationsarbeit in Bad Oeynhausen sei jedoch kein Zuckerschlecken gewesen, meint Margret Tiepermann. „Es gab viel Konfrontation und oft sind wir auch angefeindet worden. Aber wir waren ja jung und idealistisch.“

Immerhin habe man im Lauf der Jahre einiges bewegt. „Aber man braucht einen langen Atem“, weiß Bärbel Westerholz. Erst nach 25 Jahren hartnäckiger Informationsarbeit sei es z.B. gelungen, den Rat der Stadt dazu zu bewegen, nur noch fair gehandelten Kaffee im Rathaus auszuschenken. Sehr zähes Engagement war auch nötig, damit Bad Oeynhausen 2013 erstmalig das Label „Fair Trade Town“ verliehen bekam. „Jahrelang haben wir mit dem Einzelhandel, Restaurants, Cafe´s und Supermärkten in Bad Oeynhausen verhandelt, damit sie fair gehandelte Waren anbieten in ihr Sortiment aufnehmen“, erinnert sich Martin Mohme. Auch zahlreiche größere Veranstaltungen und intensive Öffentlichkeitsarbeit waren Voraussetzung für das Label. „Aber letztendlich hatten wir Erfolg und der Umsatz für fair gehandelte Produkte stieg in Bad Oeynhausen um 50%!“

Dass heute die meisten Kirchengemeinden der Stadt fair gehandelten Kaffee anbieten, sei ebenfalls ein Ergebnis jahrzehntelanger Informationsarbeit. „Viele waren skeptisch, ob unser Kaffee den richtigen Mahlgrad für die großen Maschinen hat. Also bin ich überall hingefahren und habe demonstriert, dass die Geräte auch mit fair gehandeltem Kaffee funktionieren“, so Uli Berendsen.

Ein Kraftakt war für die Gruppe nicht zuletzt die Anschaffung eines Anhängers mit Verkaufstheke 1999 und der Innenausbau dieses Infomobils, bei dem alle Vereinsmitglieder kräftig Hand anlegten. „In der ersten Zeit sind wir damit 18 mal im Jahr unterwegs gewesen“, erinnert sich Peter Westerholz, bei Umwelttagen, Gemeindefesten, Weihnachtsmärkten, Sommerfesten oder auch bei der Innenstadtfete.“ Heute stellen die 15 aktiven Vereinsmitglieder etwa fünf Veranstaltungen und Aktionen pro Jahr auf die Beine, öffnen ihren Laden jeden Samstagvormittag und treffen sich einmal im Monat. Ihre nächste große Veranstaltung wird die öffentliche Jubiläumsfeier am 29. Oktober sein, die ab 18.00 Uhr im Foyer der Auferstehungskirche stattfindet. Dazu wird auch die Berliner Compagnie anreisen und ihr Theaterstück „Bettler auf goldenem Thron“ präsentieren. Natürlich gehe es darin auch um ein entwicklungspolitisches Thema, verrät Peter Westerholz. „Aber in erster Linie wollen wir mit vielen Leuten feiern und Spaß haben!“

Und wie geht es weiter? Rita Werkmeister ist sich sicher, dass die Arbeit des Vereins so aktuell ist wie eh und je. „Wenn man die Asylproblematik betrachtet, geht es doch immer noch darum, die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern, damit die Menschen dort sicher und zufrieden leben können.“

 

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