Gedichtlesung jüdischer Autoren von Saxophonklängen begleitet
Unterstützt wurde der Arbeitskreis, bestehend aus Louisa Schröder-Isenbeck, Christine Höke, Angela Winkler und Winfried Reuter, bei der Lesung von Hannelore Butenuth, Witalij Frese, Moritz Knaut und Mirjam Westermann.mw/Vlotho. Die verzweifelte Suche nach einem lang verlorenen Gott, Gräser am Straßenrand, die bleibende Angst derjenigen die gerettet wurden, warum Männer nie lange perfekt bleiben und die Entwurzelung aus der Heimat, wenn nur noch Gottvertrauen bleibt.

All dies waren Themen mit denen sich die Gedichte jüdischer Autoren bei der Lesung in der St. Johanniskirche beschäftigten. Ein stetiger Wechsel aus lauten und leisen Stimmen, amüsanten und nachdenklichen Inhalten, deutscher und englischer Sprache wurde dem gespannt lauschenden Publikum geboten, dass die Vielseitigkeit am Ende mit viel Applaus honorierte.

Der Arbeitskreis Juden und Christen im Kirchenkreis Vlotho hatte zu der Veranstaltung unter dem Namen „ehe es wächst, lasse ich es euch erlauschen", ein Vers den Nelly Sachs in einem der vorgetragenen Gedichte nach Jesaja zitierte, geladen. Die 18 präsentierten Gedichte stammten von elf verschiedenen Dichtern, wie Kurt Tucholsky oder Esther Dischereit.

„Gemeinsam ist diesen Gedichten, dass sie uns gefallen, dass sie Gedanken, Gefühle in uns auslösen, uns beschäftigen, dass wir uns freuen, dass es diese Stimmen gibt, dass sie uns wichtiges zu sagen haben und dass wir im Chor aller anderen Stimmen nicht auf sie verzichten möchten", erklärt Winfried Reuter, Gemeindepfarrer in St. Johannis und Mitglied des Arbeitskreises, in seiner Begrüßung und am Ende das Abends konnte dies wohl jeder im Publikum nachvollziehen.

Auf einen inhaltlichen Leitfaden sei bewusst verzichtet worden und auch die Anordnung der Gedichte sei rein chronologisch. So wechselten sich „fromme und weltliche, skeptische, zweifelnde, Gott suchende und Gott vertrauende Stimmen", wie Pfarrer Reuter es erklärte, ab und gaben den Zuhörern viel zum Nachdenken.

Musikalisch untermalt wurde der Abend vom Saxophon-Quartett „AbraxSax". Die vier Musiker schlugen das Publikum unter anderen mit traditionellem Klezmer, „Irgendwo auf der Welt" von den Comedian Harmonists und der „Milonga Picaresque" von Astor Piazzolla in ihren Bann. Mit der intensiven Musik, die von Thomas Steingrube, der im Quartett das Baritonsaxophon spielt selbst arrangiert wurde, trugen sie maßgeblich zur Atmosphäre bei.

Übrigens handele es sich bei dem Vorgetragenen nicht um „jüdische Gedichte", wie in der Begrüßung extra betont wurde, sondern um Gedichte jüdischer Autoren. „Inwieweit sich inhaltlich spezifisch Jüdisches in diesen Gedichten findet, das ist eine bei jedem einzelnen Gedicht neue und offene Frage. Wir werden uns hüten, uns anzumaßen, das in die eine oder andere Richtung behauptend festlegen zu wollen."

Unterstützt wurde der Arbeitskreis, bestehend aus Louisa Schröder-Isenbeck, Christine Höke, Angela Winkler und Winfried Reuter, bei der Lesung von Hannelore Butenuth, Witalij Frese, Moritz Knaut und Mirjam Westermann.