Bei schönem Wetter ging es zum "Hundertwasserbahnhof Uelzen
Vor dem Hundertwasserbahnhof
IW/Vlotho. Fronleichnam 2010 unternahmen 20 Mitglieder unserer Gemeinde bei strahlendem Sonnenschein einen Ausflug mit der Bahn zum „Hundertwasserbahnhof Uelzen“. Mit Expo-Geldern war dort im Jahr 2000 nach Ideen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser aus dem ehemals wilhelminischen Backsteinbau des Uelzener Inselbahnhofs ein farbig ausgestaltetes „Märchenschloss“ entstanden, wobei Teile des ursprünglich vorhandenen Bahnhofsgebäudes erhalten blieben. Getreu Hundertwassers Motto „Die gerade Linie ist gottlos“ hat der Künstler verspielte Fassaden in Wellenlinien, „tanzende“ Wände mit Keramikschmuck und asymmetrische Aufbauten geschaffen.

Viele dickbäuchige, bunte Säulen mit goldenen Zwiebeltürmen erinnern an Bäume, denn Hundertwasser will den Raubbau an der Natur, der durch Bauwerke zwangsläufig entsteht, wieder gutmachen. So sind Teile der Dachkonstruktion des Bahnhofs von Pflanzen bewachsen. Das höchste Flachdach des Bahnhofsgebäudes wie auch die Bahnsteigüberdachungen tragen die größte Solardachanlage Niedersachsens. An einer Schautafel kann man die jeweils produzierte Strommenge ablesen. Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Inge Wienecke informierte über Leben und Hauptwerke Hundertwassers, der als Friedrich Stowasser 1928 in Wien geboren wurde und 2000 verstarb.

Lange Jahre war er als relativ unbekannter Maler und Briefmarkengestalter tätig, bis der Wiener Oberbürgermeister dem Künstler freie Hand ließ für das „Hundertwasserhaus“ in Wien. Hier verwirklichte Hundertwasser seine grellbunten Ideen eines Hauses mit integrierten Bäumen und seine Philosophie vom „Fensterrecht“: Jeder Mieter des Hauses darf die Außenfassade um seine Fenster herum beliebig nach seinen Vorstellungen frei gestalten (was aber bisher dort nicht geschehen ist).

Dieses touristisch weltweit bekannte Gebäude lieferte den Startschuss für Hundertwassers Architekturprojekte in aller Welt. Hundertwasser schuf in Wien noch eine Müllverbrennungsanlage sowie weltweit zahlreiche Zweckbauten wie Autobahnraststätten, Fabriken, Krankenstationen und Kindertagesstätten, z.B. in Deutschland, in der Schweiz, in Japan und den USA. Sein letztes großes Werk ist eine öffentliche Toilettenanlage in Neuseeland.

Unsere Gemeindegruppe hatte sich im „Arte“-Restaurant des Bahnhofs Uelzen angemeldet und konnte so die besondere Atmosphäre noch während des Mittagessens genießen.

Im Anschluss wurde die Stadt Uelzen erkundet, z.B. die zahlreichen, bunt bemalten Granitblöcke der deutsch-schwedischen Künstlerin Dagmar Glemme. Auch die St.-Marienkirche, eine der ältesten Backsteinkirchen Norddeutschlands, durfte nicht fehlen. Sie beheimatet als besonderes Kleinod ein goldenes Schiff, dessen Herkunft nicht eindeutig zu klären ist. Von einer Schiffergilde verwendet, war es ursprünglich vermutlich ein Reliquiengefäß. Eine zweite Besonderheit Uelzens ist das Ulenköper-(Eulenkäufer-) Denkmal, das einen Bauern und einen Kaufmann zeigt. Ein listiger Bauer verkaufte nach einer Uelzener Sage einem Kaufmann „Baarftgaans“ (Barfußgeher) in einem Sack. Der Kaufmann verstand „Barkhahns“ (Birkhähne) und wurde unangenehm überrascht, als bei ihm zu Hause Eulen aus dem Sack entwichen und sein Haus verunstalteten. Er zog vor Gericht, doch der amüsierte Richter gab dem Bauern Recht, denn Eulen gehen zweifelsohne barfuß. Bis heute tragen die Uelzener den Spitznamen „Ulenköper“. Wer die Münze in den Händen des Kaufmanns auf dem Denkmal berührt, dem soll das Geld bis an sein Lebensende nicht ausgehen.

In kleinen Gruppen wurde die Stadt weiterhin erkundet: Von einer Partie am Flüsschen Ilmenau bis hin zum Shoppen oder Eisessen erstreckten sich die individuellen Beschäftigungen, bis am späten Nachmittag wieder die Rückreise mit dem Zug angetreten wurde.

Inge Wienecke