Kommunikationstraining in der Gemeinde
Roland Tober trainierte Kommunikation mit Gemeindemitgliedern in VlothoDW/Vlotho.„Eigentlich ist das Wetter viel zu schön, um drinnen zu sitzen", meinte eines der Gemeindeglieder, die sich zu einem Kommunikationstraining unter Anleitung des Predigers Roland Tober aus Bad Oeynhausen im Gemeindehaus der reformierten Gemeinde in Vlotho versammelt hatten. Aber das Thema reizte dann doch so, dass das geplante Seminar zu einer intensiven Erfahrung wurde.

Nach dem gemeinsamen Lied „Danke" sprach Pastor Winfried Reuter ein kurzes Gebet. Dann begann Roland Tober mit dem ersten Teil, der unter dem Motto ‚Kreativ mit Konflikten umgehen lernen' stand. Obwohl für ihn diese Form eines Seminars in einer Gemeinde Neuland war, gelang es ihm - auch mit Hilfe von Videobeamer und vorab für alle Teilnehmenden kopierten Texten - sehr gut, die Inhalte zu vermitteln.

 

Als Einstieg hatte er drei Beispiele aus der Bergpredigt (Matthäus 5, 38-41) ausgewählt:

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei."

In allen dreien will Jesus deutlich machen, wie sich Christen in Konfliktsituationen verhalten sollten, nämlich einer Eskalation der Gewalt und des Hasses entgegen wirken, selbst keine Gewalt anwenden und zugleich auf die Respektierung der eigenen Würde bedacht sein. Die häufig zu Unrecht als weltfremd empfundenen Aussagen Jesu sind also keineswegs so gemeint, dass Christen sich alles gefallen lassen müssen, sondern sie sind ein Aufruf, kreativ nach Möglichkeiten zu suchen, Konflikte gewaltlos und unter Wahrung der Menschenwürde zu bewältigen, gegebenfalls auch Widerstand zu leisten, mit dem Ziel einer gerechteren Welt. 

Im zweiten Teil des Seminars ging es um den Umgang mit typischen Kommunikationsfallen. Grundlage hierfür war das Buch ‚Miteinander reden - Störungen und Klärungen' des bekannten Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun. Laut ihm hat alles, was wir sagen, vier Seiten: 1. beschreiben wir einen Sachverhalt, 2. tun wir etwas über uns selbst kund, 3. bringen wir damit zum Ausdruck, in welcher Beziehung wir zu dem oder der Angesprochenen stehen, 4. sprechen wir offen oder versteckt einen Appell aus. Und umgekehrt haben die Angesprochenen quasi ein „Sach-Ohr", ein „Selbstkundgabe-Ohr", ein „Beziehungs-Ohr" und ein „Appell-Ohr". Mißverständnisse entstehen häufig dadurch, dass jemand vor allem eine der vier Seiten hört. Also dass etwa eine Autofahrerin auf den Hinweis des Beifahrers. „Da vorne ist grün!" mit einem gereizten: „Fährst Du oder fahre ich?" reagiert, weil sie nur herausgehört hat, dass er ihr nicht zutraut, dass sie das selber sieht und er sich sowieso für den besseren Fahrer hält, obwohl er eigentlich gemeint hat, sie soll Gas geben, weil er es eilig hat.

Nach so viel Theorie, die hier nur sehr verkürzt wiedergegeben werden konnte, diskutierten im praktischen Teil mehrmals je zwei Gemeindeglieder kontrovers über ein Thema. Anschließend wurde von allen analysiert, wo und warum es zu Mißverständnissen gekommen war und wo die Argumentation unsachlich oder unfair war. Dabei wurde klar, dass zum Gelingen von Kommunikation neben dem guten Willen und der gegenseitigen Achtung der Beteiligten oft auch eine Prise Humor beiträgt.