Muslimische Theologin referierte in Wehrendorf
Eine streitbare islamische Theologin mit umfassenden Kenntnissen: Rabeya Müller war auf Einladung von Hartmut Peltz (Erwachsenenbildung) zu Gast im Wehrendorfer Gemeindehaus im Rahmen der Reihe „Fragen der Religionen“. Die Referentin hat Islamische Theologie, Islamwissenschaften und Pädagogik studiert, ist Mitglied in vielen interreligiösen Institutionen und Gründungsmitglied des Liberal Islamischen Bundes.RL/Vlotho. Rabeya Müller vom Zentrum für Islamische Frauenforschung in Köln war zu Gast in Vlotho Wehrendorf und erläuterte die Bedeutung des Korans als Heilige Schrift des Islams. Eingeladen war die muslimische Theologin im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Fragen der Religionen", die von den evangelischen Vlothoer Kirchengemeinden zusammen mit der Evangelischen Erwachsenenbildung in diesem Jahr durchgeführt wird.

Nur die Koranfassung in der arabischen Originalsprache sei für Muslime von Gott offenbart. Alle Übersetzungen in andere Sprachen seien immer schon eine Interpretation, erklärte Rabeya Müller. Dies führe häufig zu falschen Interpretationen und fundamentalistischen Fehldeutungen. Zudem müsse man im Koran die historisch bedingten Passagen unterscheiden von den für Muslime allgemeingültigen Abschnitten. Müller wandte sich gegen eine männlich dominierte Auslegung. „Viele islamische Ausleger aller Zeiten hatten und haben ein schlechtes Frauenbild", sagte die streitbare Theologin. Daraus erkläre sich die oft frauenfeindliche Interpretation bis in die Gegenwart. Das habe mit dem Koran aber eigentlich wenig zu tun, sondern sei vielmehr ein gesellschaftliches Problem. „Gott ist in Wahrheit ein geschlechtergerecht denkender Schöpfer."


Die Zuhörer wurden an dem Abend auch zur aktiven Mitarbeit an einem Textabschnitt eingeladen. Am Beispiel der Sure 4, 34, in der den Männern das Recht eingeräumt wird, ihre Frauen körperlich zu züchtigen, verdeutlichte Rabeya Müller die Notwendigkeit einer genaueren Auslegung einzelner Koranverse: Der arabische Begriff „daraba" habe neben „schlagen", wie er üblicherweise übersetzt werde, auch die Bedeutung „prägen" und „trennen". In dem Sinne werde "daraba" im Koran am häufigsten benutzt. „Wenn man sich jetzt den Zusammenhang anguckt, wie das Wort im Koran steht - wenn es irgendwelche Zwistigkeiten gibt, sprecht erst miteinander, dann trennt euch zeitweilig - dann empfindet man es als absolut unlogisch, wenn dann kommt ‚dann schlagt sie'. Wie um Gottes Willen soll ein solcher Schlag eine Ehe retten?", fragte Rabeya Müller.

Auch der nächste Abend der Reihe „Fragen der Religionen" wird sich mit dem Islam beschäftigen. Dann ist der islamische Theologe Hüseyin Inam aus Herne zu Gast und spricht über Gottesverständnisse im Islam.


 

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