Anfeindungen sind inakzeptabel / Gemeindewechsel sind möglich

Pfarrer Jörg Uwe Pehle (Archiv)CD/Vlotho. Pfarrer Jörg Uwe Pehle möchte auf eigenen Wunsch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Stephan in Vlotho verlassen. Diesen persönlichen Entschluss bedauern wir sehr, so Superintendent Andreas Huneke. Als Grund für seinen Weggang führt Pfarrer Pehle die andauernden Anfeindungen aufgrund seiner Homosexualität an. In einer öffentlichen Gemeindeversammlung am Dienstag hatte Pehle seinen Entschluss bekannt gegeben.

Jörg Uwe Pehle betont, dass es in der Gemeinde viele Menschen gebe, die ihn stets unterstützt und offen aufgenommen hätten, seitdem er die Pfarrstelle im Dezember 2016 antrat. „Diese Gemeinde ist grundsätzlich aufgeschlossen und vor allem mit dem Presbyterium hatte ich immer eine gute Zusammenarbeit. Gerade für diese Menschen tut mir die Entscheidung leid“, betont der Pfarrer.

„Wir als Kirchenkreis Vlotho stehen uneingeschränkt hinter Jörg Uwe Pehle“, sagt Superintendent Andreas Huneke. Auf der gerade erst zu Ende gegangenen Landessynode habe die Evangelische Kirche von Westfalen die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren und die „Trauung für alle“ beschlossen. Die Evangelische Kirche von Westfalen steht uneingeschränkt zur Vielfalt der sexuellen Orientierung. Deshalb ist es auch möglich, dass homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren Ehepartnern in Pfarrhäusern leben.

Superintendent Andreas Huneke: „Die fortlaufenden Anfeindungen gegenüber Jörg Uwe Pehle und seinem Ehemann in Vlotho sind inakzeptabel. Wir verurteilen dieses aufs Schärfste.“ Der Pfarrer sei ordentlich vom Presbyterium der Gemeinde gewählt und das müsse respektiert werden. Wer nicht in einer Gemeinde mit einem homosexuellen Pfarrer leben wolle, könne selbstverständlich in eine andere Gemeinde wechseln. Ein Antrag, beispielsweise an Presbyterien anderer Gemeinden, in denen Pfarrer Jörg Uwe Pehle nicht predigt, sei jederzeit möglich. 

Des Weiteren respektieren Kirchenkreis, Landeskirche und Pfarrer Pehle andere Auffassungen zum Verständnis des biblischen Wortes. Die Position der Evangelischen Kirche von Westfalen ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Der Respekt muss jedoch gegenseitig sein: Er ist auch von allen anderen Gemeindemitgliedern und Presbyterien gegenüber der von der Synode beschlossenen Praxis in der Evangelischen Kirche von Westfalen zu erwarten. 

Jörg Uwe Pehle bedankt sich für die Solidarität, die ihm seit der Gemeindeversammlung entgegenschlägt. Vor allem in den sozialen Netzwerken solidarisieren sich zahlreiche Vlothoer mit dem Pfarrer. Jörg Uwe Pehle bittet jedoch darum, von einer Kundgebung am kommenden Sonntag vor der Kirche abzusehen. Zum Gottesdienst am Ewigkeitssonntag erscheinen viele Menschen, die ihrer Verstorbenen in diesem Jahr gedenken möchten. Das solle nicht durch eine Demonstration vor der Kirche gestört werden.

 

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