Bachs h-Moll-Messe: Gelungenes Konzert der Kantorei in St. Stephan
Mit viel Herzblut und kraftvollem Einsatz ging die Kreiskantorin Han Kyoung Park-Oelert zu Werke.AB/Vlotho. Vor ausverkauftem Haus sang die Kantorei St. Stephan am Sonntag Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Die rund 50 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Han Kyoung Park-Oelert überzeugten mit ihrer Interpretation des ambitionierten Stücks. "Wir haben hart gearbeitet, ein Jahr langgeprobt, um dieses anspruchsvolle Werk zu bewältigen", sagte Han Kyoung Park-Oelert. Und lieferte den Beweis, dass sie die Kantorei in den letzten Jahren zu einem hervorragenden Chor geformt hat, der „den Gipfel der Kirchenmusik" erklommen konnte. Als Partner hatte Park-Oelert die Hannoversche Hofkapelle und eine Riege professioneller Solisten engagiert.

Die Kreiskantorin setzte auf Kontraste: so folgten auf Passagen voller spannungsreicher Harmonik mit groß angelegten Fugen filigrane Solos und Duetten. Stimmgewaltig, mit großer Geschlossenheit und Präzision bestieg die Kantorei die zahlreichen musikalischen Gipfel, wie beispielsweise im „Kyrie", passierte die sechs- und achtstimmigen Teile unbeirrt und hielt auch in den schier endlosen Verzierungen und Kurven im „Gloria" Schritt. Sopranistin Magdalene Harer und Altistin Hilke Andersen zeigten im Duett „Christe eleison", dass auch das Kammermusikalische seinen Raum im Bachschen Messgeschehen hat. Weitere Solos, wie die Arie „Domine Deus" vom Tenor Stephan Hinssen mit Sopranistin und Solo-Flöte oder die Bass-Arie „Quoniam tu solus Sanctus" von Albrecht Pöhl perfekt untermalt von zwei Oboen, unterstrichen diesen Ansatz. Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich die Musik und spiegelte anschaulich die zentralen Themen des christlichen Glaubens wider, die Erinnerung an den Tod Christi und die große Freude über das Wirken Gottes.

Es passte alles zusammen

Mit viel Herzblut und kraftvollem Einsatz ging die Kreiskantorin Han Kyoung Park-Oelert zu Werke und führte die Kantorei St. Stephan, die Hannoversche Hofkapelle und die vier Solisten engagiert durch die anspruchsvolle Partitur.

Immer bewahrte der gut vorbereitete Chor seinen beeindruckenden weichen Gesamtklang und hielt den Spannungsbogen trotz der Länge der zweistündigen Messe bis zum „Dona nobis pacem" aufrecht. Eine Meisterleistung an Konzentration, auf die der Laienchor stolz sein kann. Die gut disponierte Hannoversche Hofkapelle folgte Park-Oelerts engagiertem Dirigat mit flexiblem Spiel. Besonders schön brachte die Kantorei das himmlische „Sanctus" mit dem zweimal jubelnden „Osanna" am Ende der Messe zum Leuchten und ließ die Zuhörer förmlich auffahren. Begeistert sprangen sie von ihren Kirchbänken und spendeten langanhaltendem Applaus. Han Kyoung Park-Oelert bedankte sich sichtlich berührt: „Mein Herz ist voller Dankbarkeit für diese Musik, die von Gott kommt." Vor der Tür sagte Angelika Sasse, was wohl viele empfanden: „Das war großartig!"


 

Siehe auch: