Prof. Dr. Kristian Fechtner zur christlichen Bestattung

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Sto/Porta Westfalica. Der vom christlichen Glauben getragene Umgang mit Sterben, Tod und Bestattung stand im Zentrum des dritten Vortrags zum Thema „Bestattungskultur im Wandel“. Prof. Kristian Fechtner, an der Universität Mainz lehrender Theologe, stellte Überlegungen und Erkenntnisse zur gegenwärtigen Situation vor, die eine Vielfalt von Möglichkeiten bietet.

Die Bestattung gehöre zu den Riten des Übergangs. Sie biete die Möglichkeit, den Übergang vom Tod zum Leben bewusst zu machen und den Abschied zu gestalten. Die gottesdienstliche Feier zu diesem Anlass finde in der Form einer Prozession statt: „Der Tote wird aus der Gemeinschaft der Lebenden heraus gebracht zu einem Raum der Toten“, so Fechtner. Am Schluss der rituellen Handlung, die auch eine Segnung des Verstorbenen enthalten könne, werde der Tote in die Hände Gottes übergeben.

Das Abschiednehmen beinhalte eine spezielle Dramaturgie und eine innere Logik der verwendeten Symbole. Allerdings sei eine der drei Stationen auf dem Weg des Verstorbenen (Sterbehaus mit Aussegnung, Friedhofskapelle und Grab) zunehmend weggefallen. Auch sei die Tendenz festzustellen, die Bestattung zu einer mehr privaten Feier zu machen.

„Abschied und Erinnerung gehören zusammen“, so der Theologe, der sich für den Friedhof als einen tradierten Ort der Erinnerung aussprach. Der Friedhof als umgrenzter Ort biete den Verstorbenen ebenso wie den Trauernden einen geschützten Raum. Dagegen beinhalte der in den letzten Jahren von vielen Menschen favorisierte Friedwald diese Begrenzung nicht, auch sei die Möglichkeit, an einem solchen Ort eine gottesdienstliche Abschiedsfeier abzuhalten, eher eingeschränkt.

Kritisch setzte sich der Referent abschließend mit Formen der anonymen Bestattung, die in den letzten Jahren stark gewachsen sei, auseinander. Allerdings habe es einen ähnlichen Umgang mit den Toten bereits in der Geschichte gegeben. So seien im Mittelalter und zu Zeiten von Epidemien viele Menschen in Massengräbern beigesetzt worden. Der Referent regte auch an, nach Gestaltungsmöglichkeiten auf sog. „anonymen“ Friedhofsfeldern zu suchen. Grundsätzlich gelte es zudem, die Würde des Menschen, der vor Gott einen Namen habe, auch im Tod zu bewahren.

Den Abschluss bildet am Mittwoch, 12. November, um 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Erde zur Erde, Asche zu Asche…“ - Zur Erneuerung der evangelischen Bestattung. Diese Diskussion findet im Ferdinand Huhold-Haus, Hausberge, Kirchsiek 7 statt. Es diskutieren: Markus Sill (Bestatter), Petershagen, Stefan Mohme, (Technischer Beigeordneter der Stadt Porta Westfalica), Helmut Diekmann, Kirchenmusiker, Veltheim, Paul Rosenbaum Friedhofsverband Bad Oeynhausen, Michael Czylwik, Pfarrer in Holtrup. Moderation: Hartmut Peltz, Evangelische Erwachsenenbildung.