Syrische Familien können Angehörige nach Deutschland holen
Die Hilfsaktion kann beginnen: v.l. die Pfarrer Helmut Pietsch, Peter-Michael Voß und Matthias Mengel haben die Dokumente beim zuständigen Amt abgegeben.RL/Bad Oeynhausen. Viele in Deutschland lebende Syrer wollen Angehörige zu sich holen, die vor dem syrischen Bürgerkrieg fliehen. In NRW werden sie zwar aufgenommen - aber nur, wenn die Verwandten die Lebenshaltungskosten tragen. In Bad Oeynhausen wollen jetzt alle sieben evangelischen Kirchengemeinden der Stadt helfen: „Wir sehen das Engagement für syrische Flüchtlinge als ein wichtiges gemeinsames Anliegen an und haben dafür einen Hilfsfonds gebildet, in den alle Gemeinden der Region Bad Oeynhausen einzahlen, um die erforderlichen Bürgschaftsleistungen aufbringen zu können", erklärt Pfarrer Matthias Mengel aus der Wicherngemeinde. Auch die katholische Gemeinde St. Peter und Paul werde sich an der Hilfsaktion beteiligen.

Laut Gesetz muss jemand für die Angehörigen, die aus den Kriegsgebieten nach Deutschland kommen, den Unterhalt in Höhe der sonst vom Staat gezahlten Sozialhilfe (Grundsicherung nach SGB II) finanziell sicherstellen. Dies wäre den schon hier lebenden syrischen Menschen für ihre Angehörigen alleine nicht möglich. An dieser Stelle sind die Kirchengemeinden helfend eingetreten. Die offiziellen Dokumente der insgesamt 10 Bürgschaften wurden nun unterschrieben und bei der zuständigen Stelle abgegeben. Damit eröffnen die Kirchengemeinden die Möglichkeit, dass 10 syrische Christen aus akuter Gefahr nach Deutschland geholt werden können. Diese Menschen werden zukünftig bei ihren Familienangehörigen in den Gemeinden Rehme, Wichern und Eidinghausen-Dehme wohnen.

Die Wicherngemeinde und die Kirchengemeinde Werste sind bei dieser Hilfsaktion federführend und stellen die entsprechenden Anträge. Die Verpflichtung wird von allen evangelischen Kirchengemeinden der Stadt Bad Oeynhausen gemeinsam getragen.

„Während wir zusammen mit den fünf Gastgebern zwei Stunden zwischen Bangen und Hoffen auf die Bearbeitung unserer zehn Bürgschaftsanträge warteten, konnte wir schon voller Vorfreude erste Pläne schmieden für die Zeit nach der Ankunft der syrischen Gäste", berichtet Pfarrer Mengel. Wie lange man jetzt, nach der amtlichen Genehmigung, noch auf die Einreiseerlaubnis warten müsse, sei aber kaum voraussagbar. Die Ausreisewilligen müssten bis zu 15 Tage mit dem gepackten Koffer bereit stehen, um dann, wenn die Erlaubnis da sei, unverzüglich ausreisen zu können. Wie groß die Bedrohung, insbesondere für syrische Christen in ihrem Heimatland geworden ist, zeige ihre Bereitschaft, all ihren Besitz weit unter Preis zu veräußern und hier mit Gottes Hilfe und der Unterstützung ihrer Familienangehörigen ein neues Leben in einem für sie noch ganz fremden Land zu wagen.

Neben dieser finanziellen Grundsicherung durch die Bürgschaft ist den Presbyterien auch eine konkrete, individuelle und persönliche Unterstützung wichtig. Wie Pfarrer Lars Kunkel aus der Altstadtgemeinde mitteilt, sei neben den Bürgschaften für diese Personen auch konkrete persönliche Unterstützung geplant, wenn die betreffenden Menschen in Deutschland angekommen sind. Dabei werde etwa an die Betreuung von Kindern, die Begleitung bei Behördengängen, an Kontaktvermittlung bei der Arbeitssuche und die begleitende Sprachförderung als Hilfen zur Integration gedacht. Man sei im Moment dabei, für diese Hilfestellungen auch ehrenamtlich Mitarbeitende zu werben. Auf erste Anfragen hätten sich bereits mehrere gemeldet, die mitmachen wollten. Auch der für Ökumene zuständige Pfarrer Dr. Christian Hohmann werde in die Aktion eingebunden. Kunkel zeigte sich zuversichtlich, dass somit eine umfassende und nachhaltige Hilfe schon bald möglich sei.

Das Diakonisches Werk im Kirchenkreis Vlotho steht mit dem Flüchtlingsberater Siegfried Menze (Tel.2523-85) und dem Jugendmigrationsdienst (Birgit Meyer und Isabella Gianfreda, Tel.2523-57 oder -70) ebenfalls hilfreich zur Seite. Eine ähnliche Hilfsaktion haben im Kirchenkreis Vlotho bereits Gemeinden in Porta Westfalica und Löhne-Gohfeld begonnen.


 

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